BANGKOK, THAILAND – Die nationale Anti-Korruptionskommission NACC hat 44 frühere Abgeordnete der aufgelösten Move Forward Party wegen angeblicher schwerer Verstöße gegen ethische Standards im Zusammenhang mit einer Reform von Paragraph 112 des Strafgesetzbuchs ins Visier genommen. Der Fall, der alle Betroffenen inzwischen als Mitglieder der neu gegründeten People’s Party betrifft, soll nun an den Obersten Gerichtshof weitergeleitet werden und könnte bei Annahme zu sofortigen Suspendierungen amtierender Mandatsträger führen.
Entscheidung der NACC
Die Nationale Anti-Korruptionskommission (NACC) entschied am 9. Februar, dass genügend Anhaltspunkte für schwere ethische Verstöße der 44 ehemaligen Abgeordneten vorliegen, die einen Gesetzentwurf zur Änderung von Paragraph 112 mitunterzeichnet hatten.
Nach Angaben von mit dem Verfahren vertrauten Stellen will die NACC nun die Ermittlungsakten zusammenstellen und dem Obersten Gerichtshof vorlegen, der zunächst prüfen muss, ob er den Fall annimmt.
Mögliche politische Folgen
Sollte der Oberste Gerichtshof die Klage zulassen, müssten alle Beschuldigten, die derzeit ein öffentliches Amt bekleiden, ihre parlamentarische Arbeit nach den einschlägigen Regeln umgehend ruhen lassen.
Ein Schuldspruch wegen schwerer ethischer Verstöße könnte darüber hinaus zu einem weiteren Verlust politischer Rechte für die Betroffenen führen, die ohnehin bereits unter erheblichen Einschränkungen ihrer politischen Laufbahn leiden.
Vom Reformvorstoß zur Auflösung
Der nun verfolgte Vorstoß geht auf den Februar 2021 zurück, als Pita Limjaroenrat, damals Parteichef der Move Forward Party, ein Paket von Gesetzesentwürfen ins Parlament einbrachte, das unter anderem Änderungen an Paragraph 112 sowie Regelungen zum Schutz der Meinungsfreiheit und verfahrensrechtlicher Rechte vorsah.
Die Initiative löste eine intensive öffentliche Debatte mit deutlicher Unterstützung und scharfer Kritik aus und mündete später in verfassungsrechtliche Verfahren, die die politische Zukunft der Partei maßgeblich prägten.
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Wahltriumpf und Machtblockade
Bei der Parlamentswahl am 14. Mai 2023 errang Move Forward 151 Sitze und wurde damit stärkste Kraft, doch Pita verfehlte das Amt des Premierministers, weil der von der Verfassung von 2017 vorgesehene, 250-köpfige ernannte Senat ihm die nötige Unterstützung verweigerte.
Die Partei blieb in der Opposition, während die Auseinandersetzung über ihre Reformagenda, insbesondere zu Paragraph 112, weiter eskalierte und schließlich in juristische Verfahren vor dem Verfassungsgericht mündete.
Verfassungsgericht und Parteiverbot
Der Anwalt Theerayut Suwannakesorn hatte bereits am 30. Mai 2023 beim Generalstaatsanwalt und später beim Verfassungsgericht geltend gemacht, dass Pitas Handeln und die Kampagne für eine Änderung von Paragraph 112 als Angriff auf die konstitutionelle Monarchie gewertet werden könnten.
Am 31. Januar 2024 entschied das Verfassungsgericht, dass die Bemühungen von Move Forward zur Reform von Paragraph 112 einen Missbrauch von Rechten darstellten, der darauf abzielte, das demokratische System mit dem König als Staatsoberhaupt zu unterminieren, und untersagte der Partei jegliche weitere Aktivitäten in diesem Zusammenhang.
Auflösung und politisches Exil der Führung
Nachdem die Wahlkommission das Urteil weitergeleitet hatte, ordnete das Verfassungsgericht am 7. August 2024 die Auflösung der Move Forward Party an und belegte 11 Partei-Führungspersonen mit einem zehnjährigen Politikverbot.
Die verbliebenen Abgeordneten behielten zunächst ihre Mandate, schlossen sich später jedoch der neu gegründeten People’s Party an und wählten Natthaphong Ruengpanyawut zu ihrem Parteivorsitzenden.
Neuer Vorstoß gegen 44 Ex-MPs
Trotz der Parteiauflösung und der bereits verhängten Sperren setzte Theerayut Suwannakesorn seine Bemühungen fort und legte bei der NACC eine weitere Beschwerde gegen die 44 ehemaligen Move-Forward-Abgeordneten ein, die den Reformentwurf zu Paragraph 112 unterzeichnet hatten.
Die aktuelle Entscheidung der NACC, den Fall als schwere ethische Verfehlung zu werten und an den Obersten Gerichtshof weiterzureichen, verschärft die rechtliche und politische Unsicherheit für die People’s Party, die schon zuvor unter massivem Druck stand.


