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(George Bernard Shaw, irischer Schriftsteller, 1856-1950)

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Wahre Geschichten

Liebe und Toleranz

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Am 31.10.1986 kam im Norden Thailands, in der Provinz Phayao, ein wundervolles Kind zur Welt. Dieses Kind war von klein auf ein bemerkenswerter Mensch.
Für dieses Kind war es immer wichtiger das es anderen gut geht und erst an zweiter Stelle dachte es an sich selbst.
Dieses Kind wuchs heran zu einem bezaubernden jungen Mädchen, bildhübsch, höflich, liebevoll und hilfsbereit, doch als all ihre Freundinnen und Freunde schon ihre ersten Erfahrungen mit der ersten Liebe gemacht hatten blieb sie trotz ihrer bezaubernden Schönheit und ihrem Herz aus Gold alleine und die Erfahrung der Liebe blieb ihr verwehrt.
Eines Tages kam es, es war der Weihnachtsabend, dass ein paar Weihnachtssänger aus der christlichen Kirche des Ortes ihr Zuhause passierten und für Sie und ihre Familie, obwohl diese Buddhisten waren, ein Weihnachtslied sangen und Plätzchen verschenkten. Sie war über die Maße hinweg begeistert und wurde von diesen eingeladen die Kirche einmal zu besuchen. Dies tat sie dann auch bereits am nächsten Tag und in den kommenden 15 Monaten war sie dort fast täglich. Sie putzte, sie kochte für Bedürftige, sie tat was immer getan werden musste bevor es ein anderer tun konnte und jeder gab ihr das Gefühl, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein und dass Gott sie liebt.
Dann, nach 15 Monaten kam das Kirchenoberhaupt der Region in den Ort um für neue Gläubige die heilige Taufe durchzuführen und sie war mehr als bereit diese zu empfangen und ihr Herz, ihren Geist und ihr Leben Gott zu widmen. Sie freute sich auf diesen Tag wie niemals zuvor auf irgendetwas.
Sie lud jeden ein den sie kannte, Familie Freunde, Bekannte und erzählte es jedem der es hören wollte, dass sie stolz sei, endlich getauft zu werden um ein vollwertiger Christ und eine Tochter Gottes zu sein. Alle in der Kirche freuten sich mit ihr und nie hatte sich jemand so sehr gewünscht ein Teil der christlichen Kirchengemeinschaft zu sein und sein Leben Gott zu widmen.
Der Tag kam also und jeder, der sie kannte, war da um zu sehen und mit zu erleben wie sie die heilige Taufe empfangen wird. Sie war an diesem Tag die Freude, das Glück und die Liebe selbst. Sie kaufte sich ein wundervolles Kleid, auf welches sie lange gespart hatte und wollte, dass dies der schönste Tag ihres Lebens wird. Als es dann endlich soweit war, sie vor Vorfreude kaum noch atmen konnte, ihr Herz vor lauter pochen fast aus der Brust platzte und sie die heilige Taufe empfangen sollte, sagte das weibliche geistliche Oberhaupt, die extra zu dieser Zeremonie angereist war, dass sie ein Ladyboy sei und deshalb weder getauft, noch von Gott und seiner Religion akzeptiert würde und deshalb an der Zeremonie nicht teilnehmen könne.
Ihre Stimmung schlug mit diesen Worten sofort um. Sie brach in Tränen aus und verlies unmittelbar den Ort. Keiner konnte dies so recht verstehen und viele verließen ebenso die Veranstaltung. Familie, Freunde und Bekannte versuchten sie zu trösten doch der Schmerz war zu tief. Es vergingen 4 Tage in tiefer Trauer und am fünften Tag fand man sie erhängt im Nebengebäude vom Haus ihrer Eltern. In den wenigen Zeilen die sie an ihre Eltern hinterließ sagte sie unter anderem:
"Welchen Wert hat mein Leben, wenn selbst Gott, der mich erschaffen hat, den ich liebe, verehre, anbete und für den ich alles geben würde, mich nicht will weil ich im falschen Körper geboren wurde? Für mich ist auf dieser Welt kein Platz und deshalb vergesst mich."
Dies ist mit Abstand die traurigste Geschichte, die ich jemals in meinem Leben gehört habe und an Grausamkeit kaum zu übertreffen. Ich hatte selbst Tränen in den Augen als ihre Schwester mir die Geschichte erzählt hat.
Nui, wir werden Dich niemals vergessen und in unseren Herzen wirst Du ewig leben!
Wier lieben Dich weit über diese Welt hinaus!
Klaus
 

 

Der verschwundene Reisepass

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Der Protagonist unserer zweiten Geschichte ist ein junger deutscher Reisetechniker, der von Bangkok aus in ganz Südostasien herumfliegt, um Maschinen und Maschinenanlagen aufzubauen, zu warten und Schäden an ihnen zu beseitigen. Bei Rückkehr von einem solchen Einsatz will er noch im Flugzeug seinen Reisepass aus der Gesäßtasche ziehen – und greift ins Leere. Nun ist guter Rat teuer! Aber lassen wir ihn doch selbst erzählen…

»Ich war gerade in Indien, und das Projekt war für indische Verhältnisse bemerkenswert gut gelaufen. Kurz vor Weihnachten konnte ich meine Arbeit beenden und hatte nun vor, über die Feiertage ein paar Wochen in Thailand auszuspannen.

Das Einchecken am Flughafen in Indien verlief ohne Zwischenfälle. Pass raus, darin lag das Ticket. Sitzplatzabschnitt abrupfen lassen und hinein in die Beinpresse. Nur ein paar Stunden noch, dann sieht man die Jungs wieder…in Bangkok. Nichts wird sich verändert haben, alles wird so sein wie immer…und der Urlaub kann beginnen.

Der Flug war normal. Zwar war ich wegen Umständen mit Übergepäck meinen Platz am Notausgang losgeworden, aber hatte immer hin noch einen  guten Sitz am Gang erwischt. Wir flogen also…weg von den Heiligen Kühen, hin zur Tom Yam Gung.   

„Cabin crew prepare for landing!“ Mein Zeichen, die Landung stand kurz bevor. In freudiger Erwartung meinen lang ersehnten Urlaub anzutreten, griff ich an meine Gesäßtasche, um sicher zu sein, alles sei da wo es hin gehörte. Wow! Da müsste doch mein Pass sein. Doch da war er nicht. Dann habe ich ihn wohl im Handgepäck…? Mir war da schon klar, dort war er nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Nachdem wir gelandet sind, noch einmal alles gründlich absuchen, dann wird sich schon alles in Wohlgefallen auflösen.

Ich war der letzte, der aus dem Flieger kam und der einzige, der ohne Pass kam. Drei Stewardessen und ich haben den Sitz, auf dem ich gesessen hatte, auseinander genommen. Da war kein Pass! Eine freundliche, aber bestimmte Person meinte: Musst du raus, Flieger putzen, Bus wartet nicht lange. Also rein in den Bus, so tun als wär' nix. Ist aber was! Kennt ihr das? Dies Gefühl, du hast Mist gebaut, und du denkst, jeder weiß es? Sitze ich also im Shuttle-Bus mit der Gewissheit, dass ich gar nichts weiß. Hab keinen Plan, was jetzt passieren wird.

Da saß ich nun in irgendeinem Keller des Bangkok International Airport, auf  'ner schwarzen Ledercouch, zu der mich irgendwelche Leute hingebracht hatten. Ich war nicht ganz allein, da war noch ein Mädel aus Prag. Sie saß schon zwei Tage im Transit fest. An alle Backpacker!! Schaut, dass euer Pass mindestens noch ein halbes Jahr gültig ist, bevor ihr einreist, und verlasst euch nicht auf irgendein windiges Reisebüro. Es sei denn, ihr wollt ohne  eure beste Freundin Urlaub machen, weil sie im Transit fest hängt…

„Mister, where is your passport?“

“Ehem, I have no idea, but I got it in India before I entered the plane.”

“So, where is your passport now?”

“I still have no idea, there are not many possibilities. Actually there are two possibilities.     1. I lost it on the gangway.

2. I lost it in the plane.

Maybe some stranger is holding it now. After the cleaning staff did their job and didn’t find it, I will not get it back, will I?

How can I get into Thailand?”

“Without passport, no way.”

Das war übel. Halt, ich rufe meinen Spezi in Bangkok an, der hat Verbindungen.

„Hallo, Herby, habe ein Problem. Mein Pass ist weg, geklaut, verloren. Ich hänge im Transit auf dem Airport fest, kann nicht rein und nicht raus. Was können wir tun?“

„Gute Frage“, sagt Herby. „Ich bin gerade im Krankenhaus, mein Sohn hat Dengoefieber. Ich schick Dir mal die Nummer von der Botschaft auf SMS. Vielleicht geht da was.“

„OK, erst mal vielen Dank.“

 Samstagmorgen 9 Uhr. Nach 12 Versuchen und zwei Stunden ging in der Botschaft endlich jemand ans Telefon.

„Guten Morgen, ich habe meinen Pass verloren…“

„Nächste Woche Donnerstag kommen Sie vorbei, dann stellen wir Ihnen einen neuen aus.“

„Da gibt es ein kleines Problem…“

„Das da wäre?“

„Ich hänge im Transit auf dem Flugplatz fest, ohne Pass komme ich nicht raus hier.“

„Oh, Transit“, sagt der. „Da kann ich Ihnen nicht helfen. Da haben wir keine Befugnis.“

„So, what did your friend say?” fragt mich die Uschi in der Transit-Lounge.

“Couldn’t help me, but I have a back-up plan. In a few days I will get a second passport sent to Bangkok.”

“What you mean: second passport?”

Ich erklärte ihr, dass Deutsche, die beruflich sehr häufig reisen, legal einen zweiten Pass besitzen dürfen, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden.

„Aber mit dem zweiten Pass kommst du nicht raus, wenn du keinen Ausreisestempel aus Indien drin hast.“

„Ich sag einfach, ich komme aus „good old Germany“.

„Versuch es. Oder flieg doch einfach woanders hin, China, Vietnam Laos...“

„Und von dort einfach wieder rein“, fiel ich ihr ins Wort. „Das müsste klappen.“   

Durch die E-Mail meiner Sekretärin und der tracking number von FedEx konnte ich die Uschi irgendwie überzeugen, dass ich wirklich einen zweiten Pass bekomme. Ansonsten, meinte sie, dürfte ich mich nicht länger als 12 Stunden im Transit aufhalten; müsste unverzüglich einen Flug nach Deutschland klar machen. Ich machte mich nun daran ein Flughafenhotel im Transit zu suchen und mich auf die nächsten 2-3 Tage vorzubereiten. Gab auch zwei, aber 12 Stunden für 300 Dollar. Hallelujah!

Als ich meinen Spezi in Bangkok informiert hatte und wieder zurück bei der Immigration war, passierte etwas, mit dem wohl keiner gerechnet hatte.

Einer der Schreibtischtäter aus den hinteren Reihen rief mich an:

„Mister, we have good news for you.“

“What news is that?”

“Ehem, your passport has been found.”

Nach sechs Kaffee und nichts Festes im Magen stand ich kurz vor einem Hirnschlag.

„Wo ist er denn?“

„In Hanoi.“

„Wie kommt er dahin?“

In Hanoi war das Personal noch einmal auf meinen Sitz angesetzt worden, und man hatte den Pass in der allerletzten Ritze gefunden.

Ja, gibt’s denn so was?

„Nee“, meinte die Uschi vom Transitschalter, das gibt es eigentlich nie.“

Alle kamen und tatschten mich an, um etwas von meinem Glück mit zu bekommen. In zwei Stunden würde die Maschine wieder in Bangkok  sein. Verdammt, wenn das nicht das geilste Weihnachtsgeschenk war, das es je gab! Vor lauter Glück beschenkte ich erst einmal das gesamte Immigration-Personal mit Milka-Schokolade, die ich dabei hatte. Ein Typ von der Immigration begleitete mich zu meinem Gepäck, aber erst Passkontrolle. Da war ein Andrang, als sei halb Moskau gelandet. Aber, geil, mit meinem persönlichen Geleitschutz ging es durch den Diplomatendurchgang. Mein Gepäck zu finden dauerte noch einmal ne gefühlte Stunde. Nach 8 Stunden – Doomsday und Weihnachten an einem Tag. Selten so einen Gefühlsgulasch erlebt. Noch seltener, so ein happy end!

Verdammt, hatte ich jetzt Bock auf ein kühles Bier!«   

Ulrich Dennerlein

 

Ein kranker Schüler?

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In unserer ersten Geschichte geht es um einen zehnjährigen Jungen, der in Bangkok lebt. Die Mutter ist Thai und hat einen  Uni-Abschluss, der Vater ist Deutscher und selbständiger Geschäftsmann. Die Familie ist so gestellt, dass der Junge eine private Thai-Schule besuchen kann. Er ging bis dato gern zur Schule und steht mit seinen schulischen Leistungen im oberen Drittel der Klasse.

Einige Tage vor Weihnachten letzten Jahres fiel dem Vater auf, dass der Junge über Kopfschmerzen und Wehwehchen hier, Wehwehchen da klagte, offensichtlich um nicht zur Schule gehen zu müssen. Er sagte auch, dass er deswegen nicht an einem in Kürze stattfindenden Ferienlager teilnehmen wolle, auf das er sich vorher gefreut hatteDer Vater bringt seinen Sohn jeden Morgen zur Schule und hat ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu dem Buben. Er hatte gleich den Verdacht, der Junge täusche seine „Leiden“ nur vor. So setzte er sich mit seinem Sohn zusammen und versuchte vernünftig mit ihm zu reden. Das Gespräch verlief stockend, aber freundlich. Nach ungefähr einer halben Stunde kam heraus: Unter den Lehrkräften, bei denen der Junge Unterricht erhielt, gab es eine Lehrerin, die kleine Nachlässigkeiten und Fehlverhalten der Schüler und Schülerinnen mit Schlägen auf die ausgestreckte Hand ahndete.

Diese Art der Bestrafung war auch vor sechzig Jahren in Deutschland noch üblich, ist aber seitdem längst verboten. Jeder deutsche Lehrer, der diese Strafe heute anwenden wollte, stände schon mit einem Bein vor Gericht.

Als der Vater die Wahrheit hörte, wollte ihn zuerst die Wut überfallen, weil jemand sein Kind schlug. Er lebt aber seit über fünfundzwanzig Jahren in Thailand und hat gelernt sich zu beherrschen. Da es Freitag war, beschloss er, über die Sache zu schlafen und Montag zur Schule zu gehen. Das teilte er seinem Jungen mit, der ihn inständig bat, das doch zu unterlassen, da er(in Thailand verständlich) Repressalien befürchtete. Der Vater blieb fest und am Montagmorgen fuhr er mit seiner Frau  zur Schule. Sein Sohn war schon seit Schulbeginn in der Klasse, und wartete wahrscheinlich auf den bevorstehenden Ärger mit den Lehrern. Der Vater verlangte den Schulleiter zu sprechen, der aber nicht anwesend war. So sagte er einem älteren Lehrer, er wünsche alle Lehrkräfte zu sehen, die seinen Sohn unterrichteten. Nach kurzer Zeit waren die betreffenden Lehrer versammelt und der Vater hielt ihnen eine Ansprache, in Englisch und in ruhigem Ton. Er sagte ihnen, dass er es unter keinen Umständen dulden werde, dass jemand seinen Sohn züchtigt. Er streute hin und wieder ein Thai-Wort ein, um auch wirklich verstanden zu werden und weil es schien, dass nicht alle Lehrer und Lehrerinnen Englisch verstanden.

Zuerst wollte es keiner gewesen sein, und der Vater fragte, entschlossen eine Antwort zu bekommen, weiter.

Als er geendet hatte, meldete sich eine Lehrerin, eine kleine zierliche Person, als diejenige, die die beschriebene Strafe ausgeführt hatte. Der Vater unterstrich noch einmal, was er gesagt hatte und plötzlich schienen auch alle Lehrer Englisch zu verstehen. Er sagte schließlich, er würde seinen Jungen von der Schule nehmen, wenn diese Art der Bestrafung weiter durchgeführt werde. Man versicherte ihm, das werde nicht der Fall sein, und damit war die Sache nach außen hin erledigt.

Nach der Unterredung, bat der Vater die Lehrer noch mit zur Klasse seines Sohnes, um diesem zu zeigen, das es keine Probleme geben werde.

Tage spatter, wurde der Vater von seinem Sohn unterrichtet, das es keine Schläge mehr an der Schule gäbe.

Viele Kinder gehen jetzt wahrscheinlich glücklicher zu dieser Schule.

Die ganze Angelegenheit war keinesfalls folgenschwer, aber sie führt zu einer Erkenntnis: Man soll als Ausländer im Gastland zwar die Gepflogenheiten der Einheimischen berücksichtigen, aber man muss sich unter keinen Umständen alles gefallen lassen.

Ulrich Dennerlein

   
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