Parteien ringen um Steuerreform

Parteien ringen um Steuerreform
The Nation
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BANGKOK, THAILAND – Steuerpolitik ist im Wahlkampf 2026 zu einem zentralen Thema geworden: Vor allem die Demokratische Partei und die People’s Party buhlten mit detaillierten Reformplänen um die Stimmen der Steuerzahler.

Demokraten wollen Mittelschicht entlasten

Der stellvertretende Parteichef und Premierministerkandidat Korn Chatikavanij bezeichnete eine Reform der persönlichen Einkommensteuer als notwendig, um die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten abzubilden. Seine Partei schlug vor, den jährlich steuerfreien Grundbetrag von bisher 150.000 auf 300.000 Baht anzuheben.

Korn sagte, es sei an der Zeit, dass der Staat die Gehälter der Mittelschicht priorisiere, da Beschäftigte mit 20.000 bis 26.000 Baht Monatslohn heute deutlich schwerer über die Runden kämen als früher. Die Einkommensteuergesetze seien seit Jahren nicht angepasst worden.

Nach seinen Berechnungen würden Beschäftigte mit einem Gehalt von bis zu 40.000 Baht im Monat auf den ersten Einkommensanteil keine Einkommensteuer zahlen und im Jahr rund 7.500 Baht mehr behalten. Davon profitierten alle Steuerzahler, weil die ersten 40.000 Baht im Monat nicht mehr in die Steuerbemessung einflössen.

Einnahmeausfall und ungleiche Lasten

Korn räumte ein, dass der Vorschlag die Staatseinnahmen um rund 30 Milliarden Baht verringern könnte. Daten zeigten aber, dass das System stark ungleich sei: Die obersten 2 Millionen der etwa 4,4 Millionen tatsächlich zahlenden Steuerpflichtigen trügen rund 90 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens.

Eine Entlastung der unteren 2 Millionen Steuerzahler würde den Staatshaushalt daher nur begrenzt treffen. Gleichzeitig will die Partei den Steuerstamm erhalten: Anstatt völlig steuerfrei zu bleiben, sollen Begünstigte einen symbolischen Beitrag – etwa 100 Baht – leisten, um im Register der Revenue Department erfasst zu bleiben.

Kritik an Unternehmenssteuersenkung

Der frühere Finanzminister verwies zudem auf die frühere Senkung der Körperschaftsteuer von 30 auf 20 Prozent unter einer Regierung der Pheu-Thai-Partei. Diese habe die Investitionen nicht wie erhofft angekurbelt, sondern vor allem Gewinne und Dividenden großer, teils ausländischer Aktionäre erhöht.

Das habe zu Kapitalabflüssen statt zu Reinvestitionen im Inland geführt. Die Demokraten wollen deshalb Entlastungen künftig auf Privathaushalte und „kleine Leute“ im Wirtschaftssystem fokussieren, nicht auf weitere Unternehmenssteuersenkungen. Einnahmeverluste sollen durch eine breitere Steuerbasis und effizientere Erhebung insbesondere bei Unternehmen kompensiert werden.

People’s Party setzt auf Anreize statt Druck

Für die People’s Party erläuterte Sirikanya Tansakul, dass ihre Partei Unternehmer mit Anreizen und geringerer Belastung in das Steuersystem holen wolle, nicht durch stärkere Kontrollen. Bei der persönlichen Einkommensteuer soll der persönliche Freibetrag (persönlicher Aufwandspauschbetrag) von 60.000 auf 100.000 Baht steigen, orientiert an durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von rund 74.000 Baht pro Jahr.

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ZUM ANGEBOT

Bei der Mehrwertsteuer (VAT) plant die Partei eine schrittweise Erhöhung des Satzes um jeweils 1 Prozentpunkt pro Jahr, wenn es die Konjunktur zulässt – ohne zwingend bis auf 10 Prozent zu gehen. Gleichzeitig fordert sie Ausgleichsmaßnahmen für Geringverdiener, um Härten zu vermeiden.

Drei-Stufen-Plan für KMU und Beleglotterie

Im Bereich der KMU-Besteuerung verknüpft die People’s Party ihre Vorschläge mit dem Konzept einer „Receipt Lottery“: Eine dreistufige Maßnahme soll insbesondere die Angst kleiner Betriebe vor dem Einstieg ins Steuersystem mindern.

Schritt 1 – Höhere VAT-Grenze: Die Umsatzschwelle für die Pflicht zur VAT-Registrierung soll von 1,8 auf 3,6 Millionen Baht im Jahr steigen und kleinen Läden mehr Spielraum sowie weniger Papieraufwand geben.

Schritt 2 – Höhere Pauschalkosten: Der pauschale Aufwandsabzug für Einzelpersonen soll von 60 auf 90 Prozent angehoben werden, was einer angenommenen Gewinnmarge von etwa 10 Prozent entspricht und die Steuerlast deutlich verringern soll.

Schritt 3 – Optionale Pauschal-VAT: Für Betriebe mit Umsatz über 3,6 Millionen Baht soll eine optionale Pauschal-VAT von 2,1 Prozent pro Quartal gelten, anstelle der aufwendigen Verbuchung sämtlicher Vorsteuerbelege.

Zusätzlich sieht der Plan Anreize und Rückerstattungen vor: KMU, die sich dem Programm anschließen, sollen einen VAT-Rückerstattungsgutschein über 50.000 Baht erhalten, der zur Steuerverrechnung oder zur Finanzierung von Effizienzmaßnahmen – etwa die Einstellung eines Buchhalters – genutzt werden kann.

Sirikanya betonte, dass in den ersten etwa drei Jahren die Steuereinnahmen zwar etwas sinken könnten, der Staat aber langfristig von einem besseren Datenbestand und wachsenden Unternehmen profitieren würde.

Breitere Basis, einfachere Regeln, mehr Fairness

Unter dem Leitmotiv „Steuerbasis verbreitern, vereinfachen, gerechter machen“ hat die People’s Party weitere Vorhaben formuliert. Demnach sollen 100 Prozent der formell Beschäftigten, einschließlich der nach Abschnitt 33 Versicherten und der Beamten, bereits im ersten Jahr eine Steuererklärung abgeben.

Geplant ist, dass künftig alle Erwachsenen nach Abzügen ab dem ersten Baht steuerpflichtigen Einkommens in das System einbezogen werden. Steuerunterlagen sollen vereinfacht und Datensysteme verknüpft werden, etwa durch die Pflicht, Arbeitsgenehmigungen für Ausländer mit einer Steueridentifikationsnummer zu koppeln.

Die Partei will zudem den persönlichen Freibetrag auf 100.000 Baht erhöhen und Spardaten von Abzugstatbeständen in ein direktes Steuerguthaben mit einheitlichem Prozentsatz umwandeln, anstatt sie vom zu versteuernden Einkommen abzuziehen. Anreize für die Abgabe von Erklärungen könnten darin bestehen, dass Steuerzahler bei bestimmten, nicht einkommensbezogenen Programmen bevorzugten Zugang oder Sonderkontingente erhalten.

Grundsteuer: Schlupflöcher schließen, Ungleichheit verringern

Auch bei der Land- und Gebäudesteuer setzt die People’s Party auf Reformen, um Schlupflöcher zu schließen und Ungleichheiten zu reduzieren. Bescheide sollen vorrangig elektronisch zugestellt werden. Steuerpflichtig soll grundsätzlich der Eigentümer sein; nur dort, wo Privateigentum nicht zulässig ist, soll der Nutzer zahlen.

Vorgesehen ist eine deutliche Senkung der Säumniszuschläge von 40 auf 10 Prozent, bei Zahlung vor Zustellung einer Mahnung sogar auf 1 Prozent. Ergänzt werden soll dies durch eine milde Steueramnestie, bei der entweder nur die Hauptschuld ohne Zuschlag oder der Zuschlag nach dem neuen, niedrigeren Satz fällig wäre.

Freigrenzen „drastisch absenken“

Die Partei will die Freigrenzen für landwirtschaftliche und Wohnnutzung drastisch von 50 Millionen auf 5 Millionen Baht absenken. Sogenannte „künstliche“ Nutzungsangaben sollen durch zusätzliche Nutzungskategorien erschwert werden, wobei Gemeinden innerhalb einer Obergrenze von 3 Prozent passende Steuersätze festlegen könnten – etwa abhängig von der Bauleitplanung oder bei schwer zugänglichen Grundstücken.

Geplant ist zudem eine konsolidierte Landbesteuerung: Privatpersonen mit mindestens 50 Rai und juristische Personen mit 1 Rai oder mehr sollen mit einem Satz von höchstens 1,5 Prozent des Landwerts besteuert werden, basierend auf Bewertungen der Revenue Department am Jahresende.

Für die Umsetzung wären nach Angaben der Partei Änderungen des Revenue Code, königlicher Verordnungen und Anpassungen am Land and Building Tax Act von 2019 erforderlich.

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Steuerfrei-Grenzen rauf, Mehrwertsteuer rauf, neue Pflichten für alle – klingt nach Entlastung und Belastung zugleich. Geht es hier wirklich um Fairness oder nur um Stimmenfang? Welche Steueridee überzeugt dich – und welche macht dir eher Sorgen? Schreib offen.

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Quelle: The Nation

3 Kommentare zu „Parteien ringen um Steuerreform

  1. Steuerbefreiung für ausländische Rentner. Reiche Thais massiv besteuern. Importsteuern auf Fahrzeuge drastisch senken, protektionistische Abschottung ausgleichen.

    1. Ich bin Single, ueber 65, zahle keine Miete, Krankenkasse vom deutschen Konto und andere Kosten. Mein Steuerfreibetrag ist 365.000 und mehr ueberweise ich nicht nach Thailand /Jahr.

  2. …der etwa 4,4 Millionen tatsächlich zahlenden Steuerpflichtigen…
    Den Satz sollte sich so mancher vielleicht einrahmen. Als Bestätigung, dass er zu einer glitzekleinen Minderheit in diesem Land gehört.

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