BANGKOK, Thailand – Die Regierung bereitet eine weitreichende Sozialreform vor: Ein System der negativen Einkommensteuer (NIT) soll innerhalb von zwei Jahren direkt Bargeld an Geringverdiener zahlen und die verstreuten Sozialleistungen Thailands neu ordnen. Finanzministeriumsvertreter wollen dafür Anspruchsprüfungen verschärfen, Einkommensdaten massiv ausbauen und bestehende Überschneidungen bei Renten, Behindertenhilfe und Sozialleistungskarten beseitigen.
NIT: Direkte Geldhilfe statt fragmentierter Leistungen
Das geplante NIT-System zahlt anspruchsberechtigten Personen direkte Bargeldtransfers, statt sie durch zahlreiche einzelne Programme zu bedienen. Ziel ist ein einkommensbasiertes Modell, das Zahlungen nach tatsächlicher Bedürftigkeit staffelt.
Die Idee ist, dass Empfänger statt Steuern Unterstützung erhalten und das System gleichzeitig bessere Einkommensdaten liefert, besonders für Informelle.
Politische Unterstützung und Beschleunigung
Dr. Paophum Rojanasakul, stellvertretender Vorsitzender der Pheu-Thai-Partei, begrüßt die Initiative als Fortführung früherer Parteipolitik. Er sieht in NIT eine Möglichkeit, Ungleichheit zu bekämpfen und das System zu straffen.
Ständiger Sekretär Lavaron Sangsnit treibt die Vorbereitungen voran und sagt, Thailand könne innerhalb von zwei Jahren oder weniger ein Rahmensystem schaffen, wenn Infrastruktur und Gesetze stehen.
Wie viel Geld möglich ist
Vorgeschlagene Einkommensstufen arbeiten mit einer Einführungsgrenze bei rund 32.000 Baht jährlich und einer Plateauphase zwischen 32.000 und 36.000 Baht. Danach soll eine Auslaufphase bis etwa 60.000 Baht greifen.
Die jährliche Höchstunterstützung könnte bei etwa 12.000 Baht pro Person liegen; die Geringstverdiener würden demnach die höchsten Transfers erhalten.
Steuererklärungen werden Teil des Zugangs
Empfänger von Sozialleistungen müssten künftig Steuererklärungen einreichen, und die Steuerbehörde würde deutlich mehr Einkommensdaten sammeln. Millionen Menschen, die bislang außerhalb des Steuersystems stehen, könnten so formal erfasst werden.
Die Behörden erhoffen sich durch die Pflichtangaben ein klareres Bild der Haushaltsfinanzen im ganzen Land und eine zielgenauere Verteilung staatlicher Hilfe.
Neue Datenbank, Screening und Technik nötig
Vor einer landesweiten Einführung muss eine nationale Datenbank aufgebaut, ein Mechanismus zur Überprüfung der Ansprüche geschaffen und die technische Infrastruktur gestärkt werden. Ohne diese Systeme lasse sich das NIT nicht zuverlässig betreiben.
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Langfristig fordern Befürworter auch einen rechtlichen Rahmen für den Datenaustausch zwischen Behörden, damit Informationen dauerhaft und sicher geteilt werden können.
Überprüfung der Sozialleistungskarten als erster Schritt
Das Finanzministerium hat bereits die Anspruchskriterien der Sozialleistungskarten überarbeitet und startet eine detaillierte Prüfung der Leistungsverteilung. Ziel ist, Doppelzahlungen zu erkennen und nur die wirklich Bedürftigen zu markieren.
Bestehende Karteninhaber müssen ab dem 17. Juli ihre Zustimmung zur Datenüberprüfung geben; das Ministerium sieht die Überprüfung als Ausgangspunkt für die breitere Reform.
Eltern in der Kritik: Steuerabzug kann Ansprüche kosten
Ein besonders strittiger Punkt betrifft Eltern, deren Kinder Steuerabzüge für deren Unterstützung geltend machen: Solche Abzüge könnten zum Verlust der Sozialleistungsberechtigung führen. Das Ministerium nennt als Referenz einen jährlichen Abzug von 30.000 Baht pro Elternteil.
Dieser Abzug entspricht einem Unterstützungswert von rund 2.500 Baht pro Monat und übersteigt laut Ministerium den Wert der Sozialleistungskarte; Betroffene können Entscheidungen zwischen dem 18. und 31. Juli anfechten.
Warnung vor Steuerbetrug und praktische Hürden
Das Finanzministerium mahnt, dass Abzüge nur geltend gemacht werden dürfen, wenn tatsächlich finanzielle Unterstützung geleistet wurde; falsche Angaben würden Steuerbetrug darstellen. Lavaron betont, die Debatte solle sich auf die Prinzipien des Systems konzentrieren.
Zu den Haupthindernissen zählen ein großer informeller Sektor, hohe Ungleichheit, schwache Einkommensdaten und finanzielle Fragen — deshalb schlagen Befürworter eine gestaffelte Einführung vor, zunächst für formell Beschäftigte.
Überprüfung startet Reformprozess
Die laufende Prüfung der Sozialleistungen gilt als erster konkreter Schritt hin zu einem einkommensbasierten, verifizierten Unterstützungssystem; für das Finanzministerium markiert sie den Beginn einer breiten Verschiebung weg von fragmentierten Programmen. Weitere Entscheidungen über Zeitplan, Gesetze und Budget stehen noch aus.
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„Empfänger von Sozialleistungen müssten künftig Steuererklärungen einreichen, und die Steuerbehörde würde deutlich mehr Einkommensdaten sammeln. Millionen Menschen, die bislang außerhalb des Steuersystems stehen, könnten so formal erfasst werden.“
Also ausgerechnet die, die sowieso keine Steuer zahlen werden, sollen nun eine Steuererklärung abgeben? Das klingt nach einem soliden Plan…
Vielleicht sollte Thailand mal versuchen, den informellen Sektor Zug um Zug in den formellen Sektor zumindest großteils zu integrieren? So arbeitet die Schwester meiner Frau seit 15 Jahren in einer Apotheke, ohne gemeldet zu sein, ohne dass Sozialabgaben abgeführt werden und ohne dass sie dann logischerweise jemals so etwas wie Rente bekommen wird.