Das Leben durch die Linse eines Batikmachers

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Jan­ti­ma Suk­met­ta, 52, ent­fal­tet langsam einen Batik­stoff. Er zeich­net sich durch goldgelbe und braune Far­ben aus, die von Natur aus mit Kurku­ma und Blät­tern der Strand­vi­t­a­mine (khon­thi) gefärbt wer­den. Die Khon­thi-Pflanze ist an den Strän­den im Tam­bon Na Thap des Bezirks Chana in der südlichen Prov­inz Songkhla, wo sich ihre Me‑D Na Thap Batik Group befind­et, leicht zu find­en. Das Tuch wurde speziell nach den Mustern ent­wor­fen, die von Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Siri­van­navari Nari­ratana Rajakanya ini­ti­iert wur­den, und ist mit der Iden­tität unser­er Prov­inz ver­bun­den”, sagte sie.

Das 4 Meter lange Tuch zeigt das Design von majestätis­chen Pfauen, die sich auf die Prinzessin beziehen, die königlichen Khid-Stoffe mit Nari­ratana Rajakanya-Muster und das königliche Khor Chao­fah Sirivannavari”-Motiv, das durch den rück­wärts geschriebe­nen Buch­staben S” dargestellt wird. Der Stoff enthält auch Motive, die einen Nora-Kopf­schmuck — eine Nora ist eine tra­di­tionelle südliche Dar­bi­etung — und Meer­jungfrauen, die Iden­tität von Songkhla, zeigen. Wir haben das umgekehrte S gemacht, um zu zeigen, dass die Prinzessin zurück­blickt, um ihrem Volk zu helfen. Die prächti­gen Batikde­signs der Prinzessin haben dazu beige­tra­gen, mein Leben und das Leben der Men­schen in mein­er Gruppe zum Besseren zu verän­dern”, sagte sie.

Zurück zu den Anfängen

Frau Jan­ti­ma hat schon immer gerne geze­ich­net und gemalt, obwohl in ihrer Bauern­fam­i­lie in Nakhon Si Tham­marat nie­mand einen kün­st­lerischen Hin­ter­grund hat. Als sie aufwuchs, lernte sie durch Ver­such und Irrtum, Batik zu machen. Als sie in ihrem drit­ten Stu­di­en­jahr an der Prince of Songk­la Uni­ver­si­ty (Pat­tani Cam­pus) war, verkaufte sie ein gold­enes Arm­band, das ihre Mut­ter ihr geschenkt hat­te, um Werkzeuge zu kaufen, mit denen sie ihrer Lei­den­schaft nachge­hen und ihr Studi­um finanzieren kon­nte. Es gelang ihr, ihre handge­fer­tigten Batikar­tikel, darunter Haarschmuck, Taschen­tüch­er und T‑Shirts, in einem Genossen­schaft­sladen an der Uni­ver­sität zu verkaufen.

Nach ihrem Abschluss heiratete sie und lebte in ein­er kleinen Gemeinde bei Ban Khiri Wong in Nakhon Si Tham­marat. Sie wid­mete sich der Erziehung ihrer drei Kinder und kehrte der Batik acht Jahre lang den Rück­en. Als alle Kinder alt genug waren, um zur Schule zu gehen, eröffnete sie ihr Haus als Batik-Lernzen­trum und verkaufte außer­dem Batik­stoffe und ‑klei­dung. Eines Tages besuchte ein Team des Com­mu­ni­ty Devel­op­ment Depart­ment in Nakhon Si Tham­marat mit Vertretern der Unesco (Organ­i­sa­tion der Vere­in­ten Natio­nen für Erziehung, Wis­senschaft und Kul­tur) mein Haus. Ich war sprach­los, weil es so uner­wartet war, dass sich Aus­län­der für meine Arbeit inter­essierten”, sagte sie und fügte hinzu, dass die Beamten den aus­ländis­chen Besuch­ern einen Ort zeigen woll­ten, an dem Kinder und Jugendliche ler­nen, wie man Batik her­stellt, damit sie diese Fer­tigkeit­en später für ihren Leben­sun­ter­halt nutzen können.

Darüber hin­aus ergab sich die Gele­gen­heit, den ehe­ma­li­gen Pre­mier­min­is­ter Thaksin Shi­nawa­tra in ihrem beschei­de­nen Haus in Nakhon Si Tham­marat zu begrüßen. Das war eine schöne Über­raschung”, erin­nert sie sich. Umgeben von den Gebirgs­ket­ten von Khao Luang zeigen ihre Batikde­signs die Schön­heit natür­lich­er Muster, die, gepaart mit einem schar­fen Auge für Details, ihre handge­fer­tigten Pro­duk­te so pop­ulär gemacht haben, dass sie, wie sie sagt, kaum zur Ruhe kom­men kon­nte. Ich habe Tag und Nacht gear­beit­et, weil es so viele Bestel­lun­gen gab. Jeden Tag zeich­nete ich mit einem Tuschier­s­tift Entwürfe für etwa 50 Stoff­stücke. Meine Hand und meine Arme began­nen zu schmerzen. Ich nahm fast täglich schmerzstil­lende Medika­mente ein. Später hat­te ich Schmerzen im Rück­en. Eines Tages, als ich aufwachte, kon­nte ich nicht mehr gehen. Ich war schock­iert”, sagte sie.

Sie musste aufhören zu arbeit­en und begann, sich um ihre Gesund­heit zu küm­mern. Ihre Mut­ter bat sie ein weit­eres Mal, Lehrerin an ein­er öffentlichen Schule zu wer­den. Meine Mut­ter wollte immer, dass ich Beamtin werde. Sie sagte mir, dass ich den Bil­dungsab­schluss habe und ihn nutzen sollte”, sagte sie. links Auf dem Stoff sind Designs von majestätis­chen Pfauen, Motive von Khor Chao­fah Siri­van­navari’, Nora-Kopf­be­deck­un­gen und Meer­jungfrauen zu sehen.

Ler­nen, stärk­er zu sein

Sie beschloss, den Traum ihrer Mut­ter zu erfüllen, und legte im Alter von fast 40 Jahren eine Prü­fung zur Lehrerin ab. Sie wurde Kun­stlehrerin an ein­er Schule in Narathi­wat nahe der Gren­ze zu Malaysia. In dieser Zeit legte sie auch eine Prü­fung ab, um an der Prince of Songk­la Uni­ver­si­ty (Pat­tani Cam­pus) einen Mas­ter-Abschluss zu machen. Zu diesem Zeit­punkt war sie wochen­tags als Lehrerin in Narathi­wat tätig, bevor sie an den Woch­enen­den eine ein­stündi­ge Bus­fahrt auf sich nahm, um in Pat­tani zu studieren. Sie ver­suchte auch, Besuche bei ihren Kindern in Nakhon Si Tham­marat einzu­pla­nen, das etwa vier Autostun­den von Pat­tani ent­fer­nt liegt.

Da sie fast drei Jahre lang von ihrer Fam­i­lie getren­nt war, ging ihre Ehe in die Brüche, und später beantragte ihr Mann die Schei­dung. Es war eine herzzer­reißende Zeit in ihrem Leben, als sie am 8. Okto­ber 2015 die nieder­schmetternde Nachricht erhielt, dass ihre Mut­ter bei einem Über­fall durch eine Gruppe von Sep­a­ratis­ten ums Leben gekom­men war. An dem Mor­gen, an dem es geschah, fuhren ihre Mut­ter, 62, und ihr Stief­vater, 69, mit ihrem Pick-up von ihrem Haus im Bezirk Nong Chik zu einem Frischmarkt, um wie jeden Tag rohes Schweine­fleisch zu verkaufen. Als eine Sep­a­ratis­ten­gruppe das Feuer auf ihr Fahrzeug eröffnete, star­ben sie noch am Tatort.

Ich weinte mir das Herz aus dem Leib. Meine Mut­ter hat­te mit nie­man­dem Kon­flik­te gehabt. Ich hätte nicht gedacht, dass uns so etwas passieren kön­nte, vor allem nicht mein­er Mut­ter. Es war eine herzzer­reißende Sit­u­a­tion, wie so viele, mit denen die Men­schen im tiefen Süden kon­fron­tiert sind”, sagte sie. Von dem Moment an, als sie vom South­ern Bor­der Provinces Admin­is­tra­tive Cen­tre finanzielle Unter­stützung für die Fam­i­lien­ange­höri­gen der­jeni­gen erhielt, die durch die Gewalt der Auf­ständis­chen im Süden getötet wur­den, wurde sie an die Lehren ihrer Mut­ter erinnert.

Meine Mut­ter sagte mir, dass wir nie wis­sen, wann wir ster­ben wer­den. Aber bevor wir ster­ben, soll­ten wir unserem Heimat­land unsere Schulden aus Dankbarkeit zurück­zahlen. Also habe ich mir gesagt, dass ich weit­er­hin das tun muss, was ich gut kann, um das Land, in dem ich jet­zt lebe, berühmt zu machen”, sagt sie. Mit der Unter­stützung ihres Part­ners grün­dete sie 2015 die Me‑D Na Thap Batik Group in Songkhla’s Chana Dis­trict. Ihre Batikklei­dung wurde später vom Com­mu­ni­ty Devel­op­ment Depart­ment (CDD) von Songkhla für das Ange­bot One Tam­bon One Prod­uct (Otop) des Tam­bon Na Thap ausgewählt.

Der Wen­depunkt

Im Jahr 2020 ermutigte ein Team des CDD-Büros in Chana Frau Jan­ti­ma, mit ihrer Batik an einem Wet­tbe­werb teilzunehmen, der für alle Otop-Gemein­den in den südlichen Prov­inzen organ­isiert wurde. Ihre Arbeit gewann den ersten Preis in der Kat­e­gorie Batik­stoffe. Später im sel­ben Jahr hat­te ihre Gruppe die Gele­gen­heit, ihrer königlichen Hoheit Prinzessin Siri­van­navari Nari­ratana Rajakanya in Narathi­wat Batik­stoffe zu präsen­tieren, was einen weit­eren Wen­depunkt in ihrem Leben darstellte. Beamte des CDD sagten uns, dass die Prinzessin natür­lich gefärbte Far­ben mag. Ich schaute mich um und stellte fest, dass wir in unserem Dorf viele Khon­thi-Pflanzen haben. Ich habe ihre Blät­ter gegrillt und gekocht. Sie gaben unserem Batik­sei­den­stoff eine braune Farbe. Als unser Sohn der Prinzessin den Stoff präsen­tierte, erkundigte sie sich nach dem Ver­fahren und sagte, wir soll­ten die Khon­thi-Pflanze mit­brin­gen, um sie ihr das näch­ste Mal zu zeigen”, sagte sie.

Im Jahr 2021 nahm die Me-D Na Thap-Gruppe an einer Veranstaltung in Hat Yai teil. Die Gruppe hatte verschiedene Batikstoffe ausgestellt, die mit natürlichen Zutaten gefärbt waren, aber auch einige, die mit chemischen Farbstoffen hergestellt worden waren. Die Prinzessin besuchte ihren Stand und sagte, sie sei besonders von unseren natürlich gefärbten Farben beeindruckt. "Ich erinnere mich, dass die Prinzessin uns sagte, dass unsere Stoffe weich und schön seien. Dann sagte die Prinzessin: 'Es ist Zeit zum Einkaufen'. Ich war überwältigt vor Glück", sagte sie.

Später erhielt die Gruppe über Beamte des CDD in Songkhla drei von der Prinzessin entworfene Batikmuster. Die Muster zeigen die Schönheit der Natur, die lokale Kultur und die Lebensweise der Einheimischen im Süden, sagte sie. Die Prinzessin, die in die Fußstapfen Ihrer Majestät Königin Sirikit, der Königinmutter, tritt, ist weithin als Schirmherrin des thailändischen Handwerks und der Stoffe bekannt. Unter dem Motto "Spaß mit thailändischen Stoffen" (Pha Thai Sai Hai Sanuk) hat sie dazu beigetragen, die traditionelle Kleidung mit modernen Designs zu beleben, die die Menschen zu allen Gelegenheiten tragen können.

"Die Entwürfe der Prinzessin sind großartig. Der CDD hat mir gesagt, dass ich diese Designs als Muster für meine Batikstoffe verwenden und anpassen kann, wie ich es für richtig halte", sagte Frau Jantima. Kurz nachdem die Gruppe die Kollektion mit den Designs der Prinzessin herausgebracht hatte, verkauften sich ihre Produkte wie warme Semmeln. Sie erhielten viele Aufträge, vor allem von Regierungsstellen aus nah und fern. "Früher haben wir etwa 30.000 Baht im Monat verdient, aber seit wir die Muster der Prinzessin erhalten haben, können wir bis zu 100.000-150.000 Baht im Monat verkaufen. Unser Geschäft wächst sprunghaft an", sagte sie.

Die Gruppe hat Arbeitsplätze für junge Menschen geschaffen, die dadurch wertvolle Arbeitserfahrungen sammeln können, und wirbt mit ihrer Arbeit für einheimische Batikstoffe. Das jüngste von der Gruppe hergestellte Batikgewebe in goldgelben und braunen Farben und mit ausgefallenen Mustern gewann den ersten Preis beim Batikwettbewerb im Süden und den zweiten Platz auf nationaler Ebene. Frau Jantima sagt, dass sie beabsichtigt, das Sieger-Batikgewebe der Prinzessin zu überreichen, wenn diese nächsten Monat Phatthalung besucht. "Ich hätte nie gedacht, dass meine Leidenschaft für Batik mich so weit bringen würde. Ich habe den Wunsch meiner Mutter erfüllt, dem Land etwas zurückzugeben. Ich habe Arbeit für die junge Generation geschaffen, indem ich sie in Batiktechniken unterrichtet und Na Thap mehr Menschen vorgestellt habe. Ich bin stolz auf die Leistung der Gruppe".

Hinweis: Dies ist der dritte Teil einer Serie von vier Berichten über Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Sirivannavari Nariratana Rajakanya, die die Initiative Ihrer Majestät Königin Sirikit der Königinmutter zur Unterstützung, Erhaltung und Förderung thailändischer Textilien umsetzt.

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Kommentare

Som-Naa | 03.01.2023 16:31

Wun­der­bar geschrieben, eine Wohltat für Thai­land-Lieb­haber. Natür­lich sollte der Ver­di­enst von Frau Jan­ti­ma Suk­met­ta hier in den Vorder­grund gestellt wer­den. Sie hat mit ihrer Begabung, Aus­dauer, starken Willen und Kreativ­ität sehr viel erre­icht. Als Lehrerin für die Batik-Kun­st wird sie ‑hof­fentlich- unvergessen wer­den. Es ist sehr pos­i­tiv anzumerken, dass sie ihr Wis­sen und Kön­nen weitergibt. 
Vielle­icht find­et Frau Jan­ti­ma Suk­met­ta in Ihrer Königlichen Hoheit, Prinzessin Siri­van­navari Nari­ratana Rajakanya, eine erfahrene kün­st­lerische Men­torin, die sie weit­er­hin begleitet.
Ich wün­sche Frau Jan­ti­ma Suk­met­ta viel Erfolg bei ihren weit­eren Arbeiten.
Lediglich die trau­ri­gen + unnöti­gen Erleb­nisse mit den Sep­a­ratis­ten und der plöt­zliche Tod ihrer Mut­ter sind schw­er zu verarbeiten. 
Som-Naa = zufrieden + glücklich.


Hans Gaiser | 03.01.2023 09:15

Eine wun­der­bare Geschichte über das Leben dieser tapfer­en und wun­der­vollen Frau.
Wer über­legt sich son­st, dem Land etwas zurück zu geben, in dem Mann aufgewach­sen ist.
Ihre Mut­ter war eben­falls eine starke Per­sön­lichkeit, die ihre Tochter wirk­lich erzo­gen und nicht ein­fach aufwach­sen liess.
Sehr gerne noch mehr solche Berichte, es zeigt ein ganz anderes und viel schöneres Bild von Thai­land, wie die vie­len neg­a­tiv­en Berichte.


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