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Der Tourist ist nicht schuld – Es ist die Stadt!

a large white bridge over water
Photo by Markus Winkler on Unsplash

Ein Kommentar von Sebastian Kronberg

Die Empörung war vorhersehbar. Ein Tourist wird dabei gesehen, wie er am Strand von Pattaya uriniert – sofort entbrennt die Diskussion über respektloses Verhalten und Imageschäden. Kommentare in Social Media häufen sich, in denen von „Ungehörigkeit“ und „mangelndem Anstand“ die Rede ist. Lokale Medien überschlagen sich mit Skandalberichten, Social Media brodelt vor Entrüstung.

Doch diese ganze Empörung richtet sich an die völlig falsche Adresse. Das eigentliche Problem sitzt nicht am Strand von Pattaya, sondern in den Amtsstuben der Stadtverwaltung. Hier wird ein Symptom skandalisiert, während die wahre Ursache geflissentlich übersehen wird. Es ist die altbekannte Taktik des Ablenkens: Statt die eigenen Versäumnisse anzugehen, zeigt man mit dem Finger auf andere.

Die Infrastruktur-Katastrophe ist hausgemacht

Wer durch Pattaya wandelt, macht eine ernüchternde Entdeckung: Öffentliche Toiletten sind Mangelware. Während die Stadt Jahr für Jahr Millionen von Touristen anzieht, versagt sie kläglich bei einer der grundlegendsten Aufgaben der Daseinsvorsorge. Die wenigen vorhandenen Toiletten sind oft in erbärmlichem Zustand, schlecht beschildert oder so versteckt, dass sie selbst Einheimische kaum finden.

Touristen irren verzweifelt durch die Straßen, während Restaurants und Geschäfte ihre Toiletten für Gäste sperren. Das ist kein Zufall, sondern systematisches Versagen einer Stadtverwaltung, die ihre Prioritäten fundamental falsch gesetzt hat. Wo andere internationale Tourismusstädte längst begriffen haben, dass sanitäre Anlagen zur unverzichtbaren Basisausstattung gehören, klafft in Pattaya eine beschämende Lücke.

Menschliche Bedürfnisse warten nicht auf Stadtplaner

Die biologischen Funktionen des menschlichen Körpers folgen keinem touristischen Zeitplan und warten nicht auf die Bequemlichkeit inkompetenter Stadtplaner. Wer dringend eine Toilette benötigt und nach verzweifelter Suche keine findet, steht vor einer Situation, die jeder nachvollziehen kann. Es ist zutiefst scheinheilig, Touristen für ein Verhalten zu kritisieren, das durch strukturelle Mängel provoziert wird.

Wenn ein Besucher nach stundenlangem Aufenthalt in der Stadt keine Alternative findet, ist die Schuld nicht bei ihm zu suchen. Die Not macht nicht nur erfinderisch, sie macht auch verzweifelt – und Verzweiflung führt zu Handlungen, die niemand gerne vollzieht. Hier von mangelnder Kultur oder Respektlosigkeit zu sprechen, ignoriert die Realitäten einer mangelhaft ausgestatteten Stadt.

Das Problem hat gefährliche Dimensionen angenommen

Die unzureichende sanitäre Infrastruktur hat weitreichende und gefährliche Folgen: Sie gefährdet die öffentliche Gesundheit, belastet massiv die Umwelt und schadet nachhaltig dem internationalen Ruf. Ungeklärte Abwässer und menschliche Ausscheidungen an öffentlichen Plätzen sind Brutstätten für Krankheiten und belasten das empfindliche Ökosystem der Küstenregion katastrophal.

Nicht der urinierende Tourist schadet Pattayas Image, sondern eine Stadtverwaltung, die ihre grundlegendsten Hausaufgaben nicht gemacht hat. Das Problem multipliziert sich täglich und wird mit jedem weiteren Touristen größer. Während andere Städte ihre Infrastruktur kontinuierlich anpassen, verschließt Pattaya die Augen vor der Realität.

Internationale Vorbilder zeigen den Weg

Barcelona hat seine öffentlichen Toiletten zu einem Markenzeichen gemacht – sauber, modern, leicht zu finden und rund um die Uhr zugänglich. Amsterdam investiert Millionen in sanitäre Anlagen und betrachtet diese als unverzichtbaren Bestandteil der touristischen Infrastruktur. Selbst Singapur hat verstanden: Tourismus ohne angemessene Grundausstattung ist zum Scheitern verurteilt.

Diese Städte haben begriffen, dass Investitionen in öffentliche Toiletten eine strategisch notwendige Investition darstellen. Sie entwickeln innovative Konzepte, von automatisierten Selbstreinigungssystemen bis hin zu architektonisch ansprechenden Designs. Pattaya hingegen verharrt in der Steinzeit der Stadtplanung und wundert sich über die Konsequenzen.

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen

Pattayas Stadtverwaltung steht vor einer historischen Entscheidung: Weiterhin den Kopf in den Sand stecken und darauf hoffen, dass sich das Problem durch Wegschauen löst – oder endlich erwachsen werden. Die Lösung ist weder kompliziert noch unbezahlbar, sie erfordert lediglich politischen Willen und strategisches Denken.

Stattdessen verschwendet die Stadt wertvolle Ressourcen damit, Touristen zu beschuldigen und Imagekampagnen zu fahren, während die eigentlichen Probleme ungelöst bleiben. Es ist höchste Zeit, dass Pattayas Politiker aufhören, Symptome zu bekämpfen, und anfangen, Ursachen anzugehen. Die internationale Konkurrenz lacht sich bereits ins Fäustchen.

Der wirtschaftliche Kollaps droht

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Wer Jahr für Jahr Millionen von Besuchern in die Stadt lockt, muss auch für deren elementarste Bedürfnisse sorgen. Alles andere ist wirtschaftlich selbstmörderisch. Die Tourismusbranche ist gnadenlos: Schlechte Erfahrungen verbreiten sich über soziale Medien in Windeseile rund um den Globus. Ein pinkelnder Tourist am Strand ist nur die Spitze des Eisbergs.

Am Ende zahlen alle einen hohen Preis: die Bürger durch ein international beschädigtes Stadtimage, die Touristen durch demütigende Situationen, die Stadt selbst durch sinkende Besucherzahlen. Das wahre Problem liegt in der strukturellen Inkompetenz einer Stadtverwaltung, die ihre wichtigste Einnahmequelle systematisch sabotiert. Die Überschrift für Pattayas Zukunft lautet: „Keine Zukunft ohne Toiletten.“

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