BANGKOK, THAILAND – Die Regierung hat in nur gut drei Monaten mehr als 220.000 mutmaßlich illegale Internetadressen sperren lassen und damit ihre Offensive gegen Online-Kriminalität deutlich verschärft.
Massive Sperrwelle seit Oktober
Nach Angaben des Ministeriums für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (MDES) wurden zwischen dem 1. Oktober 2025 und dem 11. Januar 2026 insgesamt 220.486 URLs auf sozialen Netzwerken, in Benutzerkonten und auf Websites blockiert.
Der Sprecher des Ministeriums, Wethangk Puangsap, erklärte, die Maßnahme sei Teil verschärfter Schritte gegen Online-Kriminalität und digitale Risiken für die Gesellschaft. Besonders intensiv sei im Dezember 2025 vorgegangen worden: In diesem Monat allein seien 116.397 Adressen abgeschaltet worden.
Illegales Online-Glücksspiel dominiert
Die mit Abstand größte Gruppe der gesperrten Inhalte betraf Online-Glücksspiel. Insgesamt 183.977 URLs fielen in diese Kategorie und machten damit den überwiegenden Teil der Maßnahmen aus.
Weitere gesperrte Bereiche waren:
• Elektronische Zigaretten: 14.618 URLs
• Alkoholwerbung: 10.139 URLs
• Handel mit Cannabis: 2.943 URLs
• Prostitution: 2.040 URLs
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• Schusswaffen: 1.990 URLs
• Sonstige Verstöße – darunter Betrug, Verleumdung, Hassrede und Pornografie: 4.779 URLs
Laut MDES zielten die Sperren auf Inhalte, die als Verstoß gegen geltende Gesetze und als Gefährdung für öffentliche Ordnung und Sicherheit eingestuft wurden.
Künstliche Intelligenz als zentrales Werkzeug
Eine Schlüsselrolle spielte nach Ministeriumsangaben die Plattform „WebD“, ein System, das auf künstlicher Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA) basiert. Damit würden Erkennung und Beweissicherung deutlich beschleunigt.
„Die Plattform ermöglicht papierlose Anträge bei Gerichten und automatisierte Sperrverfügungen an Internetanbieter“, so Sprecher Wethangk Puangsap. Ein dauerhaft arbeitendes System zur URL-Prüfung unterstütze die kontinuierliche Überwachung verdächtiger Inhalte.
Politische Linie: Schutz vor digitalen Gefahren
Die Offensive steht im Einklang mit der Linie von Digitalminister Chaiyachonok Chidchob, der eine härtere Gangart gegen digitale Schäden und kriminelle Nutzung von Online-Plattformen vorgibt.
Die Behörden betonten, dass die Maßnahmen fortgeführt werden sollen, um nationale Sicherheit und öffentliches Wohl vor neuen Cyberbedrohungen zu schützen. Online-Plattformen dürften nicht zum Einfallstor für Kriminalität werden, hieß es aus dem Ministerium.
Das MDES stellt klar, dass weitere Sperrungen und Kontrollen geplant sind und die technische Infrastruktur dafür bereits im Dauerbetrieb läuft.
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220.000 gesperrte Seiten in nur drei Monaten. KI durchsucht das Netz, Gerichte liefern digitale Blocklisten, Provider setzen um.
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