13 Afrikaner festgenommen – Millionen-Romantikbetrug enttarnt

13 Afrikaner festgenommen – Millionen-Romantikbetrug enttarnt
KhaoSod, Thai Examiner

BANGKOK, THAILAND – Ein Großaufgebot der Einwanderungspolizei hat im Raum Bangkok ein professionell organisiertes Netzwerk von Romance-Scammern zerschlagen und 13 afrikanische Verdächtige festgenommen.

Razzia im Wohnkomplex bei Messezentrum

Die Polizei hatte am Mittwoch einen weitläufigen Wohnkomplex in Muang Thong Thani am Stadtrand von Bangkok umstellt und gleichzeitig elf Wohnungen durchsucht. Das Gebiet in der Provinz Nonthaburi, bekannt als Konferenz- und Messezentrum, war laut Ermittlern der operative Stützpunkt der Betrüger.

In dem dicht belegten Condominium-Komplex mit häufigem Mieterwechsel sollen die Verdächtigen über Monate hinweg Online-Beziehungen vorgetäuscht und Opfer finanziell ausgebeutet haben.

Ausgangspunkt: Anzeige nach Verlust von über 2 Millionen Baht

Auslöser der Ermittlungen war eine Strafanzeige einer Thailänderin Ende 2025 bei der Polizei in Nong Khai. Die Frau meldete, durch Online-Betrug mehr als 2 Millionen Baht verloren zu haben. Daraufhin begannen Beamte, die dazugehörigen Finanzströme nachzuverfolgen.

Laut Ermittlungen lief der Kontakt über Facebook und Line über ein Profil namens „Bingwen Fu“, das einen angeblichen chinesischen Ingenieur zeigte. Über regelmäßige Chats und Fotos von vermeintlichen Baustellen wurde Vertrauen aufgebaut, anschließend ein romantisches Verhältnis suggeriert.

Vom Liebesversprechen zur Geldforderung

Anfang 2026 änderte der mutmaßliche Betrüger den Gesprächsverlauf: Er gab an, in ein großes Bauprojekt eingebunden zu sein, jedoch wegen angeblicher administrativer Probleme nicht an seine Bezahlung zu kommen. Er bat die Frau um eine vorübergehende finanzielle Überbrückung und versprach Rückzahlung.

Die Geschädigte überwies daraufhin viermal Geld auf ein Dritt-Konto, insgesamt über 2 Millionen Baht, das sich später als betrügerisch herausstellte. Nachdem der Kontakt abbrach, erstattete sie erneut Anzeige, woraufhin eine detaillierte Finanzermittlung begann.

Ermittler stoßen auf strukturiertes Netzwerk

Die Auswertung der Bankdaten zeigte ungewöhnliche Transaktionsmuster. Ermittler stießen auf ein koordiniertes Netzwerk aus ausländischen Tätern afrikanischer Herkunft. Laut Polizei waren Rollen klar verteilt:
• Mitglieder, die online täuschten
• Personen, die Bargeld abhoben
• Helfer, die Bankkonten beschafften

Zur internen Abstimmung nutzte die Gruppe intensiv die App Telegram. Darüber wurden Aufgaben verteilt, vor Polizei gewarnt und der tägliche Betrieb organisiert.

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Überwachung und Zugriff in Muang Thong Thani

Die Spur führte schließlich nach Muang Thong Thani, wo mehrere Einheiten in verschiedenen Gebäuden angemietet waren. Überwachungsteams beobachteten ausländische Männer, die häufig zwischen den Wohnungen pendelten – ein Hinweis auf eine koordinierte Nutzung der Räume.

Am 21. Januar 2026 trafen sich leitende Beamte, darunter die Immigration Division 3 und die Provinzpolizei Nonthaburi, zur Einsatzplanung. Eine gemeinsame Taskforce bereitete den gleichzeitigen Zugriff auf alle elf Objekte vor.

Vor dem Sturm auf die Wohnungen bestätigten Ermittler, dass in Echtzeit betrügerische Chats geführt wurden. Als die Polizei die Ausgänge abriegelte und eintrat, versuchten mehrere Verdächtige barfuß über Treppenhäuser zu fliehen – ohne Erfolg.

13 Festnahmen, mutmaßlicher Koordinator identifiziert

Insgesamt wurden 13 Afrikaner festgenommen, darunter elf Nigerianer und zwei Verdächtige aus Côte d’Ivoire. Sie wurden in Gewahrsam genommen und zunächst wegen Verstößen gegen das Einwanderungsrecht angeklagt.

Als mutmaßlicher Koordinator gilt der 37-jährige Mr. Chimoabo Okafor, nigerianischer Staatsbürger. Er soll die Abläufe vor Ort gesteuert haben. Nach Überprüfung der Aufenthaltsstatus stellte sich heraus, dass acht Verdächtige ihre Visa überzogen hatten. Fünf Nigerianer wiesen keinerlei Ein- oder Ausreisestempel auf – sie sollen illegal eingereist sein.

Mehrere Beschuldigte gaben an, über die Grenze zu Laos unter Umgehung offizieller Kontrollpunkte eingereist zu sein. Bereits zuvor hatten Ermittler wiederholt ähnliche Routen, auch über Malaysia, dokumentiert und auf Sicherheitslücken hingewiesen.

Elektronik sichergestellt – Forensik übernimmt

Bei den Durchsuchungen beschlagnahmten die Beamten 34 elektronische Geräte, darunter vier Computer und 29 Mobiltelefone. Erste Sichtungen zeigten umfangreiche Gruppen-Chats, in denen Aufgaben zugewiesen und vor Polizeipräsenz gewarnt wurde – einige Nachrichten liefen noch während der Razzia ein.

Ermittler fanden zahlreiche Chatverläufe, in denen sich die Verdächtigen als wohlhabende Ausländer mit europäischen oder asiatischen Identitäten ausgaben. Betroffen waren thailändische wie ausländische Frauen. Das Vorgehen folgte einem festen Muster: Vertrauensaufbau, persönliche Geschichten, anschließend Geldforderungen.

Thailändische Helferinnen und Geldflüsse ins Ausland

Nach Polizeiangaben lebten einige Verdächtige mit thailändischen Freundinnen zusammen. Deren Bankkonten wurden genutzt, um Gelder der Opfer zu empfangen. Die Frauen hoben Bargeld ab, häufig mit der Erklärung, es handle sich um Geld von Freunden – ein Vorgehen, das Misstrauen reduzieren sollte.

Die Bargeldsummen wurden anschließend ins Ausland weitergeleitet, darunter mittels Kryptowährungen in Richtung Nigeria. Die Nutzung digitaler Währungen soll die Nachverfolgbarkeit reduzieren, dennoch wertet die Cyber Crime Investigation Bureau die Transaktionsdaten und Geräte nun forensisch aus.

Verbindungen zu weiteren Fällen und organisierter Kriminalität

Die aktuelle Gruppe wird mit einem früheren Fall in Nong Khai in Verbindung gebracht, bei dem ähnliche Methoden und ebenfalls Schäden in Millionenhöhe festgestellt wurden. Die Ermittler sehen deutliche Überschneidungen der Beweismittel.

Darüber hinaus verweisen Behörden auf langjährige Erkenntnisse, wonach von Nigeria aus gesteuerte Banden in der Region umfangreiche Romance-Scams betreiben und zugleich immer wieder Bezüge zum Drogenhandel bestehen – unter anderem in Bangkok und auf südlichen Inseln.

Bei der aktuellen Razzia wurden zwar keine Drogen gefunden, doch frühere Verfahren gegen vergleichbare Netzwerke betrafen auch Kokain-Schmuggel, teilweise per Flugzeug und über Landgrenzen.

Politische Dimension und laufende Ermittlungen

Der Einsatz wurde von hochrangigen Vertretern des Immigration Bureau und der Polizei Region 1 vor Ort begleitet. Die Razzia legt erneut Schwachstellen bei der Grenzsicherung offen, etwa an Übergängen zu Laos und Malaysia.

Frühere Forderungen des inzwischen abgesetzten Nationalen Polizeichefs General Surachate Hakparn nach besonderen Einreisebeschränkungen für Afrikaner hatten landesweit Kritik von Menschenrechtsgruppen ausgelöst. Der aktuelle Fall befeuert die Debatte um Sicherheit versus Diskriminierung erneut – politisch ist das Thema weiterhin sensibel.

Illegale Einreise und Overstay

Derzeit liegen gegen die Festgenommenen vor allem Anklagen wegen illegaler Einreise und Überziehung des Aufenthalts vor. Weitere strafrechtliche Vorwürfe, insbesondere wegen Betrugs, werden nach Abschluss der digitalen Auswertung erwartet.

Die Ermittlungen werden ausgeweitet, zusätzliche Verdächtige und Finanzstrukturen stehen im Fokus. Nach Einschätzung der Polizei diente der Wohnkomplex in Muang Thong Thani als zentrales Drehkreuz des Netzwerks. Ein Ende der Analyse umfangreicher Datenbestände ist noch nicht absehbar.

🗣 Wenn Gefühle zur Ware werden

Ein falsches Foto, ein paar Nachrichten, künstliche Nähe – und am Ende ist nicht nur Geld weg, sondern Vertrauen. Romance-Scams sind kein „Internetproblem“ mehr. Sie sind organisierte Kriminalität, mitten in Wohnanlagen, mitten in Städten.
Warum gelingt es internationalen Netzwerken so leicht, in Thailand Basen aufzubauen? Sind Grenzkontrollen zu löchrig – oder digitale Ermittlungen zu langsam? Und wie schützt man Menschen besser vor emotionaler Manipulation, nicht nur vor Geldverlust?
Schreib, was du darüber denkst. Denn dieser Fall zeigt: Der gefährlichste Köder ist nicht Gier – sondern Einsamkeit.

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Quelle: Thai Examiner

Ein Kommentar zu „13 Afrikaner festgenommen – Millionen-Romantikbetrug enttarnt

  1. Big Joke hatte Recht. Und weil man wegen denen nicht diskriminieren wollte, diskriminiert man nun einfach alle, damit es nicht auffällt. Den jährlichen Bürokratieaufwand bei der Verlängerung des Aufenthalts für Verheiratete, egal ob 2 Jahre verheiratet oder 20 Jahre + hat man diesen Typen zu verdanken. Obwohl alles schon unzählige male vorgezeigt wurde ist es jedesmal wie beim ersten mal. Der Großteil der Romance Scamer und Heiratsschwindler kommt aus dieser Ecke der Welt und das schon ziemlich lange. Weil man nicht diskriminieren will, alle in einen Topf werfen und somit jedem böse Absichten zu unterstellen kann nicht die Lösung sein. Muss man leider so sagen. Beim Thema Geldwäsche usw. was derzeit überall strapaziert wird ist es genauso. Plötzlich sind alle kriminell bis sie mühsam das Gegenteil bewießen haben. Und bei Visa und EInreise, sind trotz Jahre langer Verschärfungen immer noch genügend im Land die hier nicht sein dürften. Da fragt man sich: Wieso klappt das woanders besser als in TH?

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