BANGKOK – Ein beispielloser Vorgang erschüttert Thailands oberste Korruptionsbekämpfungsbehörde. Die eigenen Mitarbeiter des NACC fordern öffentlich den Rücktritt eines hochrangigen Kommissars. Ihm wird vorgeworfen, Goldbarren im Wert von 15 Millionen Baht angenommen zu haben.
Die explosive Anschuldigung: Gold im Wert von 15 Millionen Baht
Im Zentrum des Skandals steht ein namentlich nicht genannter Kommissar des National Anti-Corruption Commission (NACC). Die Polizei ermittelt, dass er im Zuge von Untersuchungen gegen den Ex-Polizeivize Surachate „Big Joke“ Hakparn eine Bestechung angenommen haben soll.
Das angebliche Schmiergeld: Goldbarren im Wert von über 15 Millionen Baht (umgerechnet etwa 375.000 Euro). Der prominente Petent Ruangkrai Leekitwattana hat bereits formell eine Untersuchung gefordert.
„Wir fordern, dass der Beschuldigte ethische Verantwortung zeigt und freiwillig zurücktritt“, heißt es in einer zweiten öffentlichen Erklärung der NACC-Mitarbeiter.
Die eigenen Mitarbeiter erheben ihre Stimme
In einer brisanten öffentlichen Stellungnahme vom Dienstag wenden sich die Beamten und Angestellten der Behörde direkt an die Öffentlichkeit. Sie betonen, es gehe ihnen nicht um eine juristische Schuldfeststellung, sondern um die höchsten ethischen Maßstäbe.
Besonders pikant: Der beschuldigte Kommissar war zuvor Richter. Die Mitarbeiter erwarten von einem solchen Amtsträger ein makelloses Vorbild. Dieser Aufruf sei jedoch ignoriert worden.
„Das darauf folgende Schweigen sollte nicht als Zustimmung interpretiert werden“, schreiben sie. „Vielmehr ist es das Ergebnis systemischer Zwänge, die die Öffentlichkeit verstehen sollte.“
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Systemische Zwänge und Macht der Kommission
Die Erklärung gewährt einen seltenen Einblick in die internen Machtverhältnisse. Die Mitarbeiter betonen, dass sie innerhalb des Beamtenstatus und unter der Autorität des NACC-Vorstands arbeiten.
Dieses Gremium hat umfassende Befugnisse über Personalentscheidungen, Beförderungen und disziplinarische Maßnahmen. Es kann auch externe Personen in Untersuchungsausschüsse berufen, die Ermittlungen lenken.
Diese Struktur mache es für einfache Mitarbeiter schwierig, intern Kritik zu äußern. Ihr öffentlicher Appell ist somit ein Akt der Verzweiflung und ein Hilferuf an die Gesellschaft.
Appell an die Öffentlichkeit und die Justiz
Die NACC-Mitarbeiter richten ihren Appell gezielt an Richter, die Justiz, Anwaltskammern, Wissenschaftler und die Medien. Sie sollen ihre Rollen nutzen, um ethische Rechenschaft einzufordern.
Nur so könne die Integrität des Justizsystems und die Aufsicht über die Staatsmacht durch den NACC aufrechterhalten werden. Es geht um die Glaubwürdigkeit einer der wichtigsten Institutionen im Kampf gegen Missstände.
Die Behörde stehe in der Pflicht, selbst über jeden Verdacht erhaben zu sein. Ein Skandal in den eigenen Reihen untergrabe ihre gesamte Mission.
Bekenntnis zur Pflichttreue trotz allem
Trotz der schweren Vorwürfe und der internen Spannungen bekennen sich die untergebenen Mitarbeiter weiter zu ihren Werten. Sie versichern der Öffentlichkeit, weiterhin mit Integrität und Würde ihrer Pflicht nachzukommen.
„Wir bleiben unserem Engagement für Ehrlichkeit, Integrität und die Rechtsstaatlichkeit verpflichtet“, heißt es in der Stellungnahme. Die Krise wird zu einem Prüfstein für die thailändische Korruptionsbekämpfung.
Die Forderung nach einem Rücktritt liegt nun auf dem Tisch. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Moral oder die Macht in der Behörde siegt.
🗣 Wenn die Hüter der Moral selbst unter Verdacht stehen
Eine Anti-Korruptionsbehörde, ein Goldbarren-Vorwurf, Schweigen auf höchster Ebene.
Und Mitarbeiter, die öffentlich erklären, sie seien gefangen in einem System, das Widerstand kaum zulässt.
Was passiert mit einem Rechtsstaat, wenn selbst seine Kontrolleure nicht mehr kontrollierbar wirken?
Reicht ein freiwilliger Rücktritt – oder braucht Thailand eine radikale Reform der Aufsicht?
Sag offen:
Vertrauenskrise – oder letzte Chance zur Selbstreinigung?



