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Papst schlägt Politik
Papst schlägt Politik
Rom - "Der Wahlkampf ist vorbei", war der knappe Kommentar des Meinungsforschers Luigi Crespi kurz nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. Gemeint waren nicht die Vorgänge im vatikanischen Konklave, sondern deren Auswirkungen auf die bevorstehende Parlamentswahl in Italien, eigentlich ein Ereignis mit weitreichenden Auswirkungen für das Land und ganz Europa. Nun gilt noch stärker als zuvor: Der Ausgang des Urnengangs am 24. und 25. Februar ist ungewiss.
"Die erste Reaktion der italienischen Politiker nach den Worten des Papstes war: 'Mein Gott. Jetzt verschwinden wir aus den Zeitungen und aus dem Fernsehen'", sagt Ugo Magri, Leitartikler bei der Zeitung "La Stampa". Die Veröffentlichung von Umfragen ist nur bis zwei Wochen vor dem Wahlgang erlaubt. Der Fokus der Medien auf den Papst und seinen möglichen Nachfolger könnte in dieser Situation denen mächtig schaden, die die Medien brauchen, um bei den Wählern punkten zu können - etwa dem früheren Regierungschef Silvio Berlusconi.
Der "Cavaliere" nörgelte denn auch in einem Interview: "Klar haben wir nun weniger Aufmerksamkeit in den Medien." Der mehrfache Ministerpräsident, zugleich Medientycoon, wurde im November 2011 mit derartiger Wucht ins politische Abseits befördert, dass lange niemand für möglich gehalten hätte, er werde nochmals zurückkommen. Doch in den vergangenen Wochen holte er in den Umfragen blitzschnell auf, der zuvor sichere Abstand zum Links-Mitte-Bündnis des als aussichtsreich geltenden sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani schmolz dahin.
Schockiert nahm die Linke zur Kenntnis, wie in den letzten veröffentlichten Umfragen vom 8. Februar Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz nur noch rund vier Prozentpunkte hinter Bersani lag. Die Linke wurde zuletzt von verschiedenen Meinungsforschungsinstituten bei 31,1 bis 35,5 Prozent der Stimmen gesehen. Die rechtsgerichtete Allianz schaffte es demnach auf 28,5 bis 30,5 Prozent - nachdem der Abstand zwischen beiden Lagern vor rund zwei Monaten noch 15 bis 20 Prozentpunkte betragen hatte.
Gründe für das rasante Comeback des "Cavaliere" waren wie so oft saftige Wahlversprechen, die der Ex-Regierungschef machte. So stellte er den Italienern die Rückzahlung der von seinem Amtsnachfolger Mario Monti im Bemühen um die Sanierung der Staatsfinanzen eingeführten Immobiliensteuer in Aussicht. Umsetzen will er das im Falle eines Wahlsiegs als Wirtschaftsminister. Und einen Finanzierungsplan für das milliardenschwere Projekt lieferte er gleich mit: Er wolle die Steuern für Tabak und Glücksspiele erhöhen, die Staatsausgaben senken und über ein Steuerabkommen mit der Schweiz mehrere Milliarden eintreiben.
Berlusconi versteht es, über die Medien die Menschen anzusprechen, ebenso wie der beliebte Blogger und Komiker Beppe Grillo, der mit seiner linksgerichteten Bewegung in den meisten Umfragen zuletzt noch vor Montis Bürgerwahl lag. Doch beiden Kampagnen dürfte das Papstthema gehörig "schaden", prognostiziert Renato Mannheimer, Chef des Umfrageinstituts Ispo.
Eine schwierige Regierungsbildung steht in jedem Fall an. Das derzeit am leichtesten vorstellbare Szenario ist eine Zusammenarbeit von Bersanis Sozialdemokraten mit Montis im Zentrum angesiedelter Allianz. Bersani hat bereits klargestellt, dass er die Reformagenda von Montis Expertenkabinett fortsetzen will. Im Schatten des Wachwechsels im Vatikan könnte Bersani dann möglicherweise als Nachfolger Berlusconis und Montis zum Regierungschef gewählt werden.
Der Papst dürfte aber auch nach der Parlamentswahl die Schlagzeilen dominieren. Benedikt XVI. will am 28. Februar abends sein Amt aufgeben, bis Ostern soll ein Nachfolger feststehen. Der Komiker Maurizio Crozza bescheinigt Bersani vor diesem Hintergrund die zweifelhafte Ehre des ewigen Verlierers. "Er ist so ein Pechvogel: Selbst wenn er die Wahlen gewinnt, wird er doch wieder nur an zweiter Stelle stehen." Afp















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