Wiedersehen nach 53 Jahren

Wiedersehen nach 53 Jahren
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UBON RATCHATHANI, THAILAND – Drei US-Geschwister haben nach 53 Jahren ihren damaligen thailändischen Helfer wiedergefunden, der sie als Kinder während des Vietnamkriegs betreut und in einer gefährlichen Situation wohl vor Schlimmerem bewahrt hatte.

Kindheit in der Nähe des US-Stützpunkts

Die Geschwister Raoul (66), Lisaree (63) und Mark (62) Butland lebten Anfang der 1970er Jahre mit ihrem Vater, einem amerikanischen GI und TV-Nachrichtensprecher auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ubon Ratchathani, im Nordosten des Landes.

Damals lernte ihr Vater den damals als Dreirad-Fahrer arbeitenden Poon Pong-aree kennen. Poon, heute 80 Jahre alt, half der US-Familie, ein Mietshaus zu finden und organisierte einen Platz an einer Privatschule für die drei Kinder während ihres rund 13-monatigen Aufenthalts.

Muay-Thai-Unterricht und eine bedrohliche Hochzeit

Neben der praktischen Hilfe wurde Poon zu einer zentralen Bezugsperson für die Kinder. Raoul berichtete, dass Poon, der auch Muay-Thai-Boxer war, den beiden Jungen das Boxen beibrachte.

Besonders präsent blieb den Geschwistern eine Reise zu einer Hochzeit im benachbarten Laos. Mark schilderte, wie die Familie dort von vietnamesischen Soldaten eingeschüchtert wurde. Poon und seine Frau griffen ein, brachten die Familie in Sicherheit und versteckten sie über Nacht in einem Tempel, bevor sie am nächsten Tag nach Ubon Ratchathani zurückkehrten.

Kontaktabbruch nach der Rückkehr in die USA

1972 kehrte die Familie in die Vereinigten Staaten zurück. Der Kontakt zu Poon brach ab und ließ sich in den folgenden Jahrzehnten nicht wiederherstellen.

Trotzdem, so Mark, hätten sie Poon und seine Familie nie vergessen. Auch nach dem Tod der Eltern blieben die Geschwister seiner Hilfsbereitschaft und Freundschaft tief verbunden.

Rückkehr nach Ubon und Suche nach Poon

Nach mehr als fünf Jahrzehnten ohne Nachricht fassten die Geschwister im vergangenen Jahr den Entschluss, nach Ubon Ratchathani zurückzukehren und Poon zu suchen – ohne zu wissen, ob er noch lebte oder wo er wohnte.

Ein lokaler Reporter wurde auf ihre Geschichte aufmerksam und organisierte Freiwillige sowie einen Dolmetscher, um bei der Suche zu helfen.

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Durchbruch dank Bürgermeister und Telefonat im Krankenhaus

Rund drei Tage später kam die entscheidende Nachricht: Pittaya Chaisongkram, Bürgermeisterin des Bezirks Muang, informierte die Geschwister, dass Poon noch lebe und im Bezirk Kanthararom in der Provinz Si Sa Ket wohne.

Zu diesem Zeitpunkt lag Mark wegen eines gebrochenen Fußes im Krankenhaus. Die Bürgermeisterin reichte ihm ihr Mobiltelefon – am anderen Ende der Leitung war Poon. „Es war der Moment, auf den wir gewartet hatten“, wurde Mark zitiert.

Wiedersehen, Rituale und medizinische Vorsorge

Kurz darauf besuchten die Geschwister gemeinsam mit lokalen Medien Poon in seinem Haus. Beide Seiten begrüßten sich mit innigen Umarmungen, das Wiedersehen war sichtbar emotional. Zu Ehren der Rückkehrer wurde ein traditionelles Willkommensritual aus Isan abgehalten: Den drei Amerikanern wurden zur Begrüßung Fäden um die Handgelenke gebunden – ein regionaler Brauch, der Schutz und Verbundenheit symbolisiert.

Im Anschluss brachten die Geschwister Poon zu einem Bezirkskrankenhaus, damit er sich medizinisch durchchecken lassen konnte. Mark erklärte gegenüber Medien, sie bedauerten sehr, dass sie so lange gebraucht hätten, um zurückzukehren und Poon persönlich zu danken, den sie als Bruder ihres verstorbenen Vaters betrachteten.

Poon sagte, er sei sehr glücklich und stolz, dass die drei Amerikaner ihn nach all den Jahren nicht vergessen hätten.

❤️ 53 Jahre später – was bedeutet Dankbarkeit wirklich?

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Vietnamkrieg kehren drei Amerikaner nach Thailand zurück, um den Mann zu finden, der ihre Familie beschützte. Ohne Adresse, ohne Gewissheit – nur mit Erinnerung.
Ist das nicht ein Beweis, dass Menschlichkeit Grenzen und Zeit überwindet?
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Quelle: ThaiPBS

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