Zwei Todesfälle in Bangkok im Jahr 1856 und ihre Folgen

Der Bowring-Ver­trag von 1855 ist ein Meilen­stein der mod­er­nen Geschichte Thai­lands. Der Ver­trag öffnete die Tür für die kolo­niale Inva­sion von Siams Wirtschaft und trug dazu bei, Siam in die mod­erne Welt zu ziehen. Es ist eine Geschichte über die großen Räder der Geschichte, ins­beson­dere der kolo­nialen Expan­sion und der kul­turellen Kol­li­sion von Ost und West. Aber bei solchen Ereignis­sen von großer prak­tis­ch­er und sym­bol­is­ch­er Bedeu­tung geht es auch um Men­schen, um die Großen”, die diese Ereignisse gestal­ten, und die Kleinen”, die das Schick­sal darin verstrickt.

Zwei Todesfälle in Bangkok im Jahr 1856 und ihre Folgen

Dieses faszinierende Buch erzählt die Geschichte des Bowring-Ver­trags mit einem Fokus auf die beteiligten Per­so­n­en, ins­beson­dere auf zwei tragis­che Todes­fälle, die die Umset­zung des Ver­trags mit langfristi­gen Fol­gen bee­in­flussten. Dieser ungewöhn­liche Blick­winkel ist ein Pro­dukt der Erfahrung und des Tal­ents des Autors. Simon Landy lebt seit rund 40 Jahren in Thai­land. Er arbeit­ete zunächst als Hochschullehrer und später im Immo­biliensek­tor. Im Ruh­e­s­tand hat er sich entsch­ieden, His­torik­er zu wer­den. Das ent­standene Buch begin­nt wie ein typ­is­ches Essay in der Geschichte der Kolo­nialzeit, entwick­elt sich dann eher zu einem melo­drama­tis­chen Roman und schließt mit einem Diskurs über das thailändis­che Eigen­tum­srecht und die Geschichte des kür­zlichen Verkaufs des britis­chen Botschafts­gelän­des Ploen­chit ab.

Die Aushand­lung des Ver­trags im Jahr 1855 gestal­tete sich über­raschend ein­fach, da bei­de Parteien drin­gend einen Erfolg braucht­en. Sir John Bowring hat seine glänzende Kar­riere als promi­nen­ter Lib­eraler ruiniert, indem er einige Fehlin­vesti­tio­nen getätigt und sich bere­it erk­lärt hat­te, Gou­verneur von Hongkong und damit eine Speer­spitze der aus­ge­sprochen illib­eralen Kolo­nialpoli­tik Großbri­tan­niens zu wer­den. Kür­zlich inthro­nisiert, ver­suchte König Mongkut immer noch, seine eigene Autorität inmit­ten eines erbit­terten Kampfes zwis­chen den Adels­frak­tio­nen am Hof​zu etablieren. Diese Hin­ter­gründe konzen­tri­erten die Köpfe der bei­den Schulleit­er. Inner­halb von drei Wochen wurde ein Ver­tragsen­twurf vereinbart.

Die losen Enden des Ver­trags zu verbinden und mit sein­er Umset­zung zu begin­nen war viel chao­tis­ch­er und erforderte neue Charak­tere, die damit kämpften, den poli­tis­chen und kul­turellen Kon­text zu ver­han­deln, der sich um sie herum verän­derte. Charles Hilli­er wurde von Hongkong ver­set­zt, um der erste britis­che Kon­sul zu wer­den. Da das Britis­che Empire in dieser Ära schnell expandierte, wur­den mehr Briten benötigt, um es zu ver­wal­ten. Zu anderen Zeit­en hätte Hilli­er vielle­icht ein lokaler englis­ch­er Anwalt oder Schullehrer wer­den kön­nen, aber im Jahr 1856 fand er sich im Alter von 36 Jahren wieder als Pio­nier des diplo­ma­tis­chen Ein­tritts Großbri­tan­niens in Siam. Wahrschein­lich fehlten ihm die Begabung oder die Aus­bil­dung für diese Auf­gabe, und sicher­lich fehlte ihm die Robus­theit der Gesund­heit. Nach nur fünf Monat­en im Job wurde er lei­der krank und starb.

Über Seng ist viel weniger bekan­nt. Er war Mönch und dann königlich­er Page, scheint aber auch Sprachken­nt­nisse und einige juris­tis­che Ken­nt­nisse erwor­ben zu haben. Er hat für König Mongkut gear­beit­et, aber auch für einige der ansäs­si­gen west­lichen Geschäft­sleute. Er hat­te wahrschein­lich keine Ahnung von dem Fehler, für den er eine grausame und tödliche Strafe erlit­ten hatte.

Bei­de Todes­fälle standen im Zusam­men­hang mit den Ver­tragsklauseln über die aus­ländis­che Beset­zung und den Besitz von Land. Im Bowring-Ver­trag hat­ten die Siame­sen ver­sucht, den West­lern genü­gend Spiel­raum zu geben, um sich niederzu­lassen und Geschäfte zu machen, ohne ihnen zu erlauben, sich am Land­markt zu beteili­gen. Hilli­er hat­te ver­sucht, Land zu kaufen, um das erste britis­che Kon­sulat zu erricht­en, und hat­te Schwierigkeit­en, mit dem knap­pen Bud­get einen angemessen pres­tigeträchti­gen Stan­dort zu find­en. Seng wurde von einem eigen­willi­gen englis­chen Aben­teur­er ange­heuert, der nach Wegen suchte, die Beschränkun­gen des Landbe­sitzes im Ver­trag zu umge­hen. Nach der dop­pel­ten Tragödie präsen­tierte König Mongkut den Briten ein Grund­stück für das Kon­sulat (nicht Ploen­chit, das 1922 erwor­ben wurde, son­dern ein früheres Grund­stück am Fluss) und erlaubte dem englis­chen Aben­teur­er, sein gewün­scht­es Grund­stück zu kaufen.

Aber diese Geschenke soll­ten vor weit­eren Zugeständ­nis­sen schützen. Landy argu­men­tiert, dass dieser Vor­fall von 1856 die siame­sis­che Zurück­hal­tung prägte, aus­ländis­ch­er Grundbe­sitz bis heute zuzu­lassen: Das Dilem­ma war und ist, wie man das Kön­i­gre­ich für aus­ländis­ches Kap­i­tal so attrak­tiv wie zu möglich machen und gle­ichzeit­ig den Land­markt schützen kann aus zu viel des gle­ichen aus­ländis­chen Kap­i­tals.” Das Land Act von 1901 ver­bot aus­ländis­ches Eigen­tum. Im Zeital­ter der Glob­al­isierung wur­den für Aus­län­der mehrere Workarounds bere­it­gestellt, die ein Rechts­gewirr schaf­fen, das in Krim­i­nal­ität überge­ht, aber die Sit­u­a­tion ist immer noch sehr restrik­tiv. Die Beschränkun­gen für Erb­bau­recht bleiben strenger als in den meis­ten Nach­bar­län­dern, was zur sink­enden Attrak­tiv­ität Thai­lands für aus­ländis­che Investi­tio­nen beitra­gen kann.

Dies ist ein ungewöhn­lich­es, unter­halt­sames und auf­schlussre­ich­es Buch. Seine Mis­chung aus großer Geschichte und men­schlich­er Tragödie ist sehr gut gehand­habt und sehr berührend. Die Erzäh­lung zeich­net die Szene der jun­gen Farang-Gesellschaft im Bangkok der 1850er Jahre mit viel men­schlich­er Wärme und Farbe. Die kom­plexe Darstel­lung des Sachen­rechts wird mit der Klarheit eines Ken­ners erk­lärt. Die Geschichte des Ploen­chit-Verkaufs ist als Bonus dabei, und es gibt sog­ar einen guten Witz über Boris Johnson.

Kommentare

Peter Schmidt | 30.12.2021 01:26

Sehr inter­es­sante Kurzfassung.
Das Buch ist jeden­falls mal auf mein­er must read Liste.


Werner Helmert | 19.12.2021 03:52

Der Name Siam für Thai­land wurde von den Englän­dern benutzt,im Ver­trag in Thai ste­ht Thailand.


peter j. ern | 18.12.2021 23:32

Und wo in thai­land kann man das buch kaufen? danke


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