BANGKOK – Der Skandal um die thailändische Sozialversicherung (SSO) weitet sich aus. Premierminister Anutin Charnvirakul hat die Verantwortlichen einbestellt und eine radikale Reform angekündigt. Jetzt reagiert auch der Sozialversicherungs-Ausschuss mit einem Notfall-Plan.
Anutins Wut-Rede: „Das reicht nicht!“
Der Premierminister zeigte sich am Dienstag (27. Januar) deutlich verärgert. Er hatte Arbeitsministerin Treenuch Thienthong und die SSO-Spitze ins Büro zitiert.
„Ich hatte zuvor keinen Bericht erhalten, der auf ernste Probleme hinwies“, sagte Anutin. Die Beamten hätten beteuert, die Medienberichte entsprächen nicht den Fakten.
Doch damit gab sich der Regierungschef nicht zufrieden: „Interne Erklärungen reichen nicht aus.“ Die Behörden müssten sich öffentlich rechtfertigen und den Medien alle Fragen beantworten.
Der Masterplan: SSO soll wie Pensionsfonds werden
Anutin legte einen radikalen Lösungsvorschlag auf den Tisch. Das Kernproblem sei, dass die SSO als staatliche Behörde wahrgenommen werde.
In Wirklichkeit unterstehe sie dem dreigliedrigen Sozialversicherungs-Ausschuss (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Staat). „Sie unterliegt keiner politischen Steuerung.“
Seine Zukunftsvision: Die SSO soll unabhängig werden – wie der Government Pension Fund (GPF). Der Generalsekretär solle künftig öffentlich ausgeschrieben werden, nicht durch Beamten-Rotation besetzt werden.
Notfall-Taskforce innerhalb einer Woche
Unterdessen schreitet der Sozialversicherungs-Ausschuss zur Tat. Unter Vorsitz von Arbeits-Staatssekretär Pol. Lt. Col. Wannapong Kotcharak wird noch diese Woche eine Reform-Taskforce gegründet.
Ihr gehören je vier Vertreter von Versicherten und Arbeitgebern an, sowie Experten aus Finanzministerium und Staatsrat. Sie darf externe Fachleute, etwa von der Bank of Thailand, hinzuziehen.
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Ihr Auftrag: Innerhalb von 60 Tagen ein Modernisierungs-Konzept vorlegen. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft des 2,82 Billionen Baht (ca. 70,5 Mrd. Euro) schweren Fonds.
Investment-Strategie wird auf Risiko getrimmt
Parallel wird die Anlagestrategie des Riesen-Fonds revolutioniert. Die neue „Strategic Asset Allocation Phase 2“ sieht eine 50:50-Aufteilung zwischen risikoärmeren und risikoreicheren Anlagen vor.
Bisher durften nur maximal 40 % in riskantere Assets fließen. „Dieses Verhältnis stellt eine maximale Obergrenze dar“, betonte Arbeitnehmervertreter Assoc. Prof. Sustarum Thammaboosadee.
Das Ziel: Eine langfristige Rendite von 5-6% zu erzielen und die Lebensdauer des Fonds um etwa zwei Jahre zu verlängern.
Transparenz und Unabhängigkeit als oberstes Ziel
Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf. Anutin deutete an, dass eine komplette Herauslösung der SSO aus dem Beamtensystem sein langfristiges Ziel sei.
„Es ist verfrüht, jetzt Maßnahmen zu ergreifen“, schränkte er ein, da das Parlament aufgelöst sei. Doch die Richtung ist klar.
Die geplante Reform soll Governance, Transparenz und Rechenschaftspflicht nach internationalen Pensionsfonds-Standards stärken. Ein System, das seit Jahren in der Kritik steht, soll endlich fit für die Zukunft gemacht werden.
Was die Reform für Millionen Versicherte bedeutet
Für die über 11 Millionen versicherten Arbeitnehmer in Thailand geht es um ihre Altersvorsorge und Krankengelder. Der Fonds ist ihr finanzielles Sicherheitsnetz.
Die geplanten Änderungen zielen darauf ab, dieses Netz zu verstärken und Missbrauch zu verhindern. Die geplante höhere Risikostreuung soll die Erträge langfristig sichern.
Die kommenden 60 Tage der Taskforce werden entscheidend sein, ob aus Anutins Reform-Rede konkrete, vertrauensbildende Maßnahmen werden.
💰 Milliardenfonds unter Beschuss – ist die SSO noch vertrauenswürdig?
Nach wachsender öffentlicher Kritik greift der Premier ein, eine Reform-Taskforce wird eingesetzt, die Anlagestrategie wird geändert. Es geht um Macht, Transparenz – und 2,8 Billionen Baht.
Braucht Thailand einen radikalen Neustart der Sozialversicherung oder nur bessere Kontrolle?
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