BANGKOK – Der Plan ist kühn: Die thailändische Börse (SET) erwägt nach Jahrzehnten des Verbots die Zulassung von Alkohol-Herstellern. Doch Analysten sind skeptisch – sie glauben nicht an den großen Boom.
SET-Chef will historisches Tabu brechen
In einem mutigen Schritt will SET-Vorsitzender Kitipong Urapeepatanapong die Türen für Brauereien und Spirituosen-Hersteller öffnen. „Wir müssen uns dringend anpassen, bevor wir diese Unternehmen an ausländische Börsen verlieren“, argumentiert er.
Der Hintergrund ist schmerzhaft: Der größte thailändische Konzern, Thai Beverage (ThaiBev), ging 2005 nach Protesten von Aktivisten und Mönchen in Singapur an die Börse. Ein milliardenschwerer Verlust für den heimischen Markt.
Kitipong deutet an, dass sich die gesellschaftliche Stimmung gewandelt haben könnte – gestützt durch die Lockerung der Verkaufsverbotszeiten am Nachmittag.
Experten bleiben skeptisch und sehen wenig Wachstum
Die Reaktion der Finanzexperten ist verhalten. Kitpon Praipaisarnkit von UOB Kay Hian hält zwar mehr Anlageoptionen für richtig, zweifelt aber am Potenzial.
„Ich frage mich, wie viel Kapital große Brauereien wie ThaiBev überhaupt noch für Kapazitätserweiterungen brauchen. Der Markt scheint begrenzt“, so sein klares Urteil.
Statt auf Alkohol setzt er auf Hightech-Sektoren mit hohem Wachstum, die sogenannten S-Curve-Industrien. Die thailändische Börse bräuchte frische, dynamische Unternehmen.
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Der Markt: Groß, aber nur langsam wachsend
Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Der thailändische Alkoholmarkt war 2025 19,8 Milliarden US-Dollar (ca. 17,8 Mrd. Euro) schwer. Bis 2034 soll er auf 24,1 Milliarden Dollar wachsen.
Das klingt nach viel, doch die jährliche Wachstumsrate liegt nur bei 2,2 Prozent. Ein solides, aber kein explosionsartiges Wachstum, das Investoren in Scharen anlockt.
Getrieben wird er vor allem durch Tourismus und sich wandelnde Lebensstile. Ein Börsengang wäre also eher ein Image- als ein Wachstumsmotor.
Ein Funke Hoffnung für den IPO-Markt
Andere Stimmen sehen zumindest einen psychologischen Effekt. Koraphat Vorachet von Krungsri Securities hofft auf einen positiven Schub für den lahmen Börsengangs-Markt.
„Eine solche Politik könnte ein positiver Katalysator sein und die SET insgesamt attraktiver machen“, so seine Einschätzung. Mehr Auswahl begeistert Anleger.
Nach der monatelangen Dürre an der Börse wäre jeder neue große Name ein Signal der Aufbruchstimmung. Doch reicht das?
Thailands Börse kämpft mit schwerem Gegenwind
Das große Ganze sieht düster aus. Der SET-Index schloss 2025 bei 1.259 Punkten – ein Minus von 10 Prozent gegenüber 2024.
Ausländische Investoren zogen 107,1 Milliarden Baht (ca. 2,7 Mrd. Euro) aus thailändischen Aktien ab. Soraphol Tulayasathien von der SET nennt die Gründe: „Die Parlamentsauflösung, der starke Baht und die erwartete Konjunkturabkühlung 2026.“
In diesem Umfeld wirkt die Debatte um Brauerei-IPOs wie der Versuch, ein sinkendes Schiff mit bunten Fahnen zu schmücken.
Die Entscheidung wird zum Symbol
Am Ende geht es um mehr als Finanzen. Die Frage, ob Bier und Schnaps an die thailändische Börse dürfen, ist ein Test für den gesellschaftlichen Wandel.
Wagt die SET den Schritt und riskiert Proteste? Oder bleibt sie vorsichtig und verpasst eine Chance? Die Antwort wird zeigen, wie modern Thailands Wirtschaft wirklich ist.
🗣 Rettet Alkohol wirklich eine Börse?
Wenn eine Börse nach neuen Ideen sucht und plötzlich Bier und Whisky auf den Kurszettel setzt – ist das mutige Öffnung oder ein Zeichen von Ideenmangel?
Braucht Thailand mehr Traditionskonzerne auf dem Parkett – oder radikal neue Zukunftsbranchen?
Und würdest du in Alkohol-Aktien investieren, wenn selbst Analysten kaum Wachstum sehen?
Schreib ehrlich: Hoffnungsschimmer oder falsche Baustelle?



