Wenn der Gedanke an morgen zur drängenden Frage wird
Viele Männer, die in Thailand mit einer jüngeren Partnerin leben, kennen diesen Moment: Man sitzt auf der Terrasse, der Blick geht über die Reisfelder, und plötzlich taucht die Frage auf, was eigentlich passiert, wenn man selbst nicht mehr da ist. Es ist kein angenehmer Gedanke, aber ein wichtiger. Denn die Statistik spricht eine klare Sprache: Bei einem Altersunterschied von 15 oder 20 Jahren wird der ältere Partner mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst sterben.
Was dann? Die Partnerin steht möglicherweise ohne ausreichende finanzielle Absicherung da, obwohl jahrelang gemeinsam ein Leben aufgebaut wurde. Viele Männer möchten genau das verhindern. Sie wollen vorsorgen, Strukturen schaffen, die ihre Partnerin schützen. Doch wie macht man das in Thailand richtig?
Warum einfache Lösungen in Thailand oft nicht funktionieren
In Deutschland oder Österreich wäre die Sache relativ klar geregelt: Testament aufsetzen, Konto benennen, fertig. In Thailand ist das anders. Das thailändische Rechtssystem kennt viele Instrumente aus westlichen Ländern nicht oder handhabt sie völlig anders. Ein Beispiel: In den USA gibt es sogenannte Payable-on-Death-Konten, bei denen das Guthaben nach dem Tod automatisch an eine benannte Person übergeht.
In Thailand existieren solche Konten nicht. Wenn der Kontoinhaber stirbt, wird das Konto eingefroren, bis ein Nachlassverfahren durchlaufen ist. Das kann Monate dauern. In dieser Zeit hat die Partnerin keinen Zugriff auf das Geld, selbst wenn dringend Rechnungen bezahlt werden müssen.
Das Märchen vom privaten Trust in Thailand
Im Internet kursiert häufig die Empfehlung, einen Trust einzurichten, um die Partnerin abzusichern. Das klingt professionell und nach guter Planung. Doch hier ist Vorsicht geboten: Thailand erkennt private Trusts für Privatpersonen rechtlich gar nicht an. Das einzige Trust-Gesetz in Thailand gilt ausschließlich für Kapitalmarkt-Transaktionen wie REITs.
Für normale Privatpersonen sind Trusts schlicht nicht verfügbar, egal wie viel Geld man hat. Wer also von einem Anbieter hört, der private Trusts für Expats anbietet, sollte genau nachfragen, was rechtlich dahinter steht. Oft handelt es sich um komplizierte Konstruktionen über ausländische Jurisdiktionen, die im Ernstfall in Thailand möglicherweise nicht anerkannt werden.
Was thailändisches Erbrecht wirklich bedeutet
Das thailändische Erbrecht folgt eigenen Regeln, die sich deutlich von europäischen Systemen unterscheiden. Wenn jemand ohne Testament stirbt, greift die gesetzliche Erbfolge. Diese bevorzugt zunächst den überlebenden Ehepartner und die Kinder. Doch auch Eltern und Geschwister des Verstorbenen können unter bestimmten Umständen erbberechtigt sein.
Für unverheiratete Paare wird die Situation kritisch: Eine Partnerin, mit der man nicht standesamtlich verheiratet ist, hat ohne Testament keinerlei gesetzlichen Anspruch auf das Erbe. Selbst wenn man 20 Jahre zusammengelebt hat, geht sie im Zweifelsfall leer aus. Das Testament ist hier nicht nur sinnvoll, sondern absolut notwendig.
Warum ein thailändisches Testament unerlässlich ist
Ein Testament nach thailändischem Recht ist das Fundament jeder Absicherung. Es sollte zweisprachig aufgesetzt werden, damit sowohl thailändische Behörden als auch eventuelle deutsche Erben es verstehen. Wichtig ist, dass das Testament die formalen Anforderungen erfüllt: schriftlich, vom Erblasser unterschrieben, mit mindestens zwei Zeugen.
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Idealerweise wird das Testament bei einer thailändischen Anwaltskanzlei hinterlegt. Das beschleunigt später das Nachlassverfahren erheblich. Denn in Thailand muss ein Nachlassverwalter vom Gericht bestellt werden, der dann die Verteilung des Vermögens überwacht. Mit einem klaren Testament geht dieser Prozess deutlich schneller.
Die Tücken von Gemeinschaftskonten nach dem Tod
Viele Paare führen ein gemeinsames Konto, bei dem beide Partner einzeln verfügungsberechtigt sind. Das ist praktisch für den Alltag und schafft Transparenz. Doch was passiert nach dem Tod? Hier wird es kompliziert: Die Recherche zeigt, dass sich die Praktiken thailändischer Banken nicht klar von öffentlich zugänglichen Quellen ableiten lassen.
Was aus europäischen Banken bekannt ist: Ein Oder-Konto, bei dem jeder Partner allein verfügen kann, bietet theoretisch Zugriff auch nach dem Tod des Partners. Allerdings haben Banken das Recht, das Konto zu sperren, sobald sie vom Tod eines Kontoinhabers erfahren. Sie wollen damit die Interessen aller möglichen Erben schützen. Ob thailändische Banken genauso verfahren, sollte im Einzelfall direkt mit der Bank geklärt werden.
Gold als kulturell akzeptierte Vermögenssicherung
In der thailändischen Kultur hat Gold einen besonderen Stellenwert. Es gilt als wertstabil und kann jederzeit in jedem Goldgeschäft in Bargeld umgetauscht werden. Viele Expats kaufen daher Goldbarren oder Schmuck, um ihrer Partnerin eine schnell verfügbare Reserve zu schaffen.
Der Vorteil: Gold unterliegt nicht den bürokratischen Hürden eines Bankkontos. Der Nachteil: Die Aufbewahrung im Haus birgt Sicherheitsrisiken. Ein Bankschließfach ist sicherer, aber auch hier stellt sich die Frage, wer nach dem Tod Zugriff hat. Wenn das Schließfach nur auf den Namen des Verstorbenen läuft, bleibt es bis zur Nachlassklärung verschlossen.
Das Nießbrauchrecht als elegante Lösung für Immobilien
Da Ausländer in Thailand kein Land besitzen dürfen, laufen Grundstücke häufig auf den Namen der thailändischen Partnerin. Das ist einerseits eine Form der Absicherung für sie, nimmt dem ausländischen Partner aber die Kontrolle. Eine bewährte Lösung ist das Nießbrauchrecht, auf Thai Usufruct genannt.
Dieses Recht wird im Grundbuch eingetragen und gibt dem ausländischen Partner ein lebenslanges Wohnrecht. Er kann die Immobilie nutzen, bewohnen und sogar vermieten. Das Besondere: Das Nießbrauchrecht erlischt automatisch mit dem Tod des Berechtigten. Die Partnerin wird dann voller Eigentümer ohne weitere Formalitäten. Es ist eine saubere, rechtssichere Lösung, die beiden Seiten Sicherheit gibt.
Wie Lebensversicherungen direkt zur Partnerin gelangen
Eine Lebensversicherung mit der thailändischen Partnerin als Begünstigte ist ein weiteres wirksames Instrument. Der große Vorteil: Die Versicherungssumme wird im Todesfall direkt an die Begünstigte ausgezahlt und fällt in der Regel nicht in den allgemeinen Nachlass. Das Geld ist also sofort verfügbar.
Allerdings gibt es Einschränkungen: Viele Versicherungen in Thailand haben Altersgrenzen für den Abschluss oder schließen bestimmte Vorerkrankungen aus. Wer im fortgeschrittenen Alter eine Police abschließen möchte, muss mit höheren Prämien rechnen. Dennoch kann selbst eine moderate Versicherungssumme helfen, die ersten Monate nach dem Todesfall finanziell zu überbrücken.
Warum große Einmalzahlungen problematisch sein können
Ein häufiges Szenario: Der ausländische Partner stirbt und hinterlässt seiner Partnerin zwei Millionen Baht auf einen Schlag. Das sind umgerechnet etwa 54.000 Euro, eine beträchtliche Summe für thailändische Verhältnisse. Was dann passiert, ist oft vorhersehbar: Die Familie erfährt davon, Verwandte kommen mit Geldbitten, Geschäftsideen werden vorgeschlagen.
Der soziale Druck in Thailand, Geld mit der Familie zu teilen, ist enorm. Das ist nicht böse gemeint, sondern kulturell tief verwurzelt. In Thailand gibt es kein umfassendes staatliches Sozialnetz. Die Familie übernimmt diese Funktion. Wer hat, der gibt. Für die finanzielle Absicherung bedeutet das: Eine große Einmalzahlung kann schnell aufgebraucht sein, wenn kein Schutzmechanismus existiert.
Lösungen für gestaffelte Auszahlungen
Ideal wäre eine Lösung, bei der die Partnerin monatliche Raten erhält, ähnlich einer Rente. Das schützt vor überstürzten Ausgaben und bietet langfristige Sicherheit. In Thailand gibt es dafür allerdings keine einfachen rechtlichen Instrumente. Private Trusts scheiden aus, wie bereits erklärt.
Manche Versicherungen bieten Produkte an, die nach dem Tod des Versicherten in Raten auszahlen. Auch bestimmte Banksparpläne können so strukturiert werden. Diese Optionen müssen jedoch bereits zu Lebzeiten sehr genau eingerichtet werden. Es lohnt sich, mit spezialisierten Beratern zu sprechen und verschiedene Produkte zu vergleichen.
Finanzielle Bildung als nachhaltigster Schutz
Alle rechtlichen Konstruktionen helfen nur bedingt, wenn die Partnerin nicht versteht, wie man mit Geld langfristig umgeht. Deshalb ist finanzielle Bildung vielleicht der wichtigste Baustein überhaupt. Statt die Partnerin aus allen Geldangelegenheiten herauszuhalten, sollte man sie schrittweise einbinden.
Das kann bedeuten, gemeinsam ein Haushaltsbudget zu verwalten, kleine Investitionen zu besprechen oder zu erklären, warum Kapitalerhalt wichtig ist. Eine Partnerin, die versteht, wie Zinsen funktionieren und warum man nicht alles auf einmal ausgeben sollte, ist im Ernstfall besser geschützt als eine, die plötzlich mit einer großen Summe konfrontiert wird.
Vermögen intelligent auf verschiedene Formen verteilen
Eine alte Börsenregel lautet: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Das gilt auch für die Absicherung der Partnerin. Eine kluge Strategie kombiniert verschiedene Vermögensformen: Ein Teil in Gold für Notfälle, ein Teil auf einem Bankkonto für laufende Ausgaben, vielleicht ein kleines Grundstück als langfristige Sicherheit.
Diese Diversifizierung schützt vor mehreren Risiken gleichzeitig. Wenn ein Vermögenswert blockiert wird, sind die anderen noch verfügbar. Und wenn nicht das gesamte Vermögen als großer Geldbetrag sichtbar ist, sinkt auch der Druck aus dem sozialen Umfeld. Es ist schwerer, Ansprüche zu stellen, wenn unklar ist, wie viel tatsächlich vorhanden ist.
Steuerliche Fallstricke bei Vermögensübertragungen
Seit Thailand die Regeln für die Besteuerung von ausländischem Einkommen verschärft hat, ist Vorsicht geboten. Wer große Summen aus dem Ausland auf ein thailändisches Konto überweist, könnte Probleme bekommen. Das Finanzamt könnte die Überweisung als steuerpflichtiges Einkommen werten.
Deshalb ist es wichtig, Belege über die Herkunft des Geldes aufzubewahren. Wenn nachgewiesen werden kann, dass es sich um bereits versteuertes Vermögen handelt, lassen sich Probleme vermeiden. Eine Beratung durch einen lokalen Steuerexperten kann vor bösen Überraschungen schützen und sicherstellen, dass das Geld auch wirklich bei der Partnerin ankommt.
Die Rolle des Testamentsvollstreckers richtig besetzen
Im thailändischen Testament wird ein Testamentsvollstrecker, der Executor, benannt. Diese Person ist dafür verantwortlich, den letzten Willen umzusetzen und das Vermögen korrekt zu verteilen. Oft wird die Partnerin selbst als Vollstreckerin eingesetzt. Das kann jedoch überfordernd sein, besonders wenn sie keine Erfahrung mit Behörden hat.
Eine Alternative ist, einen Anwalt oder einen vertrauenswürdigen Freund als Co-Vollstrecker einzusetzen. Das Vier-Augen-Prinzip schützt und entlastet die Partnerin in der emotional schwierigen Phase. Ein guter Vollstrecker sorgt dafür, dass alles korrekt und zügig abläuft, ohne dass externe Interessen den Prozess behindern.
Offene Kommunikation über das Tabu Tod
Alle Vorkehrungen nützen nichts, wenn die Partnerin nichts davon weiß. In Thailand ist der Tod ein Tabuthema, über das man nicht gerne spricht. Doch genau diese Offenheit ist entscheidend. Die Partnerin muss wissen, wo das Testament liegt, welche Konten existieren und wen sie im Notfall kontaktieren soll.
Ein Notfall-Ordner mit allen wichtigen Dokumenten, Passwörtern und Kontaktdaten ist ein einfaches, aber extrem wirksames Hilfsmittel. Dieser Ordner sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, den die Partnerin kennt. Transparenz zu Lebzeiten verhindert Chaos nach dem Tod und gibt der Partnerin das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.
Zwischen Kontrolle und Vertrauen die Balance finden
Am Ende basiert jede Partnerschaft auf Vertrauen, das auch über den Tod hinausreichen muss. Der Versuch, aus dem Jenseits jeden Cent zu kontrollieren, ist illusorisch und kann als Misstrauen wirken. Es gilt, eine Balance zu finden zwischen notwendiger Absicherung und dem Zutrauen in die Fähigkeiten der Partnerin.
Viele Männer unterschätzen die Stärke und Intelligenz ihrer thailändischen Partnerinnen. Wenn es hart auf hart kommt, wachsen viele Frauen an ihren Aufgaben. Die Vorbereitung sollte daher eher eine Starthilfe sein als eine lebenslange Bevormundung. Vertrauen ist letztlich das wertvollste Geschenk, das man hinterlassen kann.
Praktische Szenarien gemeinsam durchspielen
Es kann sehr hilfreich sein, mit der Partnerin verschiedene Szenarien durchzuspielen. Was passiert, wenn ich morgen nicht mehr aufwache? Wen rufst du an? Wo liegt das Testament? Woher kommt das Geld für die Beerdigung? Diese Übungen klingen morbide, sind aber wichtig.
Oft stellt sich dabei heraus, dass die Partnerin ganz andere Sorgen hat als vermutet. Vielleicht ist ihr die langfristige Geldanlage weniger wichtig als die Sicherheit, das Haus behalten zu können. Solche Gespräche helfen, die Vorsorgestrategie an den tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten, statt an abstrakten Finanzmodellen.
Warum professionelle Beratung sich lohnt
Die thailändische Bürokratie ist komplex und für Ausländer oft schwer zu durchschauen. Bei der Erstellung von Testamenten und Verträgen sollte man nicht am falschen Ende sparen. Ein spezialisierter Anwalt kennt die Fallstricke und kann Fehler vermeiden, die ein Testament ungültig machen würden.
Die Kosten für eine professionelle Beratung stehen in keinem Verhältnis zu dem potenziellen Verlust durch ein ungültiges Dokument. Dabei sollte man Anwälte wählen, die Erfahrung mit bikulturellen Paaren haben und idealerweise beide Sprachen sprechen. Das stellt sicher, dass auch die Partnerin versteht, was unterschrieben wird.
Regelmäßige Überprüfung der getroffenen Regelungen
Eine einmal getroffene Vorsorgeentscheidung sollte nicht in Stein gemeißelt sein. Gesetze ändern sich, Wechselkurse schwanken, und auch die persönliche Situation entwickelt sich weiter. Es ist ratsam, die getroffenen Regelungen alle paar Jahre zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.
Vielleicht ist die Partnerin in fünf Jahren geschäftstüchtiger und benötigt weniger Schutzmechanismen. Oder die gesundheitliche Situation erfordert eine andere Planung. Flexibilität im Kopf und in den Dokumenten sorgt dafür, dass die Vorsorge auch dann noch passt, wenn sich die Lebensumstände ändern.
Kein Patentrezept, aber durchdachte Bausteine
Es gibt keine perfekte Universallösung für die finanzielle Absicherung einer thailändischen Partnerin. Jede Situation ist anders, jede Beziehung einzigartig. Doch die Kombination aus einem soliden Testament, diversifizierten Vermögenswerten, offener Kommunikation und respektvoller Einbindung der Partnerin bildet ein stabiles Fundament.
Der Weg dorthin erfordert Geduld und die Bereitschaft, sich mit unangenehmen Themen auseinanderzusetzen. Doch der Lohn ist die beruhigende Gewissheit, alles Menschenmögliche getan zu haben, um den geliebten Menschen zu schützen. Es ist vielleicht der wichtigste Liebesbeweis, den man erbringen kann.
Anmerkung der Redaktion:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine juristische oder steuerliche Beratung. Die Rechtslage in Thailand kann sich ändern, und individuelle Fallkonstellationen erfordern maßgeschneiderte Lösungen durch qualifizierte Fachanwälte vor Ort. Alle Angaben zu Währungen und Rechtsvorschriften beziehen sich auf den Stand Januar 2026.


