Bekleidung

Written by 
Published in Als Senior in Thailand
Samstag, 21 März 2020 01:10
Rate this item
(0 votes)

Wie man sich anzieht, das sollte in Thailand eigentlich kein großes Thema sein,- möchte man meinen. Aber wer einmal durch die Seebäder Thailands gegangen ist und gesehen hat, wie sich manche Ausländer „anziehen“, der fragt sich, ob diese Leute einen IQ in Höhe der Tagestemperatur haben.

Zunächst muß man sich klar darüber sein, daß ein Ausländer als jemand besseres angesehen wird. Schließlich hat er das Geld, nach Thailand auf Urlaub zu fahren. Die wenigsten Thais können sich einen Urlaub in Europa leisten. Mit dem besseren Ansehen einher geht aber auch die Überzeugung der Thais, daß reichere Leute besser angezogen sein müssen. In Thailand muß Geld gezeigt werden, sonst glaubt einem keiner, daß man Geld hat. Das ist in erster Linie ein dickes Auto, aber auch ordentliche Kleidung gehört dazu.

Erschwerend kommt dazu, daß die Thais mehrheitlich wertkonservativ sind. Hier gab es weder Hippies in der Öffentlichkeit, noch Freaks oder Alternative, die solche Wertvorstellungen untergraben haben. Sicherlich gibt es bunt schillernde Gestalten, sogar Punks und „Langhaarige“, aber das sind dann absolute Ausnahmen. Als bunter Hund aufzufallen ist in Thailand kein Prädikat, sondern ein Makel, mit dem man sich außerhalb der Gemeinschaft stellt, was hier keiner will.

Das Ideal für die meisten Thais ist ein Büro- oder Bürokraten-Job und dementsprechende westliche Bekleidung. Oder Uniform, sei es Polizei, Militär oder die der Beamten.

Denn Thais haben einen riesigen Respekt vor Uniformen. Eine Uniform bedeutet Status und Unangreifbarkeit. Hinter einem Soldaten steht das gesamte Militär, hinter einem Schupo die gesamte Polizei, hinter einem Mitarbeiter die gesamte Firma und hinter einem Schüler die gesamte Schule. Mit Leuten in Uniform legt man sich besser nicht an, das ist die Botschaft dahinter.

Auch deshalb haben die Schulkinder schon (Schul-) Uniformen an, die Studenten haben ebenso die Vorschrift weißes Hemd/Bluse, schwarze Hose oder Rock zu tragen und die Arbeiter der Firmen haben eine farblich einheitliche Bekleidung. Immerhin, in den Büros gibt es den „casual Friday“, an dem jeder seine individuelle Bekleidung tragen darf. Nur muß sie sauber und ordentlich aussehen.

Ein kleines Beispiel, wie wichtig die korrekte Bekleidung ist: Ich kannte eine Chefsekretärin, die in Badelatschen mit dem Auto zur Arbeit fuhr, dort aber auf dem Parkplatz die guten, teuren Schuhe aus dem Kofferraum holte, anzog und dann erst das Bürogebäude betrat.

Thais mit chinesischen Vorfahren tragen zu Hause oft Pyjamas, wenn möglich aus Seide, weil das kühlt. Die meisten anderen tragen Shorts und T-Shirt oder ein Hemd, aber manche Männer lassen zu Hause auch das Hemd weg.

Ein anderes beliebtes Kleidungsstück sind Sarongs und auf dem Lande Pakamas. Sarongs werden um den Körper gewickelt und das Ende nach innen eingeschlagen, manche sind auch schon wie eine Röhre vernäht. Sarongs für Männer haben Streifen oder Schottenmuster, Sarongs für Frauen haben alle anderen Muster und sind bunter und farbenfreudiger. Als Mann sollten Sie keinen ungestreiften Sarong anziehen, sonst werden Sie spöttisch angeschaut, ob Sie „anders herum“ sind, das gilt natürlich auch entsprechend für Damen in gestreiften Sarongs. Ein Pakama ist ein längliches Tuch, schmaler als ein Sarong und auch gestreift, das um die Lenden gebunden wird. Im Fernsehen werden Sie vielleicht ab und zu Politiker sehen, vor allem in Wahlkampfzeiten, denen einige Pakamas um den Bauch geknotet werden. Das gilt als Bestätigung durch das Bauernvolk, daß der Politiker unter der Landbevölkerung fest verankert ist. Ist aber Schmonzes, denn das ist meist ein abgekartetes Spiel der Wahlkampf-Helfer...

Und dann gibt es noch die klassischen Frauen-Kleider, die eigentlich nur noch an Loi Kratong getragen werden, als Teil einer Miss-Wahl oder von Darstellerinnen im Theater. Dazu tragen die Damen die Haare hochgesteckt. Das sind wunderschöne Kleider, reichen meist vom Hals bis zum Knöchel, und sind sehr schön verziert. Solche Kleider sind richtig teuer, weshalb es sie auch zum Ausleihen gibt, etwa für Loi Kratong. Leihgebühr ist dann oft 50 Euro,- für einen Tag tragen!

In Thailand weniger wichtig sind die Schuhe, zumal man die grundsätzlich vor dem privaten Haus oder der Wohnung auszieht. In Ämtern, Firmen und Büros läßt man sie an, es sei denn, es wird darum gebeten, die Schuhe vor der Tür zu lassen. Am liebsten tragen die Thais Gummilatschen, meist Flip-flops genannt, und nur für offizielle Gänge, im Büro oder als Teil der Uniform werden feste Schuhe getragen. Also wundern Sie sich nicht, wenn jemand aus einem dicken Mercedes steigt und Flip-Flops an hat, das ist dann ein „wichtiger Mensch“ (siehe Automarke) aber privat (siehe Schuhe) unterwegs. Wegen des vielen Anziehens und Ausziehens der Schuhe habe ich seither keine Schnürschuhe mehr gekauft...

Wenn Sie eine Schuhgröße von 43 oder mehr haben, dann werden Sie Probleme bekommen, in Thailand geeignete Schuhe zu finden. Es sei denn, Sie geben viel Geld aus für eine Maßanfertigung. Die Lösung ist, sich in Deutschland bereits mit Schuhen einzudecken.

Wie bin ich richtig angezogen?

Grundsätzlich sollten Sie versuchen, dem Wetter gemäß und „nett adrett“ angezogen in Erscheinung zu treten. Wie bereits beim Thema Klima erwähnt, ist eine luftdurchlässige Bekleidung am besten, wobei Leinen und Baumwolle wohl am besten geeignet sind. Wenn Sie in Thailand Bekleidung kaufen, dann verlassen Sie sich aber bitte nicht darauf, wenn im Label etwas von 100 % Cotton steht. Das dient nur zur Verkaufsförderung. Neckische T-Shirts sind zwar ganz lustig, aber nur in Amüsierkreisen angebracht. Angesagter ist das, was man in Deutschland als bessere Freizeit-Bekleidung findet, sowie Hemden und Stoffhosen oder ordentliche Jeans. Auch hier gilt wie bei Schuhen, daß Sie in Thailand eine riesige Auswahl finden, aber nur bis zu einer bestimmten Hemd- oder Hosen-Größe. Noch ein Tipp: Wenn Sie Hemden kaufen, dann kaufen Sie langärmlige Hemden, Ihre Haut wird es Ihnen danken, wenn sie vor dem schlimmsten Sonnenbrand bewahrt bleibt.

Übrigens haben Thais „Tagesfarben“ für die Bekleidung, dabei sind diese für Frauen und für Männer etwas unterschiedlich. Die Farben haben einen traditionellen Hintergrund. Wenn Sie als Mann also montags Gelb, dienstags Lila, mittwochs Grün, donnerstags Orange, freitags Blau, samstags Violett und sonntags Rot tragen, dann liegen Sie gewissermaßen voll im Trend. Ich habe das versucht, im Büro entsprechend der Tage zu tragen – einige der Farben habe ich nicht als Hemd – und wenn ich mal statt Orange Grün getragen habe, bekam ich irritierte Blicke: „Ist heute Mittwoch oder Donnerstag?“ Aber überbewerten sollte man das auch nicht, denn vielfach erlaubt der „Dress-Code“ den Firmen-Angehörigen nur die Firmenuniform zu tragen, und die ist an allen Tagen gleich.

Wenn Sie offiziell mit Thais zu tun haben, etwa auf einem Amt, dann sollten Sie ordentlich gekleidet erscheinen, sonst werden Sie nicht ernst genommen. Also als Mann mit einem frischen, nicht zu bunten Hemd (möglichst nicht verschwitzt) und einer langen Hose, als Frau mit einem Kleid oder Kostüm, das die Schultern bedeckt und keine „Einblicke“ erlaubt. Ob das Hemd kurz- oder langärmlig ist, ist ziemlich egal. Ich selbst trage dabei immer ein Unterhemd, das den Schweiß aufsaugt, damit mir das Hemd nicht nass auf der Haut klebt. Bei Frauen sollte der Rocksaum nicht über die Knie gehen. Klingt altmodisch? Ist es vielleicht auch, aber nicht die Thais wollen etwas von Ihnen, sondern Sie wollen etwas von den Thais, deshalb sollten wir uns nach deren Wertvorstellungen richten. Und mal ehrlich, wer ist Ihnen sympathischer, jemand, der ordentlich und nett angezogen ist oder jemand in abgerissenem Aufzug? So stellt sich das aus Sicht Ihres Gegenübers dar.

Das Gleiche gilt auch für Geschäftskontakte. Ein Sakko ist dabei nicht unbedingt erforderlich, aber mit Krawatte machen Sie einfach mehr her. Ein Ex-Chef von mir hat mal die Bemerkung fallen lassen „No neck-tie?“, als er Techniker, aus Deutschland eingeflogen, sah und im Gegensatz zu den Verkäufern der gleichen Firma waren die Techniker für ihn so gut wie Luft. Hart, aber wahr.

Selbst in guten Hotels oder Clubs kann es Ihnen passieren, daß Sie nicht ins Restaurant kommen ohne korrekte Bekleidung. Versuchen Sie mal, in Bangkok im Hotel Oriental auf die Terrasse zu kommen, wenn sie mit T-Shirt, kurzer Hose und Badelatschen ins Hotel kommen.

Sollten Sie einen Tempel besuchen, ob zur Besichtigung, oder weil Sie dort etwas zu erledigen haben, achten Sie ebenfalls auf „ordentliche“ Kleidung und als Frau darauf, nicht zu freizügig gekleidet zu sein, also wadenlang und Schultern bedeckt. Bei einem Trauerfall gilt wie bei uns ganz in Schwarz oder wenigstens schwarze oder dunkle Hose mit weißem Hemd, denn für die Chinesen ist weiß (eigentlich ungebleicht) die Farbe der Trauer.

Das einzige, wo Sie als „overdressed“ erscheinen könnten, das ist das Rotlichtviertel. Wenn Sie da hingehen sollten, nehmen Sie bitte die Krawatte ab,- sonst sehen Sie aus wie einer der vielen jungen Englischlehrer, deren Salär so mager ist, daß es locker unter die Krawatte paßt. Aber die Damen des Gewerbes sind zu schlau, um sich von einer Krawatte täuschen zu lassen.

Zu Hause könne Sie herumlaufen, wie Sie wollen. Selbst nackt, wenn Ihnen unbedingt danach ist,- nur sollten Sie dann sicher sein, daß niemand hereinsehen kann, sonst haben Sie natürlich sofort die gesamte Nachbarschaft am Zaun oder auf dem Balkon gegenüber. Und kurze Zeit später die Polizei an der Türe. Aber Shorts und T-Shirt sind null Problem, denn zu Hause kann Ihnen keiner etwas vorschreiben.

Wenn Sie außer Haus gehen, um kurz mal den Nachschub an Getränken sicherzustellen, dann tun es Shorts und T-Shirt auch. Wenn Sie Nachbarn besuchen oder weiter weg als nur innerhalb der Soi (Gasse) wollen, sollten die Shorts vielleicht durch eine Jeans und das T-Shirt durch ein Polo-Shirt ersetzt werden. Bitte vergessen Sie nicht: Jeder von uns repräsentiert den Ausländer schlechthin.

Noch ein wichtiger Hinweis für Frauen: Immer mit BH! Frauen ohne BH gibt es praktisch nicht in Thailand. Sobald auch nur die zartesten Ansätze eines Busens bei kleinen Mädchen zu sehen sind, wird ihnen ein BH verpaßt. Selbst wenn es nicht auffallen würde, daß eine Frau keinen BH trägt, sie geht einfach nicht „ohne“. Umgekehrt tragen manche einen gepolsterten BH, damit sie nach „mehr“ aussehen.

Am Strand oder am Hotel-Swimmingpool werden Sie feststellen, daß viele Thais mit Shorts und T-Shirt ins Wasser springen, oder als Frauen im einteiligen Badeanzug. Bikinis gelten als zu sexy und in den meisten Fällen werden einheimische Damen im Bikini als nuttig angesehen. Und wenn Sie als Frau meinen, einen G-String Bikini tragen zu müssen, dann bitte zu Hause, aber nicht in der Öffentlichkeit von Strand oder Swimmingpool. Entsprechendes gilt logischerweise auch für die Herren.

Apropos Schwimmen, Wasser, und so: Wenn Sie in den Tropen Handtücher verwenden, dann lassen Sie die dicken Tücher in Europa zurück und kaufen sich vor Ort die dünnere Version. Dicke Handtücher brauchen viel länger um wieder trocken zu werden. Und wer will sich gerne in (noch) klammen Handtüchern abtrocknen? Wie anderswo bereits erwähnt, man kann und darf sich auch mehrmals täglich duschen. Und wie aus dem Physik-Unterricht bekannt: Nicht Hitze fördert das Trocknen (von Handtüchern) sondern der Wind, also hängen Sie Handtücher nicht im heißen Badezimmer auf, wo kein Wind geht, sondern lieber auf dem Balkon oder so. Das machen die Thais nämlich auch so.

Wäsche waschen

Eigentlich so gut wie überall in Thailand finden sich „öffentliche“ Waschmaschinen. Nicht wie in einem Waschsalon in Deutschland, sondern meist als eine Reihe von 2, 3 oder 4 Waschmaschinen. Die stehen dann in Wohngegenden, oft an der Seite eines Miethauses, und an der Seite der Maschinen ist ein Münzeinwurf. Der Preis steht angeschrieben und man wirft das Geld ein und startet die Maschine. Natürlich erst, nachdem man die Wäsche eingelegt und das mitgebrachte Waschpulver dazugegeben hat. Je nach Maschinengröße kostet das zwischen 20 und 50 Baht.

Ich habe keine Ahnung, wie lange die Maschinen so laufen - zwei Stunden? - aber auf jeden Fall waschen die ausschließlich mit kaltem Wasser. Deshalb ist auch das normale Waschmittel in Thailand stärker,- wenn sie zu viel rein geben, dann kann es passieren, daß Ihre Wäsche mit kleinen Löchern rauskommt. Bei zu wenig ist die Wäsche eben nicht richtig sauber. Und auf die Dauer ergraut weiße Wäsche. Schleudern werden die meisten Maschinen auch nur im Ansatz, sodaß Sie eine recht nasse Wäsche hinterher herausnehmen. Alleinstehende Schleudern habe ich bisher auch noch nirgendwo gesehen. Also zum Trocknen aufhängen und bügeln. Oder eine Wäschefrau mit dem Waschen beauftragen, dann bekommen Sie die Sachen gewaschen und gebügelt und am Kleiderbügel oder gefaltet zurück. Das ist halt merklich teurer, aber spottbillig gegenüber deutschen Preisen. Und chemische Reinigungen gibt es natürlich auch, nur seltener und nur als Geschäft, nicht als alleinstehende Maschine. Auf Englisch heißt das „dry cleaning“, auf Thai „ssack häng“.

Gepflegtes Aussehen

Auch wenn es nicht ausschließlich mit der Bekleidung zu tun hat,- es wird Ihnen auffallen, daß die Thais viel Wert auf ihr Äußeres legen. Neben hübschen Klamotten bedeutet das auch ein gepflegtes Gesicht. Man möchte begehrenswert aussehen. Deshalb der ewige Kampf der jungen Thais beiderlei Geschlechts gegen Pickel und der Kampf mit widerspenstigem Haar. Junge Motorradfahrer kann man manchmal an der Ampel wartend sehen, wie sie sich, im Rückspiegel kontrollierend, Pickel ausdrücken oder einzelne Barthaare auszupfen. Eitelkeit schreibt man in Thailand groß, auch wenn das niemand zugeben wird.

Den Bartträgern unter Ihnen sei gesagt, daß Thais der festen Überzeugung sind, daß Bärte schmuddelig sind und daß das Essen im Bart hängen bleibt. Ohne Bart sind Sie ihnen viel sympathischer. Und unrasiert oder mit einem Zweitage-Bart kann man die Thais auch nicht beeindrucken.

Nebenbei stecken die Thais den Finger überall hin, egal ob in die Nase oder das Ohr oder sonst wohin, aber nie in den Mund. Wenn Ihnen etwas zwischen den Zähnen hängt, fragen Sie lieber nach einem Zahnstocher (Englisch: toothpick, auf Thai: Mai Tchim fann).

(Nächste Folge: Ein paar Einkaufs-Tipps)

Read 131 times
More in this category: « Wichtige Kontakte

Leave a comment

ComCon
www.comconinter.com/
IT Solutions
APG Versicherungen
www.apg-thailand.de
Versicherungen für jeden Gebrauch
Wochenblitz Kolumnen
Loading...

Bleiben Sie mit uns in Verbindung

Kontakt

Thai-German Media and Consulting Co.,Ltd.
บริษัทไทย-เยอรมัน มีเดีย แอนด์ คอนซัลติ้ง จำกัด

65/20 Soi Phumjit, Rama 4 Rd.

Phrakanong, Klongtoey

Bangkok 10110

 

Tel: +66 (0) 8 9090 3571

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Website: http://www.wochenblitz.com