BANGKOK – Ein Schock für die thailändische Wirtschaft: Der Baht hat ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht. Finanzminister Ekniti warnt vor dramatischen Folgen für Export und Tourismus. Die Zentralbank steht ratlos da und gibt zu: „Wir haben nicht genug Macht, den Kurs zu bremsen.“
Finanzminister spricht von einer „sehr großen Sorge“
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos machte Vize-Premier und Finanzminister Ekniti Nitithanprapas seinem Ärger Luft. „Thailand ist eine kleine, offene Volkswirtschaft. Wir sind ein Netto-Exportland. Die Aufwertung des Baht beeinträchtigt unsere Wirtschaft“, sagte er im Bloomberg-Interview.
Jeder Gewinn von einem Baht gegenüber dem US-Dollar kostet Thailand 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum. Bei einem erwarteten Wachstum von nur etwa 2 Prozent in diesem Jahr ist das ein herber Schlag.
Der Kurs von etwa 31 Baht pro US-Dollar gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Zentralbank-Chef gesteht eigene Machtlosigkeit ein
Noch dramatischer waren die Worte von Zentralbank-Gouverneur Vitai Ratanakorn in Bangkok. Die Interventionen der Notenbank hätten nur „minimalen Einfluss“ auf den Baht-Kurs gehabt.
„Wir haben nicht genug Macht, den Baht auf ein Niveau zu bringen, das ihn so abschwächt, wie andere es sich wünschen“, gestand er ein. Die Größe des globalen Devisenmarkts übersteigt die Möglichkeiten der thailändischen Behörden bei weitem.
Nach seinen Aussagen gab der Baht kurzfristig etwas nach – ein schwacher Trost.
Drei Gründe für die gefährliche Baht-Stärke
Laut Finanzminister Ekniti gibt es drei Haupttreiber: 1. Ein schwacher US-Dollar. 2. Thailands hoher Leistungsbilanzüberschuss. 3. Spekulative Kapitalströme.
Ein großer Störfaktor ist der Online-Handel mit goldgedeckten Baht. Spekulanten nutzen diese Instrumente, um auf eine starke Währung zu wetten. Dies befeuert den Kurs zusätzlich.
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Die Regierung arbeitet mit der Zentralbank daran, klare Aufsichtsregeln für diesen Markt zu schaffen. Am 29. Januar sollen neue Regeln vorgestellt werden.
Diese Branchen leiden jetzt besonders
Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Exporteure erhalten für ihre in Dollar fakturierten Waren weniger Baht. Ihre Margen schmelzen dahin.
Der Tourismus wird teurer. Urlaube in Thailand kosten für Besucher aus Europa und den USA spürbar mehr. Dies droht, den mühsam erarbeiteten Aufschwung zu ersticken.
Die gesamte Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Hohe US-Zölle, rekordhohe private Schulden und Verzögerungen bei Staatsausgaben belasten das Wachstum zusätzlich.
Der politische Druck vor der Wahl explodiert
Die Krise trifft Thailand kurz vor der Parlamentswahl am 8. Februar. Die großen Parteien versprechen im Wahlkampf Maßnahmen zur Belebung der schleppenden Wirtschaft.
Finanzminister Ekniti, eine Schlüsselfigur der regierenden Bhumjaithai-Partei, muss handeln. Seine Partei setzt auf populäre Konjunkturprogramme, um die Kosten der Lebenshaltung zu drücken.
Doch gegen die Macht der globalen Finanzmärkte sind auch Wahlversprechen machtlos. Die Zeit für Thailand drängt.
Hoffnungsschimmer am Horizont?
Als konkrete Gegenmaßnahme prüft die Zentralbank eine tägliche Handelslimite für den Online-Goldhandel in Baht. Ein Limit von 50 bis 100 Millionen Baht pro Person ist im Gespräch.
Zudem versucht die Regierung, ausländische Direktinvestitionen anzukurbeln, um den Kapitalzufluss zu diversifizieren. Ob das reicht, ist fraglich.
Eines ist sicher: Der Kampf um den Baht wird über die wirtschaftliche Zukunft von Millionen Thailändern entscheiden.
🗣 Wenn Stärke zur Gefahr wird
Ein starker Baht klingt nach Erfolg. Doch für Exporteure, Hoteliers und Investoren wird er zum Albtraum.
Wenn jede Aufwertung Wachstum frisst – ist das noch Markt oder schon Systemrisiko?
Wie viel Kontrolle hat Thailand überhaupt noch über seine eigene Währung?
Und was wiegt schwerer: ein „starker“ Baht – oder eine starke Wirtschaft?



Alle Fundamentaldaten sind schlecht und auch im ETF Ländervergleich weist die thailändische Wirtschaft eine desolate Performance auf. Letztes Jahr abgeschlagener letzter. Im Moment rast ganz Südamerika an Thailand vorbei. Die Aufwertung liegt also nicht an der Realwirtschaft. Das muß uns allen Sorgen bereiten, denn die Asienkrise in den 90ern hat in Thailand seinen Anfang genommen. Auf ein hochpushen folgt irgendwann der Absturz mit katastrophalen Folgen für Land und Leute. Und meistens sind es Amerikaner, jetzt durch einen rechtsradikalen Kurs ihrer Regierung, noch ermutigt.