Newsletter bestellen  

Werbung  

Anmeldung  

Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben

Facebook Connect  

I'm sorry myApi login is currently not compatible with Internet Explorer. Download Chrome, that's what all the cool kids are using

Connect with facebook

Facebook Connect

Hi , login or create a new account below

Login

Register

If you already have an account with this website login with your existing user name and password to enable Facebook Connect. From now on you'll be able to use our one click login system with your facebook credentials instead of your current user and password

Alternativley to create a new account using details from your Facebook profile enter your desired user name and password below. These are the details you can use to log into this website if you ever decide to delete your facebook account.

Forgot your password? - Forgot your username?

Aktuelle Informationen  

Klick für Download der Wochenblitz App für Android

Klick für Download der Wochenblitz App für Windows

Klick für Download der Wochenblitz App für Apple

Melden Sie sich oben auf der Webseite noch heute für den Newsletter an. Dann sind Sie im Falle einer möglichen Krise oder Katastrophe bestens informiert!

Der aktuelle WOCHENBLITZ vom 19. April steht ab sofort in unserem Web-Shop zum download bereit.

Der nächste WOCHENBLITZ erscheint ab 3. Mai 2017.

Deutschland / Ausland:

Merkel in Saudi-Arabien: Besuch bei einem wichtigen und schwierigen Partner

Rechte Gesinnung von "Flüchtlings-Offizier" offenbar lange bekannt

Übung mit südkoreanischer Marine

Türkische Regierung setzt Umbau des Staates fort

Verschiedenes:

Bestellen Sie hier das Abo vom Wochenblitz bequem nach Hause. Thailandweit!

Lesen Sie hier unsere Kolumnen.

Als Senior in Thailand - Wichtige Kontakte

Deutschland und Thailand - Handelspartner auf Wachstumskurs

Ausgewandert und Abgebrannt - Ein Armleuchter in der Leuchtenstadt - Teil 10

Facebook  

Spruch der Woche  

Krisen meistert man am besten,
indem man ihnen zuvorkommt.
(Walt Whitman Rostow, amerikan. Wirtschaftswissenschaftler)

Partner  

  • Childrens Academy
  • Bios-Logos
  • Street Animal Project Pattaya

Wetter  

Statistiken  

OS : Linux w
PHP : 5.2.17
MySQL : 5.1.73-cll
Zeit : 21:40
Caching : Aktiviert
GZIP : Deaktiviert
Benutzer : 1429
Beiträge : 26167
Weblinks : 6
Seitenaufrufe : 7178993

Ausgewandert und Abgebrannt

Alle 14 Tage, immer Freitags, erscheint ein weiterer Teil exklusiv beim Wochenblitz!

Vita

Carl Gemser wurde als Sohn einer deutschen Profitänzerin 1957 in Luzern geboren. Er erlernte den Beruf des Kellners, absolvierte in Zürich eine Gesangsausbildung, war jahrelang Fabrikarbeiter und später in einem Großkonzern als Portier angestellt, wo er intensiv mit dem Schreiben begann. Seit 1998 ist er im Telefonmarketing, vorwiegend als Consulter tätig.

Zahlreiche Reisen nach den USA (wo er einige Male in Las Vegas als Sänger in einem kleinen Kasino auftrat), Brasilien, Thailand, Hongkong, Kambodscha und Vietnam inspirierten den Autor zu seinen Short Storys, Satiren, Erzählungen und zu einem Roman.

Der Tatsachenroman/Gegenwartsroman

Eines Tages wanderte er nach Thailand aus und versuchte dort eine Existenz zu gründen zusammen mit seiner einheimischen Frau. Einige Zeit später musste er allein und völlig abgebrannt wieder in die Schweiz zurückkehren. Daraus entstand dann schließlich das Thema zu Ausgewandert & Abgebrannt - Rückkehr in die helvetische Kälte. Ein Tatsachenroman, der zugleich eine schonungslose Abrechnung mit diversen Schweizer Behörden ist.

Publikationen

Ende der achtziger Jahre wurde seine erste Satire in einer Provinzzeitung veröffentlicht. Später folgten diverse Artikel in verschiedenen Regionalzeitungen sowie zwei Beiträge für die Horror Story der Woche in der John Sinclair Serie, Prosatexte in satirischer Form und mehrere Tatsachenberichte in der Luzerner Gassenzeitung.

 

Ein Armleuchter in der Leuchtenstadt - Teil 10

PDFDruckenE-Mail

"Heini und seiner clownesker Camembert. Originell. Hut ab vor dem Dicken. Ein wahrer Gourmet", drücke ich meine Anerkennung für unseren Kumpel aus.

"Wie heißt es so schön: Käse schließt den Magen. Bestellen wir gleich zum Dessert eine Käseplatte", schlägt Chris vor und winkt dem Kellner. Bei diesem bestellt er dazu noch eine weitere Buddel Primitivo. Seit unserer Ankunft in diesem Restaurant haben wir schon drei Flaschen zusammengeeimert.

Gegen 13.45 Uhr bezahlt Chris die Rechnung. Wir bedanken uns überschwänglich für seine Einladung zu diesem opulenten Mittagsmahl, wobei er mir und Pinkas zum Abschied noch den restlichen Hunderter von seiner gestrigen, lukrativen Betteltour schenkt.

"Der Appenzöller frisst den rässen Chäs mit dem ganzen Töller", scherzt Pinkas und zieht einen beachtlichen Riemen Appenzeller aus seiner Jackentasche, den er vorhin im Restaurant von der Käseplatte stibitzt hat.

"Aha, die Katze lässt eben das Mausen nicht, hoho!", lache ich.

"Auch eine versoffene, diebische Elster wie ich muss mal ab und zu feste Nahrung zu sich nehmen."

Als ob wir nicht schon mehr als genug gevöllert hätten, verzehren Pinkas und ich den Appenzeller zum Vesper auf der hölzernen Kapellbrücke. Ich entsinne mich an die Schlagzeilen vor circa zwanzig Jahren, als ein Großteil des prachtvollen Wahrzeichens von Luzern einem Brand zum Opfer gefallen war. Angeblich ausgelöst durch eine weggeworfene brennende Zigarette. Was man natürlich als Humbug, oder besser als offensichtliche Vertuschung bezeichnen muss. Die Ursache war sicherlich Brandstiftung gewesen in Zusammenhang mit Versicherungsbetrug. Vor zwanzig Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich eines Tages ebenfalls so abgebrannt sein würde wie damals diese Brücke hier.  Nun, eine abgefackelte Holzbrücke kann man wenigstens wieder aufbauen. Außer einem Häufchen Asche ist inzwischen nichts mehr übrig geblieben von der einstigen Liebe zu meinem Vaterland.

Nachdem ich Pinkas von meinem makabren Albtraum mit Pranom von letzter Nacht in der Notschlafstelle erzählt habe, meint er nachdenklich:

"Manchmal träume ich auch: von meinen toten Eltern. Manche Geister wird man niemals los. Sie spuken für den Rest deines Lebens in dir herum. Du musst mit ihnen leben, ob du willst oder nicht."

Kurz vor 16.00 Uhr überqueren wir die Langensandbrücke, unter der die vielen Bahngleise auch in Richtung Zürich verlaufen, somit ebenso in Richtung des Klotener Flughafens. Alle Wege führen nach Rom, und kein einziger nach Bangkok ...

Wir passieren den Grimselweg, wo ich früher in einem Mietblock gut vier Jahre mit Pranom gewohnt habe. Das erweckt in mir unwillkürlich Erinnerungen, eine Vertrautheit gleichzeitig vermischt mit einer bitteren Fremdartigkeit. Dann treffen wir uns morgen hier in Luzern in unserer gemeinsamen Wohnung am Grimselweg. Pranoms Worte aus dem grauenhaften Traum von letzter Nacht hallen nach, wie ein Echo in meinem Gedächtnis, das mir erscheint als ein Grabgewölbe, in dem ich selbst eingekerkert bin. Die Klauen einer unsagbaren Einsamkeit bemächtigen mich jetzt, hüllen mich ein; gnadenlos, kompromisslos.  Möglicherweise ist es genau dieses emotionale Gemisch, gleich eines Zündstoffes, der mich dazu bewegt, einen kompromisslosen Entschluss zu fassen. Nur EIN Weg wird mich nach Bangkok führen ... Eine Möglichkeit führt mich zu meinem Ziel!

Wir sind auf dem Weg in die Straßenküche. Dort will sich mein Freund Gras besorgen, das ich natürlich wie immer verschmähen werde. 

In der Luzerner Straßenküche ist kein Platz für einen Normalo. Obwohl dieser Ort unter regelmäßiger Kontrolle der Polente steht, wird dort trotzdem Gras konsumiert und gedealt. Wirklich befremdlich allerdings ist die Tatsache, dass die Bullen dort ständig irgendwelche Gelegenheitsdealer filzen und manchmal verhaften. Die großen Dealer hingegen findet man dort kaum. Diese verhökern ihre Ware an anderen Plätzen, überall in der Stadt. Wenn es mal ein paar von denen erwischt, sind sie meistens nach spätestens vierundzwanzig Stunden wieder draußen, und wickeln in aller Ruhe weiterhin ihre Geschäfte ab.

Als Pinkas und ich dort eintreffen, lümmeln sich ungefähr zehn zugedröhnte Männer und zwei Frauen herum. Harry, ein Junkie, den ich noch vom letzten Jahr kenne, will mir gleich ein Vodka Red Bull anbieten. Er blickt sich vorsichtig etwas um, weil Alkohol hier offiziell verboten ist.

Ich lehne ab: "Nein, danke. Ich steh' nicht auf diese Präser Pisse. Pfui Deibel! Lieber ein feines Weinchen."
"Damit kann ich leider nicht dienen. Aber warum 'Präser Pisse'?", fragt mich Harry.
"Weil dieses Gesöff für mich nach flüssigen Kondomen schmeckt", antworte ich, worauf Harry anfängt schallend zu lachen. Es hört sich an wie das Wiehern eines Pferdes.

Pinkas hat seine Ware inzwischen besorgt, und wir wollen gerade aufbrechen, als ich eine männliche Stimme höre, die thailändisch spricht.

Neugierig schaue ich rüber zum runden Tisch am Fenster. Ein ungefähr vierzigjähriger Mann in einer roten Winterjacke sitzt alleine am Tisch und telefoniert mit seinem Handy. Es ist kein Thai.

... sondern ein Schweizer, wir er mir Minuten später mitteilt, nachdem er das Telefongespräch mit seiner thailändischen Frau beendet hat. Er beherrscht die Sprache nahezu perfekt. Rolf, so sein Name ist vor gut einem Monat wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Vorher lebte er über zwölf Jahre ununterbrochen in Thailand. In Phuket, auf der Insel Khao Lak führte er zusammen mit seiner einheimischen Frau vier Jahre lang einen Touristen Bungalow mit einem Restaurant, bis im Dezember 2004, als der Tsunami kam, alles vernichtete und über achttausend Menschen in den Tod riss. Er hatte alles verloren aber dennoch Glück im Unglück: Er überlebte sowie seine Frau und sein mittlerweile zehnjähriger Sohn. Danach arbeitete er sechs Jahre in seinem früheren Beruf als Koch im renommierten Luxus Hotel Oriental in Bangkok. Als er sich mit dem einheimischen Küchen Chef überwarf, mobbte dieser ihn mit Hilfe des Direktors kaltblütig raus. In den letzten drei Jahren hatte er sich mühsam durchschlagen müssen. Schließlich ist er hier wieder in der Schweiz gelandet; aber wenigstens mit Kind und Kegel. Rolf, der Rückwanderer wird diesen Kulturschock wohl nie richtig überwinden können, wie ich es ihm schon jetzt anmerke. Dazu kann man nur sagen: Manchmal ist die Welt wirklich klein.

Aus mir schier unerfindlichen Gründen gedenke ich ihm nichts von mir zu erzählen. Ja, ich erwähne nicht einmal, dass ich ebenfalls der thailändischen Sprache mächtig bin, wenn auch nicht derart versiert wie er. Irgendetwas hält mich instinktiv davon ab. Vermutlich um mich keinen unnötigen Sentimentalitäten auszuliefern. Wohl eine Art von Schutzwall. Denn jede auftretende emotionale Schwäche in Form von neu aktivierten Erinnerungen aus meiner thailändischen Vergangenheit und die damit automatisch verbundenen melancholischen Anwandlungen würden mich jetzt nur von meinem Entschluss abbringen, den ich vor noch nicht einer Stunde gefasst habe. Ich muss meine Gedanken kanalisieren, mich auf meinen Plan konzentrieren.

"Was machst du denn ausgerechnet hier in der Straßenküche?", möchte ich von ihm wissen.

"Kochen, was denn sonst? Ich habe heute Mittag für die ganze Brigade gekocht, für über dreißig Leute. Ich koche hier jeden Freitag für siebzig Franken. Ich lebe mit meiner Frau und meinem Sohn momentan noch von der Fürsorge, und da können wir ein paar Hundert Kröten im Monat zusätzlich gut gebrauchen. Natürlich binde ich das dem Amt nicht auf die Nase. So, ich wasche jetzt noch schnell das restliche Geschirr ab und dann gehe ich nach Hause zu meiner Familie." Rolf steht auf und hängt seine Jacke über den Stuhl.

Als Koch vom Bangkoker Oriental zur Luzerner Straßenküche, was für ein Karrieresprung! Doch ist er immer noch um einiges besser dran als die meisten Anderen hier, die nur stoned rumhängen in ihrem Drogensumpf oder sonst den ganzen Tag Maulaffen feilhalten und somit über keine Zukunftsperspektiven mehr verfügen. Rolf ist auch zweifellos besser dran als ich.

Dieser will gerade in die Küche zurückgehen, als ich ihn noch frage: "Was meintest du vorhin mit 'wir leben momentan noch von der Fürsorge'?"

Er blickt mich etwas misstrauisch an. "Wieso interessiert dich das, bist du vielleicht ein Polyp, ein Ziviler?"

"Oh nein, keine Sorge, nur Neugierde, das ist alles. Hohoh!", winke ich lachend ab. "Ich kenne nämlich jemanden, der war einmal in einer ganz ähnlichen Lage wie du."

"Nun, wenn du's unbedingt wissen willst: Anfangs nächsten Monat kann ich eine Stelle als Koch im Thai Paradise Restaurant des Hotel Minor antreten. Es ist zwar nicht das Bangkok Oriental aber immerhin habe ich wieder eine Anstellung."

"Du willst nicht mehr zurück nach Thailand?"

"Du bist ganz schön neugierig, mein Freund ... Nach meiner zwölfjährigen Erfahrung bin ich zum Schluss gekommen, dass auch dort nicht alles Gold, oder genauer ausgedrückt: Thai Gold ist, was glänzt. Na, zufrieden?"

"Na klar, Rolf. Ich wünsch' dir jedenfalls viel Glück und Erfolg in deiner alten Heimat."

Rolf ist von seiner neuen Heimat entwurzelt worden, hat den Tsunami in Phuket überlebt, sowie andere heftige Stürme in seinem Dasein. Dann wird er auch hier in Luzern wieder befähigt sein, mit dem Halt seiner geliebten Familie Wurzeln schlagen zu können.

 
© 2017 - Wochenblitz.com