BANGKOK, THAILAND – Der Oppositionspolitiker Rangsiman Rome sieht sich einer Verleumdungsklage über 100 Millionen Baht gegenüber, während Behörden Milliardenvermögen aus mutmaßlichen internationalen Betrugsnetzwerken sichern. Gleichzeitig bereitet die Anti-Korruptionskommission ein Verfahren vor dem Verfassungsgericht gegen ihn und frühere Abgeordnete der aufgelösten Move-Forward-Partei vor.
Termine und Vorwürfe
Am 23. Februar 2026 erschien Rangsiman Rome, stellvertretender Vorsitzender der People’s Party, am Strafgericht an der Ratchadaphisek Road in Bangkok, wo Richter die Beweisaufnahme in der Verleumdungsklage des Finanziers Benjamin Mauerberger alias Ben Smith auf Mai 2027 festlegten.
Die Klage, die straf- und zivilrechtliche Ansprüche vereint, geht auf Äußerungen Rangsimans im Parlament und in Medieninterviews zurück, in denen er Mauerberger mit einem Betrugssyndikat und mutmaßlichen Geldwäscheaktivitäten in Verbindung gebracht hatte.
Prozessstrategie und Zeugenliste
Mauerberger hatte zuvor seinen Bevollmächtigten Thanadol Suwannarit ermächtigt, vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 100 Millionen Baht zu verlangen, woraufhin das Strafgericht den Fall im Januar angenommen und nun vier Verhandlungstage im Mai 2027 angesetzt hat.
Rangsiman plädierte auf nicht schuldig, kündigte an, alle Vorwürfe umfassend zu bestreiten, und verwies darauf, dass seine Aussagen im Rahmen seiner Pflichten als Abgeordneter erfolgt seien.
Smith-Familie und internationale Dimension
Besonders bemerkenswert ist, dass Rangsiman neben dem Kläger selbst auch dessen Ehefrau und Kinder als Verteidigungszeugen benannt hat, da sie nach seinen Angaben mit Aktienbeteiligungen und eingefrorenen Konten in Verbindung stehen und damit für die Aufklärung von Geldflüssen relevant seien.
Zu den weiteren Zeugen zählt er den amerikanischen Journalisten Tom Wright, während Mauerberger aus Dubai, wo er seit seinem Weggang aus Thailand im September im Bereich Investment und Immobilien tätig ist, jede Beteiligung an strafbaren Handlungen zurückweist und die Vorwürfe als verleumderisch und geschäftsschädigend bezeichnet.
Eingefrorene Milliarden und Tangthai-Komplex
Parallel dazu hat die Anti-Money Laundering Office (AMLO) Vermögenswerte eingefroren, die nach offiziellen Angaben in einem Bericht 12,12 Milliarden Baht und in einer weiteren Vorlage an die Staatsanwaltschaft in vier Fallakten 13,07 Milliarden Baht umfassen.
Unter den beschuldigten Personen finden sich neben Ben Smith die Namen Kok An, Yim Leak und Chen Zhi, wobei letzterer im Januar in Kambodscha festgenommen und nach China abgeschoben wurde, während Phnom Penh Casino-Lizenzen im Umfeld des Tycoons widerrief.
Fristen für Einziehung und Kritik Rangsimans
Die thailändische Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie vor Ablauf einer Frist am 1. März Anträge auf gerichtliche Einziehung der eingefrorenen Vermögenswerte stellt, wobei die Einziehungsverfahren zivilrechtlicher Natur sind und strafrechtliche Ermittlungen parallel fortgeführt werden.
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Rangsiman erklärte, die sichergestellten Summen erfassten nur einen kleinen Teil der Geldströme im sogenannten Tangthai-Fall, kratzten nur an der Oberfläche und ließen wesentliche Strukturen der mutmaßlichen Netzwerke unangetastet.
Huione Pay und Operation „Skyfall“
Im Mittelpunkt der weiteren Ermittlungen steht aus seiner Sicht der Fall Huione Pay, der von der Central Investigation Bureau bearbeitet wird, nachdem die Technology Crime Suppression Division mit der Operation „Skyfall“ ein grenzüberschreitendes Geldwäschenetzwerk rund um diese Zahlungsplattform ins Visier genommen hatte.
Im Zuge von Skyfall wurden drei Staatsangehörige Myanmars festgenommen, denen öffentlicher Betrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung, das Einschleusen falscher Computerdaten sowie Geldwäsche vorgeworfen werden, wobei Polizei bei Zugriffen über 46 Millionen Baht Bargeld sicherstellte.
Facebook-Betrugsschema und Geldwege
Ausgangspunkt war ein Online-Investmentbetrug, bei dem Opfer über eine Facebook-Seite in angebliche Aktengruppen auf Line gelockt und anschließend auf eine gefälschte App mit versprochenen Renditen von rund 10 Prozent gelenkt wurden.
Ein Opfer überwies laut Ermittlern mehr als 20 Millionen Baht über zahlreiche Strohmankonten, woraufhin die Polizei Kryptowährungstransaktionen zu Huione-Pay-Wallets in Kambodscha verfolgte und anschließend Bargeldflüsse über Mae Sot in der Provinz Tak bis über die Grenze nach Myawaddy in Myanmar nachzeichnete.
Fehlende Haftbefehle und politischer Druck
Rangsiman kritisierte, dass die Ermittlungen nach den Skyfall-Festnahmen nicht ausreichend ausgeweitet worden seien, was mutmaßlichen Hauptakteuren Zeit verschafft habe, Vermögen zu verlagern und die Chancen der Opfer auf Entschädigung zu verringern.
Er stellte zudem öffentlich infrage, warum bisher keine Haftbefehle gegen Ben Smith und dessen Ehefrau erlassen wurden, da diese Grundlage für Interpol-Red-Notices und Reisebeschränkungen bilden könnten, und verwies erneut auf angebliche Verbindungen von grauen Kapitalnetzwerken zur Scam-Industrie in Kambodscha und zu Angehörigen von Regierungschef Hun Sen, deren behauptete Zusammenhänge bislang nicht gerichtlich geprüft sind.
NACC-Verfahren und politische Zukunft
Während die Anträge der AMLO auf Vermögenseinziehung von der Staatsanwaltschaft geprüft werden und mögliche Entschädigungsansprüche der Opfer von einer späteren Gerichtsentscheidung abhängen, laufen strafrechtliche Ermittlungen zu Huione Pay und verwandten Netzwerken weiter unter Federführung der Royal Thai Police.
Gleichzeitig führt die National Anti-Corruption Commission (NACC) Rangsiman auf einer Liste von 44 ehemaligen Abgeordneten der inzwischen aufgelösten Move Forward Party, gegen die wegen der zwischen 2021 und 2023 betriebenen Initiative zur Änderung des Majestätsbeleidigungs-Paragrafen eine Beschwerde vor dem Verfassungsgericht vorbereitet wird, auch wenn Rangsiman betont hat, dass das Verleumdungsverfahren seine parlamentarische Arbeit und die Oppositionsrolle der People’s Party nicht beeinträchtigen werde.



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