BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei hat ihre Korruptionsermittlungen gegen Ex-Vizepolizeichef General Surachate Hakparn, genannt Big Joke, deutlich verschärft und einen langjährigen Vertrauten als Schlüsselkronzeugen präsentiert.
Vorwurf: Goldbarren als Millionen-Schmiergeld
Bei einer Pressekonferenz erklärten Vertreter der Anti-Corruption Division, sie verfügten über starke Beweise gegen den früheren stellvertretenden nationalen Polizeichef General Surachate Hakparn.
Im Zentrum steht der Vorwurf, Surachate habe am 1. September 2024 versucht, ein Mitglied der National Anti-Corruption Commission (NACC) zu bestechen. Es geht um Goldbarren im Wert von über 10 Millionen Baht, konkret um 246 Baht Goldgewicht, die an ein NACC-Mitglied gegangen sein sollen, das mit Surachates Akten befasst war.
Die Ermittler betonten, der mutmaßliche Bestechungsversuch sei direkt mit einem laufenden NACC-Verfahren verknüpft. Die Beweismittel ergäben eine „klare und logische Kette“, der Fall sei anklagebereit.
Beweise, Mittelsmänner und Überwachungsvideos
Nach Angaben von Polizeigeneralmajor Jaroonkiat Pankaew, stellvertretender Leiter der Crime Suppression Division, stützt sich das Dossier auf ein breites Beweisset: CCTV-Aufnahmen, Audio-Mitschnitte, Fotos sowie Aussagen von Beamten und Geschäftsleuten.
Die Materialien seien überprüft und verifiziert worden. Surachate habe selten persönlich gehandelt, sondern sich mutmaßlich Intermediären bedient. Ermittler erklärten, viele Zeugen hätten sich aus eigener Initiative gemeldet.
Mehrere Zeugen berichteten demnach von Drohungen und Übergriffen:
• Androhung von Gewalt
• tatsächliche körperliche Angriffe
• ein Zeuge mit vorgehaltener Schusswaffe am Kopf
Ärztliche Unterlagen sollen die Verletzungen bestätigen. Die Polizei spricht von Versuchen, Zeugen einzuschüchtern und Beweise zu vernichten, was die Ermittlungen erschwere.
Langjähriger Vertrauter wird Belastungszeuge
Auf derselben Pressekonferenz stellte die Polizei Police Colonel Pakphum Phisamai vor, der mehr als zehn Jahre eng mit Surachate zusammengearbeitet hatte und als sein Untergebener galt. Nun wird er als Schlüsselzeuge geführt.
Pakphum habe der Staatsanwaltschaft umfangreiche Informationen geliefert, die die Struktur des Falls stützten. Am 31. Dezember trat er zusätzlich öffentlich auf und erklärte, er habe sich nach langem Zögern zur Kooperation entschieden.
„Ich habe das wegen der nachgeordneten Beamten getan, die leiden mussten“, sagte er. Einige seien demnach zu falschen Schuldeingeständnissen gedrängt, Familien in Mitleidenschaft gezogen und Videoaufnahmen manipuliert worden, um Unbeteiligte als Täter darzustellen.
Vorwürfe von Einschüchterung und Online-Kampagnen
Pakphum berichtete von Druck über ein Jahrzehnt, den er nun nicht länger hinnehmen wolle. Er habe Übergriffe persönlich miterlebt und wolle „im Interesse der Wahrheit“ aussagen, auch wenn er mit Gegenangriffen rechne.
Kurz vor seinem Schritt an die Öffentlichkeit hätten Personen versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Nachdem er dies abgebrochen habe, seien feindselige Online-Kampagnen aufgetaucht, die auch seine Familie trafen. Er zeigte sich darüber nicht überrascht.
Weiterhin Respekt für General Surachate
Pakphum hatte zuvor an den ehemaligen Premierminister Srettha Thavisin geschrieben und um Erlaubnis gebeten, aus dem Polizeidienst auszuscheiden, um sich als Privatperson verteidigen zu können. Wegen eines Disziplinarverfahrens sei der Rücktritt nicht möglich gewesen, später sei er aus dem Dienst entlassen worden.
Trotz seiner Aussagen betonte er, er hege weiterhin Respekt für General Surachate, sei ihm für frühere Unterstützung dankbar. „Dankbarkeit muss aber von der Wahrheit getrennt werden“, sagte er. Details des Falles wolle er aus Sicherheitsgründen für Zeugen vorerst nicht offenlegen.
Weitere Verdächtige und Rolle der NACC
Die Ermittler erklärten, der Fall betreffe staatliche Amtsträger, die Vorteile angenommen haben sollen, sowie mutmaßliche Bestechungsversuche gegenüber NACC-Mitgliedern. Es seien Ladungen gegen drei Zivilisten ergangen, zwei hätten die Vorwürfe bereits anerkannt.
Zu den namentlich genannten Beschuldigten zählen neben Surachate Ekawit Wacharawalop, Samart Konkaew, Sorapong Wongsuwan und Surasit Paekerd. Für Personen in unabhängigen Verfassungsorganen gelte ein anderer Rechtsweg: Die Polizei will ihre Unterlagen an die NACC übermitteln, die sie gegebenenfalls an den Parlamentspräsidenten oder den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs weiterleiten kann. Diese könnten ein unabhängiges Untersuchungskomitee einsetzen.
In der Provinz Surat Thani sagte der Beschuldigte Surasit Paekerd, ein früherer Gärtner des NACC-Mitglieds Ekawit, er sei von örtlichen Ermittlern gezwungen worden, eine falsche Aussage zu unterschreiben. Er habe nie mit Surachate Kontakt gehabt und seit mehr als zwei Jahren nicht mehr für die NACC gearbeitet. Ekawit selbst wurde angezeigt, nachdem er falsche Behauptungen gegen sich gerügt hatte.
Ermittlungen zu Medienkampagnen und getrennte Verfahren
Die Polizei erklärte weiter, die Untersuchungen reichten über den Goldtransfer hinaus. Im Fokus stehe ein Universitätsprofessor, Spezialist für soziale Medien, der als PR-Berater Surachates gearbeitet haben soll.
Die Ermittler prüfen mutmaßliche Informationskampagnen gegen Gegner und mögliche Verstöße. Rechtliche Schritte sollen folgen, falls sich Verdachtsmomente bestätigen.
Parallel dazu läuft ein Verfahren zu einem Online-Glücksspielportal, das nach Angaben Pakphums jedoch nicht mit dem Goldfall verknüpft sei. Es handele sich um separate Delikte, die Ermittlungen im Glücksspielkomplex könnten sich noch mindestens zwei Monate hinziehen.
Aussage gegen Aussage – Big Joke schlägt zurück
General Surachate weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Der frühere Spitzenbeamte, der sich lange als Korruptionsbekämpfer präsentierte, spricht von Unregelmäßigkeiten im Verfahren und einer Kampagne gegen ihn seit 2023.
Er behauptet, Ziel sei es gewesen, zunächst seine Ernennung zum National Police Commissioner zu verhindern, ein Posten, dem er eigenen Angaben zufolge 2023 nahe gewesen sei. Später habe man versucht, ihn vollständig aus der Polizei zu entfernen. Öffentlich stellt er sich weiterhin als jemand dar, der Missstände innerhalb der Polizei bekämpft.
Unabhängig davon hatte die Police Complaints Review Board Ende Oktober Strafverfahren gegen rund 200 Beamte, darunter Ex-Polizeichef General Torsak Sukwimol, wieder aufgenommen. Einige dieser Namen waren zuvor von Surachate selbst genannt worden. Die Polizei betont jedoch, diese Verfahren liefen getrennt vom Goldfall.
Streit um Zeugenaussagen in Surat Thani
In Surat Thani meldete sich der bereits erwähnte Surasit Paekerd zu Wort. Er erklärte, er sei dort von Ermittlern genötigt worden, ein Protokoll zu unterschreiben, dessen Inhalt nicht der Wahrheit entspreche. Er betonte erneut, er habe niemals mit Big Joke zusammentreffen und seit mehr als zwei Jahren nicht mehr für die NACC gearbeitet.
Ermittler konterten mit dem Hinweis auf Einschüchterung und Beweisvernichtung im Umfeld des Falls. Zeugen berichteten demnach von Belästigungen und gezieltem Druck, die Ermittlungen würden dadurch erschwert, aber fortgesetzt.
Polizei verspricht Gleichbehandlung und Groß-Briefing
Polizeigeneralmajor Jaroonkiat unterstrich mehrfach, die Royal Thai Police behandle alle Beteiligten gleich, ob einfache Bürger oder hohe Amtsträger. „Es gibt keine Schikanen gegen Bürger oder hochrangige Beamte“, sagte er. Das Gesetz werde ohne Sonderbehandlung angewandt.
Er kündigte ein umfassendes Briefing am 5. Januar an. Dann sollen führende Beamte weitere Details präsentieren. Die Ermittlungsakte sei umfangreich und detailliert, man arbeite mit zahlreichen CCTV-Bildern, Tonaufnahmen, Fotos, Dokumenten und medizinischen Unterlagen.
Pakphum erklärte, die Ermittler sammelten derzeit weitere Aussagen und physische Beweise, der Prozess komme rasch voran, trotz anhaltender Versuche, Zeugen zu diskreditieren oder einzuschüchtern. „Die Wahrheit wird sichtbar werden“, sagte der Schlüsselzeuge.
Die Royal Thai Police will am 5. Januar weitere Einblicke geben. Der Fall um die mutmaßliche Gold-Bestechung bleibt ein zentrales Thema für Polizei, NACC und die betroffenen Spitzenbeamten.
🗣 Wenn der Jäger selbst zum Gejagten wird
Jahrelang galt er als Gesicht des Anti-Korruptionskampfs – nun steht er selbst im Zentrum schwerer Vorwürfe. Brisante Aussagen, mutmaßliche Einschüchterung, Gold statt Bargeld: Der Fall wirkt größer als eine einzelne Straftat.
Geht es hier um Recht und Gesetz – oder um einen offenen Machtkampf innerhalb der Sicherheitsapparate?
Und was bedeutet es für das Vertrauen in Polizei und Justiz, wenn sich Spitzenbeamte gegenseitig beschuldigen?
Was meint ihr: Aufklärung oder politisch motivierte Abrechnung?



