Goldrausch in Thailand treibt Baht-Aufstieg

three gold bars stacked on top of each other
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Fünf Jahre in Folge steigende Nachfrage

Die Goldleidenschaft der Thailänder kennt keine Pause: Schon zum fünften Mal in Folge greifen Anleger verstärkt zu dem Edelmetall. Die Rally des thailändischen Baht hat Goldkäufe im Inland günstiger gemacht – ein Trend, der die Bemühungen der Zentralbank erschwert, den Einfluss von Gold auf die Landeswährung zu begrenzen.

Die Nachfrage nach physischem Gold – ohne Berücksichtigung der Zentralbankkäufe – dürfte 2025 um etwa zehn Prozent auf 53,7 Tonnen steigen, so Schätzungen der Thai Futures Exchange. Allein im ersten Halbjahr kletterte der Konsum um 21 Prozent auf 20,7 Tonnen, wie Daten des World Gold Council zeigen.

„Die Menschen in Thailand lieben es, Gold zu kaufen“, sagte Nuttapong Hirunyasiri, Geschäftsführer der MTS Gold Group, einem der größten Edelmetallhändler des Landes. „Obwohl die Preise immer weiter steigen, greifen viele weiter zu. Wir beobachten derzeit Aktivitäten auf beiden Seiten: Käufer und Verkäufer sind gleichermaßen aktiv.“

Tradition und Anlageform zugleich

Die Vorliebe für Gold ist in Thailand tief verwurzelt. Historisch wie kulturell hat das Edelmetall eine besondere Bedeutung: Es wird in buddhistischen Tempeln als Opfergabe niedergelegt und dient seit Generationen als klassisches Mittel der Vermögenssicherung. Für viele Familien gilt Gold als sichere Form des Sparens und wird als Wertanlage an Kinder und Enkel weitergegeben.

Bereits im Vorjahr war die Nachfrage um 13 Prozent gestiegen. Laut YLG Bullion International ist Thailand das einzige Land weltweit, das während der Corona-Pandemie vier Jahre in Folge einen Zuwachs beim Goldkonsum verzeichnen konnte – ein klarer Hinweis auf die Stabilität dieser Anlageform in der Bevölkerung.

Starker Baht als Treiber

Ein wesentlicher Grund für die anhaltende Goldnachfrage liegt in der Entwicklung des Baht. Die thailändische Währung hat sich 2025 um rund sieben Prozent auf den höchsten Stand seit 2021 aufgewertet. „Das ist einer der Gründe, warum viele Anleger jetzt Gold kaufen“, erklärte Jitti Tangsithpakdi, Präsident der Goldhändlervereinigung.

Die Bank of Thailand führt die jüngste Stärke des Baht teilweise auf die Goldgeschäfte zurück. Wenn Thailänder Gold verkaufen, werden die Erlöse in US-Dollar oft direkt in Baht umgetauscht, was die Nachfrage nach der Landeswährung ankurbelt. Diese enge Verbindung zwischen Gold und Baht ist einzigartig in Asien – andere Schwellenländerwährungen zeigen dieses Muster in weit geringerem Ausmaß.

Sorge bei Regierung und Exportwirtschaft

Für die thailändische Wirtschaft hat die Aufwertung allerdings auch Schattenseiten. Starke Wechselkurse mindern die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte und verteuern Reisen ins Land, was sich negativ auf den wichtigen Tourismussektor auswirkt. Unternehmerverbände und Tourismusorganisationen drängen deshalb auf Maßnahmen, um den Baht zu stabilisieren.

Die Zentralbank erklärte, man arbeite gemeinsam mit dem Finanzministerium an Strategien, um Abweichungen der Währungskurse von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten einzudämmen.

Uneinigkeit über Ursachen

Doch nicht alle Marktteilnehmer teilen die Einschätzung, dass der Goldhandel die Hauptursache für die Aufwertung ist. „Die Stärke des Baht hat weniger mit Gold zu tun, sondern eher mit dem schwächeren Dollar und der Zuversicht über die neue Regierung“, betonte Jitti.

Auch Tipa Nawawattanasub, Vorstandschefin von YLG Bullion Futures, sieht Gold nicht als entscheidenden Faktor: „De-Dollarisation führt dazu, dass immer mehr Anleger auf Gold setzen. Gewinnmitnahmen beim Edelmetall können zwar zum Baht-Anstieg beitragen, aber es ist nicht der Hauptgrund.“

Schwache Finanzmärkte verstärken Trend

Dass Thais verstärkt ins Gold investieren, hat noch weitere Gründe: Die heimischen Aktienmärkte gelten derzeit als schwach, während die Renditen von Staatsanleihen auf einem Mehrjahrestief verharren. In diesem Umfeld erscheint Gold vielen als attraktivere Alternative.

„Die geopolitischen Probleme sowie die Politik von US-Präsident Donald Trump haben die Unsicherheit zusätzlich verstärkt und die Goldnachfrage angetrieben“, erklärte MTS-Chef Nuttapong. Für ihn ist klar: „Der Himmel ist die Grenze für den Goldpreis.“

Ausblick

Mit dem anhaltenden Vertrauen in Gold, der schwachen Performance anderer Anlageklassen und den internationalen Unsicherheiten dürfte die Nachfrage nach dem Edelmetall auch in den kommenden Monaten hoch bleiben. Für die Zentralbank bedeutet das, weiterhin mit den Folgen der engen Verbindung zwischen Goldhandel und Währung kämpfen zu müssen.

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