Pier wird zur Falle: KI erkennt gesuchte Täter

Pier wird zur Falle: KI erkennt gesuchte Täter
The Pattaya News

PATTAYA, THAILAND – In Pattaya sind vier per Haftbefehl gesuchte Verdächtige einer mutmaßlichen Online-Betrügerbande mithilfe neuer KI-Überwachungskameras festgenommen worden. Die Pattaya Tourist Police führte die Festnahmen am Laem Bali Hai Pier durch, einem wichtigen Ausgangspunkt für Boote zur Insel Koh Larn.

KI-Kamera schlägt zweimal an

Nach Polizeiangaben erkannte eine KI-gestützte Überwachungskamera am Laem Bali Hai Pier zunächst den 20-jährigen Pongskorn „Few“ Khemrak und alarmierte die Einsatzkräfte. Gegen ihn lag der Haftbefehl Nr. 2002/2568 des Strafgerichts Bangkok vom 21. März 2025 vor.

Dem Mann werden unter anderem Mitgliedschaft in einer transnationalen kriminellen Organisation, Beteiligung an schweren Straftaten, Mitgliedschaft in einer geheimen Vereinigung (angyi), Bandenraub, gemeinschaftlicher Betrug durch Vorspiegelung falscher Identitäten, das Einspeisen irreführender Computerdaten mit Gefährdung der Öffentlichkeit sowie Geldwäsche vorgeworfen. Er wurde noch vor Ort festgesetzt und zur weiteren Bearbeitung an die Polizeiwache Phaya Thai überstellt.

Gegen 15.10 Uhr erkannte dieselbe KI-Kamera einen zweiten Gesuchten: den 26-jährigen Sahawat Srimanee. Für ihn bestand Haftbefehl Nr. 1477/2568 des Strafgerichts Bangkok vom 1. März 2025 – mit inhaltlich identischen Vorwürfen im Zusammenhang mit organisiertem, grenzüberschreitendem Betrug und Cyberkriminalität.

Ausflug nach Koh Larn endet in Handschellen

Nach seiner Festnahme erklärte Sahawat laut Polizei, er sei auf dem Weg zu einem Ausflug nach Koh Larn gemeinsam mit zwei Freunden gewesen. Eine Kontrolle der Begleiter ergab, dass auch gegen sie aktive Haftbefehle vorlagen.

Bei den weiteren Festgenommenen handelt es sich um die 24-jährige Suphaphon Buychong und den gleichaltrigen Banchar Hwan Kaew. Beide sollen laut den vorliegenden Gerichtsbeschlüssen in groß angelegte Online-Betrugssysteme eingebunden gewesen sein.

Vorwürfe gegen die Mitreisenden

Gegen Suphaphon lag Haftbefehl Nr. J 639/2568 des Strafgerichts Bangkok Süd vom 25. Juni 2025 vor. Ihr wird gemeinschaftlicher Betrug durch Vorspiegelung falscher Identitäten, Täuschung und das Einspeisen falscher Computerdaten mit möglicher Schädigung von Personen oder Öffentlichkeit vorgeworfen. Sie wurde an die Polizeiwache Wat Phraya Krai übergeben.

Banchar wurde aufgrund des Haftbefehls Nr. J 6/2568 des Provinzgerichts Nakhon Si Thammarat vom 8. Januar 2025 festgenommen. Ihm werden gemeinschaftlicher Betrug durch Vorspiegelung falscher Identitäten, das Einspeisen täuschender oder verfälschter Computerdaten mit Gefährdung der Öffentlichkeit sowie das wissentlich zur Verfügung stellen von Bank- oder Onlinekonten für Technik-basierten Betrug oder andere Straftaten zur Last gelegt. Er wurde an die Polizeistation Mueang Nakhon Si Thammarat überstellt.

Weg in das Betrüger-Netzwerk

Bei den Vernehmungen schilderte einer der Festgenommenen laut Ermittlern, wie er in die Strukturen der Betrüger geriet. Die Person habe in sozialen Netzwerken einen Hilferuf veröffentlicht und jede Arbeit mit Unterkunft und flexiblem Gehalt gesucht.

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Daraufhin sei ein Angebot für eine angebliche Admin-Stelle in Kambodscha mit gestellter Unterkunft eingegangen. Aus Geldnot habe der Betroffene angenommen und sei anschließend illegal über die Grenze geschmuggelt worden.

300.000 Baht von Opfern erbeutet

Am Zielort habe sich die versprochene Stelle als Tätigkeit in einem Scam-Compound erwiesen. Dort habe die Gruppe unter falschen Identitäten gearbeitet, um vor allem thailändische Opfer zu täuschen. Die Maschen hätten unter anderem Romance Scams und Anlagebetrügereien umfasst, bei denen Täter etwa als vermeintliche Partner oder Investoren auftraten.

Der Verdächtige gab an, persönlich bis zu 300.000 Baht von Opfern erbeutet zu haben und rund 600 US-Dollar Monatsgehalt erhalten zu haben.

Rückkehr durch den Dschungel

Nachdem die Betrugsoperation laut Aussage des Verdächtigen eingestellt worden war, habe die Gruppe Geld gesammelt, um Schlepper für die Rückkehr zu bezahlen. Pro Person seien rund 10.000 Baht fällig gewesen.

Die Route habe einen etwa einen Kilometer langen Fußmarsch durch Dschungelgelände umfasst. Die Gruppe sei am 17. Januar 2026 wieder nach Thailand eingereist und anschließend nach Pattaya gereist, um vor der Festnahme einen Freizeittrip nach Koh Larn zu unternehmen.

KI-Netzwerk zeigt Wirkung

Die Ermittlungen unterstreichen nach Einschätzung der Polizei die wachsende Bedeutung KI-gestützter Überwachungssysteme im Kampf gegen Cyberbetrug und organisierte Kriminalität. Das Kameranetzwerk der Pattaya Tourist Police habe sich dabei als wirksames Instrument erwiesen, um gesuchte Personen im öffentlichen Raum zu identifizieren.

Gefahrenschwerpunkt: Transnationale Online-Betrügerbanden

Tatmittel: Falsche Profile, manipulierte Computerdaten, Romance- und Anlagebetrug

Risikogruppe: Arbeitssuchende, die über soziale Netzwerke angeworben und ins Ausland gelockt werden

Nach Angaben der Behörden sind die jetzt Festgenommenen Teil eines größeren Geflechts, das Opfer über das Internet systematisch täuscht und finanziell schädigt.

🗣 Wenn Algorithmen schneller sind als die Flucht

Sie wollten Urlaub machen. Stattdessen erkannte sie eine Kamera.
Keine Kontrolle. Kein Hinweis. Nur ein rotes Signal im System – und Minuten später klickten die Handschellen.
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Wie viel Überwachung ist Sicherheit – und ab wann wird sie etwas anderes?

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Quelle: The Pattaya News

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