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Weltweit

Schiiten-Miliz belagert jemenitischen Regierungssitz

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Sanaa - Im Jemen ist der Konflikt zwischen der Regierung und der schiitischen Huthi-Miliz eskaliert: Nach Kämpfen am Montag mit mindestens neun Toten und 67 Verletzten belagerten die schiitischen Rebellen am Abend den Sitz von Ministerpräsident Chalid Bahah. Die Regierung verlor außerdem die Kontrolle über wichtige Staatsmedien.

Die Huthi-Miliz belagere Bahahs Amtssitz und habe alle drei Eingänge abgeriegelt, sagte Regierungssprecher Radschih Badi der Nachrichtenagentur AFP. In dem Gebäude hatte Bahah den Tag über Konsultationen zur Beilegung der Krise abgehalten. Der Regierungssprecher rief für Dienstagmorgen alle politischen Kräfte des Landes auf, in einer "Dringlichkeitssitzung" über einen Fahrplan zur Beendigung der Gewalt zu beraten.

Sanaa war am Montag nach mehreren Monaten relativer Ruhe von neuen Kämpfen erschüttert worden. Stundenlang waren Schüsse und Explosionen zu hören. Dabei beschossen die Huthi-Milizen auch Bahahs Wagenkolonne, dieser blieb nach offiziellen Angaben aber unversehrt. Auch der Konvoi mit Huthi-Vertreter Saleh al-Sammad sei unter Beschuss geraten, teilte Informationsministerin Nadia Sakkaf über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Den Aufständischen gelang es nach eigenen Angaben, einen Hügel vor dem Präsidentenpalast mitsamt einem dort gelegenen Armeestützpunkt unter ihre Kontrolle zu bringen. Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi hielt sich allerdings wie meist nicht in seinem Amtssitz auf.

Die Rebellen setzten schwere Waffen und mindestens zwei Panzer ein. Wie Sakkaf mitteilte, übernahmen sie auch die Kontrolle über das Staatsfernsehen und die amtliche Nachrichtenagentur Saba. Die Milizionäre weigerten sich demnach, "irgendeine Mitteilung der Regierung zu veröffentlichen". Der Nachrichtenchef des Staatsfernsehens, Taufik al-Scharaabi, gab über Facebook seinen Rücktritt bekannt.

Bis am späten Nachmittag eine Waffenruhe in Kraft trat, wurden nach offiziellen Angaben mindestens neun Kämpfer beider Seiten getötet. Weitere 67 Menschen, unter ihnen Zivilisten, seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Waffenruhe wurde Anwohnern zufolge zunächst eingehalten.

Die Schuld an der Eskalation der Gewalt wiesen sich beide Seiten gegenseitig zu. Die Arabische Liga äußerte ihre "Besorgnis über die unglückliche Eskalation der Gewalt im Jemen" und rief alle Seiten zu einem Ende der Kämpfe auf.

Seitdem die Rebellen im September weite Teile der Hauptstadt eingenommen hatten, war es relativ ruhig geblieben. Am Samstag entführten die Huthi-Rebellen jedoch den Stabschef des Präsidenten, Ahmed Awad bin Mubarak. Die Schiiten-Miliz will damit Änderungen an der künftigen föderalen Verfassung erzwingen, deren Ausarbeitung Mubarak leitet. Die Huthi sehen durch dessen Pläne ein unter UN-Vermittlung erzieltes Abkommen gefährdet, das ihnen mehr Mitsprache in der Regierung gewähren soll.

Um die Freilassung Mubaraks zu erzwingen, setzte die südjemenitische Provinz Schabwa am Montag ihre Erdölförderung vollständig aus, wie die dortige Regierung mitteilte. Auch in der Nachbarprovinz Hadramut legten die Arbeiter des Ölfelds Massila aus Solidarität mit dem Stabschef des Präsidenten die Arbeit nieder, wie ein Verantwortlicher mitteilte. AFP

 

Kanadier Magnotta legt Berufung gegen Schuldspruch ein

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Montréal - Der Kanadier Luka Rocco Magnotta hat Berufung gegen den Schuldspruch wegen Mordes an seinem Sexualpartner eingelegt. In dem am Montag eingereichten Antrag bezeichnete die Verteidigung des 32-Jährigen das Urteil als "unangemessen und durch die Beweislage nicht gedeckt" und forderte einen neuen Prozess. Magnottas Anwalt Luc Leclair warf unter anderem einem Jurymitglied Voreingenommenheit vor und machte ein Fehlverhalten des Richters im Umgang mit der Jury geltend.

Magnotta, der früher einmal als Pornodarsteller gearbeitet hatte, war am 23. Dezember wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Damit müsste er mindestens 25 Jahre ins Gefängnis. Magnotta hatte gestanden, im Mai 2012 den chinesischen Studenten Lin Jun getötet und die Leiche anschließend zerstückelt zu haben. Filmaufnahmen der Tat stellte er ins Internet.

Die Verteidigung hatte argumentiert, der Angeklagte sei wegen einer Persönlichkeitsstörung nicht zurechnungsfähig, die Geschworenen wiesen diese Darstellung aber zurück. Magnotta war nach der Tat geflohen und schließlich in Berlin festgenommen worden. AFP

 

Belgien setzt hunderte Soldaten zum Schutz gefährdeter Orte ein

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Brüssel - Nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen Islamistenzelle in Belgien patrouillieren hunderte Soldaten an gefährdeten Orten des Landes. 150 Soldaten bezogen am Samstag Positionen in Brüssel und Antwerpen, schrittweise soll ihre Zahl auf 300 erhöht werden. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (F.A.S.) berichtete, die Zelle habe neben Polizisten offenbar auch jüdische Schulen angreifen wollen. In Niger wurden bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen zehn Menschen getötet.

Die belgische Armee beschützte am Samstag jüdische Einrichtungen, Behörden und Botschaften, wie Verteidigungsminister Steven Vandeput mitteilte. Rund 150 Soldaten bewachten "strategische Orte" im Diamantenhändler-Viertel in Antwerpen, wo zahlreiche orthodoxe Juden leben. Auch EU-Einrichtungen, der Nato-Sitz, die Botschaften der USA und Israels, die Große Synagoge und das Jüdische Museum in Brüssel wurden geschützt. Der Sondereinsatz ist zunächst auf einen Monat begrenzt. Zuletzt war die Armee nach einer Anschlagsserie Mitte der 80er Jahre im Inland eingesetzt worden.

Im ostbelgischen Verviers nahe der deutschen Grenze hatte die Polizei am Donnerstag bei einem Einsatz gegen mutmaßliche Islamisten zwei Verdächtige erschossen. Die Gruppe hatte nach Erkenntnissen der Ermittler Anschläge auf Polizisten geplant. Die F.A.S. berichtete unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise, dass offenbar auch jüdische Schulen angegriffen werden sollten.

Die belgischen Behörden fahnden nun nach dem mutmaßlichen Kopf der Islamisten. Der 27-jährige Abdelhamid Abaaoud soll sich nach Medienberichten in Syrien der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben und die Islamisten in Verviers von Griechenland oder der Türkei aus gesteuert haben. In Athen wurden am Samstag vier Verdächtige festgenommen. Laut griechischen Polizeikreisen wurden DNA-Proben und Fingerabdrücke nach Belgien geschickt. Die belgische Staatsanwaltschaft schloss am Sonntag aber eine Verbindung aus.

Auch einen direkten Zusammenhang zwischen der belgischen Islamistenzelle und den islamistischen Anschlägen auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" sowie eine Polizistin und einen jüdischen Supermarkt, bei denen in Paris 17 Menschen getötet worden waren, sehen die Behörden beider Länder nicht. Im Zuge der Ermittlungen in Frankreich befanden sich am Sonntag noch neun Verdächtige in Polizeigewahrsam.

Unterdessen wurden die beiden "Charlie Hebdo"-Attentäter beigesetzt. In der Nacht zum Samstag wurde in Reims zunächst Said Kouachi bestattet, in der Nacht zum Sonntag folgte die Beisetzung seines Bruders Chérif in Gennevilliers bei Paris. Beide wurden anonym beigesetzt, damit ihre Gräber nicht zu Pilgerstätten für Islamisten werden.

Die neue Mohammed-Karikatur in der jüngsten "Charlie Hebdo"-Ausgabe sorgte in muslimischen Ländern weiter für wütende Proteste. Demonstranten in der nigerianischen Hauptstadt Niamey setzten mindestens acht Kirchen in Brand. Etwa tausend Männer zogen mit Eisenstangen, Knüppeln und Äxten durch die Straßen. Bereits am Freitag hatte es in der zweitgrößten Stadt Zinder schwere antiwestliche Ausschreitungen gegeben. Insgesamt wurden bei den Protesten zehn Menschen getötet und dutzende verletzt.

In der Kaukasus-Republik Inguschetien gingen nach Behördenangaben rund 15.000 Menschen auf die Straße. Präsident Junus-Bek Jewkurow bezeichnete die Mohammed-Karikaturen als "Staatsextremismus". Afghanistans Präsident Aschraf Ghani kritisierte die Karikaturen als "Beleidigung" des Islam. In Gaza schmierten Unbekannte Sprüche wie "Ihr kommt in die Hölle, französische Journalisten" an das französische Kulturinstitut.

Frankreichs Präsident François Hollande betonte, die Meinungsfreiheit gehöre zu den wichtigsten Werten Frankreichs. "Charlie Hebdo"-Chefredakteur Gérard Biard sagte dem US-Sender NBC, die Mohammed-Karikaturen trügen zur Verteidigung der Religionsfreiheit bei. 42 Prozent der Franzosen lehnen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen einer Umfrage zufolge allerdings ab.

In Deutschland ging die neueste "Charlie Hebdo"-Ausgabe am Samstag in den Verkauf. Allerdings gingen die meisten Interessenten wegen des enormen Ansturms leer aus. Der Verlag kündigte an, die Auflage der Ausgabe auf sieben Millionen zu erhöhen. AFP

   

Angriff auf Haus von deutschem Christen in Osttürkei

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Istanbul - In der kurdischen Stadt Idil im Südosten der Türkei haben Demonstranten am Sonntag nach Augenzeugenberichten schon zum dritten Mal binnen weniger Tage das Wohnhaus eines der letzten Christen im Ort angegriffen. Wie Augenzeugen in Idil der Nachrichtenagentur AFP berichteten, zertrümmerten die Angreifer zahlreiche Fenster an dem Gebäude, in dem auch der "Verein der Aramäer von Idil" seine Räume hat. Der Anschlag habe sich am Rande einer Demonstration von Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ereignet, sagten die Zeugen, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Polizeibeamte hätten nicht eingegriffen, hieß es weiter. Die Polizei in Idil wollte den Angriff auf Anfrage nicht bestätigen. Nach Angaben des Gebäudebesitzers Robert Tutus, der aramäischer Christ und deutscher Staatsbürger ist, war es der zwölfte Anschlag auf sein Haus in einem Jahr. Tutus hatte gerade die Fenster ersetzt, die beim letzten Anschlag vor einer Woche zu Bruch gegangen waren. Bei anderen Anschlägen waren auch Brandsätze geflogen; vor einigen Monaten geriet das mehrstöckige Mietshaus dabei in Brand.

Tutus ist einer der letzten aramäischen Christen der Stadt, die bis vor 50 Jahren ausschließlich von Christen bewohnt war und heute überwiegend von Kurden besiedelt ist. Er war nach der Ermordung seines Vaters in den 90er Jahren nach Deutschland geflohen, vor einigen Jahren aber nach Südostanatolien zurückgekehrt. Tutus vermutet, dass er durch die Gewalttaten aus Idil vertrieben werden soll.

Die Angriffe auf sein Haus ereignen sich nach Zeugenberichten stets am Rande von Demonstrationen von PKK-Anhängern zu verschiedenen Anlässen, aus denen sich Gruppen von Gewalttätern lösen, um das Haus des Christen anzugreifen. AFP

 

Indonesien richtet fünf Ausländer wegen Drogenvergehen hin

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Jakarta - Trotz internationaler Gnadenappelle sind in Indonesien fünf Ausländer und eine Einheimische wegen Drogenvergehen hingerichtet worden. Die sechs Verurteilten aus den Niederlanden, Brasilien, Vietnam, Malawi, Nigeria und Indonesien wurden am Sonntag kurz nach Mitternacht von Exekutionskommandos erschossen. Aus Protest beriefen die Niederlande und Brasilien ihre Botschafter in Jakarta vorübergehend ab.

Fünf Hinrichtungen fanden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft auf der Insel Nusakambangan vor der Südküste der indonesischen Hauptinsel Java statt, wo sich ein Hochsicherheitsgefängnis befindet. Eine weitere Exekution gab es demnach im Bezirk Boyolali im Zentrum von Java.

Es waren die ersten Hinrichtungen, seit Staatschef Joko Widodo im vergangenen Oktober sein Amt übernommen hatte. Dieser vertritt bei der Umsetzung der strikten Anti-Drogen-Gesetze des Landes eine harte Linie. Die Gnadengesuche der Verurteilten hatte er im Dezember abgelehnt.

Ein Sprecher der brasilianischen Präsidentin Dilma Roussef erklärte, die Staatschefin sei "bedrückt und empört", weil Indonesien trotz ihrer wiederholten Bemühungen die Todesstrafe gegen den 53-jährigen Marco Archer Cardoso Moreira vollstreckt habe. Brasiliens Botschafter in Jakarta werde zu Beratungen abberufen. "Die Vollstreckung der Todesstrafe, die von der internationalen Gemeinschaft zunehmend abgelehnt wird, wirkt sich ernsthaft auf die Beziehungen unserer beiden Länder aus", fügte der Sprecher hinzu. 

Auch der niederländische Botschafter wurde vorübergehend aus Jakarta abgerufen. Außenminister Bert Koenders erklärte in Den Haag, er sei "unglaublich traurig" über den Tod der sechs Menschen. "Mein Herz ist bei ihren Familien, für die dies nun das dramatische Ende von Jahren der Ungewissheit ist." 

Koenders zufolge hatten der niederländische König Willem-Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte Kontakt zum indonesischen Staatschef. Die Regierung habe "alles in ihrer Macht stehende" versucht, um die Hinrichtung des 62-jährigen Niederländers Ang Kiem Soei zu stoppen. Er war für schuldig befunden worden, ein großes Ecstasy-Labor betrieben zu haben. Die fünf anderen wurden wegen versuchten Drogenschmuggels in den Jahren 2000 bis 2011 verurteilt.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte ebenfalls versucht, in Jakarta Druck zu machen. Rupert Abbott von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "sehr traurigen Tag". Er forderte die Regierung auf, weitere geplante Exekutionen zu stoppen. Laut Behördenangaben sind in dem südostasiatischen Inselstaat insgesamt 20 Hinrichtungen für dieses Jahr geplant. Unter anderen sind eine britische Großmutter, zwei Australier und ein Franzose zum Tode verurteilt worden.

Indonesien hatte die Vollstreckung der Todesstrafe 2008 ausgesetzt, sie 2013 aber wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr war niemand hingerichtet worden. Die Verhängung der Todesstrafe für Drogendelikte begründen die Behörden mit täglich 50 Drogentoten. Rund 4,5 Millionen der insgesamt etwa 250 Millionen Indonesier seien drogenabhängig. AFP

   

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