LOPBURI, THAILAND – Eine 35-jährige Thailänderin hat der Polizei detailliert geschildert, wie sie mit einem Jobversprechen nach Kambodscha gelockt, festgehalten und zur Mitarbeit in einer Betrugsorganisation gezwungen wurde.
Aussage im Technologie-Polizeizentrum
Die Frau, in den Unterlagen als Ms. Aim, 35, aus der Provinz Khon Kaen geführt, erschien am 10. Januar 2026 um 18.22 Uhr im Technology Crime Reporting Centre der Provinzpolizei Lopburi.
Ihre Aussage wurde von Pol Col Prawit Yongyuth, dem Leiter der Ermittlungsabteilung, protokolliert. Die Polizei will die Informationen für laufende Ermittlungen gegen grenzüberschreitende Technologiekriminalität nutzen.
„Ich dachte, es wäre nur ein normaler Job, aber dann gab es kein Zurück mehr“, schilderte sie laut ihrem Bericht.
Gelockt mit angeblichem Scan-Job
Nach Darstellung von Ms. Aim war sie über ein Jobangebot in Kambodscha kontaktiert worden. Es sei um eine Tätigkeit im Produktscanning gegangen, mit einem versprochenen Lohn von 18.000 Baht pro Monat.
Vor Antritt der Stelle sei sie aufgefordert worden, zwei Bankkonten zu eröffnen, angeblich um dort das Gehalt zu empfangen. Solche Konten werden in der Region häufig von Betrugsnetzwerken für Geldtransfers missbraucht.
Anschließend sei sie mit einem Auto abgeholt und in ein Resort im Bezirk Aranyaprathet in der Provinz Sa Kaeo gebracht worden, nahe der Grenze zu Kambodscha. Dort hätten bereits mehrere weitere Personen auf die Weiterreise gewartet.
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Schüsse beim illegalen Grenzübertritt
Von Aranyaprathet aus habe die Gruppe die Grenze auf einem inoffiziellen Weg überquert. Nach Angaben von Ms. Aim eröffneten dabei kambodschanische Soldaten das Feuer.
Der Führer der Gruppe sei geflohen, während sie selbst und vier weitere Personen festgenommen und an die kambodschanische Polizei übergeben worden seien. „Ich war sicher, sie würden uns nach Thailand zurückschicken, aber das passierte nicht“, sagte sie.
Stattdessen seien sie an eine kriminelle Gruppe nahe der Grenze überstellt worden.
Zwangsarbeit für Online-Betrugsnetzwerk
In der Gewalt dieser Gruppe sei sie gemeinsam mit anderen thailändischen Staatsangehörigen ohne Bezahlung festgehalten worden. Die Täter betrieben demnach eine Betrugsoperation mit Computern.
Nachdem ein nahegelegenes Gebäude, das die Organisation nutzte, angegriffen worden sei, hätten die Täter Computer entfernt und die Gruppe an einen neuen Standort in Poipet verlegt, einer Grenzstadt auf kambodschanischer Seite.
Am zweiten Standort habe sie sich einer Gesichtserkennung unterziehen müssen, um weitere Bankkonten zu eröffnen und bei Geldtransfers zu helfen. Laut ihrer Aussage flossen täglich hohe Geldsummen durch das System, inklusive Währungsumrechnungen.
• Finanztransfers mit bis zu 500 Millionen Baht hätten interne Warnmeldungen ausgelöst, erklärte sie.
Gewalt gegen Widerstand und Flucht über die Grenze
Ms. Aim berichtete, dass Personen, die sich weigerten mitzuarbeiten, geschlagen worden seien. „Einige, die sich widersetzt haben, habe ich später nie wieder gesehen“, sagte sie. Sie selbst sei schließlich freigelassen worden, nachdem ihre Bankkonten eingefroren worden seien und sie damit für die Täter unbrauchbar geworden sei. Man habe sie in der Nähe eines Zuckerrohrfeldes abgesetzt.
Von dort sei sie zu Fuß bis zur thailändischen Grenze gelaufen, wo sie auf thailändische Soldaten traf. Ihre Schilderung wurde zuerst von Khaosod publik gemacht. Die Polizei in Lopburi erklärte, die Angaben von Ms. Aim würden nun in laufende Ermittlungen gegen grenzüberschreitende Scam-Netzwerke einfließen.
🗣 Wenn ein Jobangebot zur Todesfalle wird
Wie verzweifelt muss jemand sein, um fremden Versprechen über Grenzen zu folgen?
Und wie viele sitzen noch immer dort fest, unsichtbar, namenlos, ersetzbar?
Ist das noch organisierte Kriminalität – oder längst moderner Sklavenhandel?
Schreib offen: Was muss passieren, damit diese Netzwerke wirklich zerschlagen werden?



