Callcenter-Pate in Pattaya gefasst

Callcenter-Pate in Pattaya gefasst
KhaoSod

PATTAYA, THAILAND – In Pattaya ist ein chinesischer mutmaßlicher Drahtzieher eines internationalen Betrugsnetzwerks festgenommen worden, dem die Verantwortlichkeit für den Tod eines südkoreanischen Studenten in Kambodscha zur Last gelegt wird.

Razzia in Luxusvilla und Zugriff auf Hauptverdächtigen

Am Donnerstag, 8. Januar 2026, stürmten thailändische und südkoreanische Ermittler gemeinsam ein Luxushaus in Pattaya in der Provinz Chonburi. Dort nahmen sie einen chinesischen Staatsbürger fest, der unter dem Alias „Mr. Ham“, auch bekannt als Mr. Xian, geführt wird.

Der Zugriff war Teil der grenzüberschreitenden Operation „Thailand-Korea Breaking Chains“, mit der ein transnationales Callcenter-Betrugsnetzwerk zerschlagen wurde. Die Bande soll von mehreren Ländern aus agiert und insbesondere Studierende mit falschen Jobangeboten ins Visier genommen haben.

Verknüpfung zum Todesfall eines südkoreanischen Studenten

Der Fall steht im Zentrum eines internationalen Fokus auf sogenannte Scam Compounds in Kambodscha. Dort war die Leiche eines südkoreanischen Studenten, nur als Mr. Park identifiziert, am 8. August 2025 in einem Auto nahe des Bokor Mountain gefunden worden.

Mr. Park war am 17. Juli 2025 aus Südkorea ausgereist und soll anschließend in die Gewalt eines von Chinesen betriebenen Betrugskomplexes geraten sein. Nach Angaben der Behörden starb der Student unter ungeklärten Umständen während seiner Gefangenschaft in der Einrichtung.

Die Ermittlungen zu den genauen Todesumständen dauern an. Die kambodschanischen Behörden kooperieren mit südkoreanischen Stellen, um den Fall aufzuklären.

Struktur des Netzwerks: Täuschung und Zwang

Ermittler schilderten, dass die Gruppe Studierende mit vermeintlichen Auslandsjobs anwarb. Nach der Ankunft wurden die Betroffenen in abgeschottete Einrichtungen gebracht und dort festgehalten.

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Reisepässe eingezogen und Flucht verhindert

• Zwang zur Arbeit als Online-Betrüger

Bankkonten der Opfer zu Strohkonten für Geldwäsche umfunktioniert

Einschüchterung und Drohungen, um Gehorsam zu erzwingen

• Keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Familie oder Behörden

Die Opfer verloren dabei die Kontrolle über Identität und Finanzen. Der Tod von Mr. Park wird unmittelbar dieser Zwangsstruktur zugerechnet.

Internationale Haftbefehle und Fahndung in Pattaya

Nach dem Tod des Studenten floh ein Hauptverdächtiger aus Kambodscha. Südkorea erwirkte daraufhin nationale Haftbefehle und ein Interpol-Fahndungsersuchen gegen Mr. Ham, dem Freiheitsberaubung zum Zweck der Auslieferung und besonders schwere Nötigung vorgeworfen werden.

Hinweise südkoreanischer Behörden führten die thailändische Polizei schließlich auf eine Wohnadresse in Pattaya. Dort trafen die Einsatzkräfte auf drei chinesische Staatsbürger. Die Beamten sicherten das Haus und überprüften Dokumente.

Die Ermittler hatten monatelang die Spur des Verdächtigen verfolgt, bevor sie seinen Aufenthaltsort in Thailand lokalisieren konnten. Der Einsatz wurde sorgfältig geplant, um eine Flucht zu verhindern.

Rolle thailändischer Ermittler und diplomatische Kooperation

Der Einsatz wurde auf höchster Ebene der Royal Thai Police autorisiert. Pol. Gen. Thana Chuwong, Stellvertretender Polizeichef und Leiter des Anti-Crime Centre, gab die Direktive. Unterstützt wurde er von Pol. Lt. Gen. Jirapop Phuridej und Pol. Lt. Gen. Natsak Chaowanasai.

Die operative Führung lag beim Cyber Crime Investigation Bureau, unter Pol. Maj. Gen. Chananat Sarathawalphet. Die Einsatzeinheiten vor Ort wurden von Pol. Col. Panuphat Kittiphan koordiniert. Parallel waren die Ermittlungsabteilung der Einwanderungsbehörde und die Konsularabteilung der Botschaft der Republik Korea in Bangkok eingebunden.

„Das Netzwerk agierte länderübergreifend, die Zerschlagung dieser Zelle ist ein wichtiger Schritt“, erklärten hochrangige Polizeiquellen laut Einsatzunterlagen.

Festnahmen, Drogenverdacht und weitere Ermittlungen

Mr. Ham wurde in der Villa ohne Widerstand festgenommen und anschließend auf Basis der internationalen Haftbefehle der Abteilung für Auslandsangelegenheiten der Staatsanwaltschaft übergeben. Dort laufen nun die formellen Auslieferungsverfahren in Abstimmung mit südkoreanischen Gerichten.

Während derselben Durchsuchung fiel den Beamten ein weiterer Bewohner auf: Mr. Chen, ebenfalls Chinese, zeigte Anzeichen von Drogenkonsum. Ein Urintest bestätigte Methamphetamin.

Mr. Chen gab laut Polizei den Konsum von Crystal Meth zu. Er wurde wegen illegalen Konsums eines Rauschgifts der Kategorie 1 sowie wegen derselben Nötigungsvorwürfe wie Mr. Ham angeklagt und zur Polizeistation Nong Prue in Chonburi gebracht.

Der dritte Chinese im Haus wurde befragt, gegen ihn ergab sich zunächst kein belastbares Material. Weitere Ermittlungen sollen klären, ob eine Beteiligung am Netzwerk vorliegt.

Fokus auf Opfer im Ausland und laufende Verfahren

Bei der Durchsuchung in Pattaya stellten die Behörden keine Hinweise auf thailändische Opfer fest. Die bislang bekannten Betroffenen wurden im Ausland rekrutiert.

Die Online Fraud Centre und das Central Investigation Bureau verknüpften durch digitale Auswertungen und logistische Analysen Verdachtsmomente und führten zu den Festnahmen. In enger Abstimmung mit südkoreanischen Stellen werden Informationen zu Rekrutierungsmethoden, Zwangsmechanismen und Finanzströmen ausgetauscht.

Die Strafverfahren gegen die Verdächtigen laufen in Thailand und Südkorea parallel weiter. Die Behörden rechnen mit einer zügigen Auslieferung, damit die Familie des getöteten Studenten eine gerichtliche Aufarbeitung des Falls erhält.

Phänomen der Scam Compounds in Südostasien

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein wachsendes Problem in Südostasien. Sogenannte Scam Compounds – abgeschottete Anlagen, in denen Menschen gegen ihren Willen festgehalten und zu Betrugstätigkeiten gezwungen werden – haben in den letzten Jahren zugenommen.

Besonders betroffen sind Kambodscha, Myanmar und Laos, wo schwache Rechtsstaatlichkeit und Korruption die Arbeit organisierter Krimineller erleichtern. Die Opfer stammen häufig aus China, Südkorea, Taiwan, Vietnam und anderen asiatischen Ländern.

Internationale Organisationen schätzen, dass Zehntausende Menschen in solchen Einrichtungen festgehalten werden. Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher liegen.

Rekrutierungsmethoden und Warnzeichen

Die Netzwerke nutzen ausgefeilte Rekrutierungsmethoden, um potenzielle Opfer anzulocken:

Jobangebote in sozialen Medien und auf Jobportalen mit überdurchschnittlichen Gehältern

• Positionen als „Customer Service Manager“, „Online Marketing Specialist“ oder ähnliche Titel

• Angebote für bezahlte Reisen und Unterkunft im Ausland

• Keine detaillierten Informationen über den Arbeitgeber oder die genaue Tätigkeit

Druck, schnell zu entscheiden und auszureisen

Experten raten zur Vorsicht bei Jobangeboten im Ausland, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Besonders verdächtig sind Angebote ohne klare Unternehmensangaben oder mit ungewöhnlich hohen Gehältern für einfache Tätigkeiten.

Internationale Bemühungen zur Bekämpfung

Die Festnahme in Pattaya ist Teil verstärkter internationaler Bemühungen zur Bekämpfung transnationaler Betrugsnetzwerke. Mehrere Länder haben in den letzten Monaten ihre Zusammenarbeit intensiviert:

Thailand hat spezielle Task Forces zur Bekämpfung von Menschenhandel und Cyberkriminalität eingerichtet

Südkorea arbeitet eng mit Interpol zusammen, um Verdächtige international zu verfolgen

• Die ASEAN-Staaten haben Informationsaustausch-Plattformen geschaffen

China hat verstärkte Kontrollen an Grenzen zu Risikoländern eingeführt

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Herausforderung groß. Die Netzwerke passen sich schnell an und verlagern ihre Operationen in weniger kontrollierte Gebiete.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Für Personen, die befürchten, Opfer solcher Betrugsnetzwerke geworden zu sein, oder für Angehörige vermisster Personen gibt es Anlaufstellen:

Thailändische Anti-Menschenhandel-Hotline: 1300

Südkoreanische Botschaft in Bangkok: +66 2 247 7537

Interpol-Kontaktstelle über lokale Polizeistationen

IOM (Internationale Organisation für Migration): Unterstützung für Opfer von Menschenhandel

Betroffene sollten sich auch an ihre jeweiligen Botschaften wenden, die konsularische Unterstützung leisten können.

Ein falsches Jobangebot. Ein Flug ins Ausland. Dann keine Kontrolle mehr über das eigene Leben – und am Ende ein Todesfall, der international Schlagzeilen macht.

Ist das noch organisierte Kriminalität –
oder längst moderner Menschenhandel mit digitaler Fassade?

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Wie viele solcher Einrichtungen existieren noch, während ein Drahtzieher verhaftet wird?
Und warum gelingt es diesen Netzwerken immer wieder, Ländergrenzen zu überwinden und neue Opfer zu finden?

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Quelle: Thai Examiner

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