BANGKOK – Ein spektakulärer Prozess findet sein endgültiges Ende: Thailands Oberstes Gericht hat die bis zu 50-jährigen Haftstrafen für die Betreiber des berüchtigten „Victoria’s Secret“-Massageparlours bestätigt. Das Urteil im Fall von Menschenhandel und schwerer Ausbeutung ist rechtskräftig.
Skandal um illegales Etablissement erschüttert Thailand
Der Fall hatte Thailand ab 2018 in Atem gehalten. Im Dezember 2017 und Januar 2018 soll in dem illegalen Etablissement in Bangkok ein kriminelles Netzwerk aktiv gewesen sein.
Minderjährige Mädchen aus Thailand und Myanmar, über 15 aber unter 18 Jahre alt, wurden laut Anklage zur sexuellen Ausbeutung gezwungen. Drei der betroffenen Mädchen traten als Nebenklägerinnen auf.
Die Angeklagten und ihre Rolle im Netzwerk
Angeklagt waren die Managerin Sratthatham Jaengchai, auch bekannt als „Pa Tik“, sowie mehrere Komplizen und die betreibende Firma. Alle bestritten die Vorwürfe bis zuletzt.
Die Staatsanwaltschaft konnte jedoch ein umfassendes Beweismaterial vorlegen, das die organisierte Struktur des kriminellen Netzwerks dokumentierte.
Erste Instanz verhängt milde Strafen
Das Landgericht verhängte zunächst Haftstrafen von 15 Jahren. Die Anklage wegen Menschenhandels wies es jedoch ab, was die Staatsanwaltschaft zum Einspruch veranlasste.
Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass die Beweise eindeutig auf Menschenhandel hinwiesen und die Strafen der Schwere der Taten nicht gerecht würden.
Berufungsgericht verschärft die Urteile drastisch
Das Berufungsgericht verschärfte die Strafen dann drastisch auf bis zu 68 Jahre. Nach thailändischem Recht wird die Höchststrafe jedoch auf 50 Jahre begrenzt.
Zusätzlich wurden Geldstrafen in Höhe von fast vier Millionen Baht, umgerechnet etwa 100.000 Euro, gegen die beteiligten Firmen verhängt.
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Höchstes Gericht weist alle Einwände zurück
Am 29. Januar 2025 bestätigte der Oberste Gerichtshof nun das verschärfte Berufungsurteil. Die Richter wiesen die Verteidigungsbehauptung, die Opfer hätten freiwillig gehandelt, entschieden zurück.
Das Gericht akzeptierte Beweise, dass die Mädchen sich für einen Job beworben hatten, ohne die tatsächliche Absicht des Arbeitgebers zu kennen. Sie wurden unter Druck gesetzt und bedroht, so die Urteilsbegründung.
Beweismittel der Undercover-Razzia
Als Beweise wurden unter anderem bei einer Undercover-Razzia beschlagnahmte Gegenstände angeführt, die den illegalen Charakter des Betriebs belegten.
Die Ermittler hatten über Wochen verdeckt recherchiert und umfangreiches Beweismaterial zusammengetragen, das die Vorwürfe der Anklage stützte.
Höhere Entschädigung für die Opfer
In einem wichtigen Punkt verschaffte das Höchstgericht den Opfern zusätzliche Gerechtigkeit: Es erhöhte den Zinssatz für die ihnen zugesprochenen Entschädigungszahlungen.
Statt 7 Prozent müssen die Verurteilten nun 7,5 Prozent Zinsen pro Jahr ab dem Klagezeitpunkt zahlen. Dies orientiert sich an einer aktualisierten Verordnung des Finanzministeriums.
Finanzielle Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht
Für die geschädigten Frauen bedeutet dies eine deutlich höhere finanzielle Entschädigung für das erlittene Unrecht.
Die erhöhten Zinsen summieren sich über die Jahre zu beträchtlichen Summen, die den Opfern bei ihrem Neuanfang helfen sollen.
Vorführung der Verurteilten zur Urteilsverkündung
Fünf der Verurteilten wurden aus dem Gefängnis zur Urteilsverkündung vorgeführt. Ein mutmaßlicher Mittäter, Kamphon Wirathepsuporn, befindet sich weiterhin auf der Flucht.
Die Behörden haben eine internationale Fahndung nach dem flüchtigen Verdächtigen ausgeschrieben und arbeiten mit Interpol zusammen.
Ein jahrelanger Rechtskampf ist beendet
Dieses Urteil setzt einen wichtigen Schlusspunkt unter einen der aufsehenerregendsten Menschenhandelsfälle Thailands, kommentierte ein Prozessbeobachter.
Die thailändische Justiz demonstriert mit dieser Entscheidung ihre Entschlossenheit im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Ausbeutung.
Bedeutung des Urteils für den Opferschutz
Das rechtskräftige Urteil hat weitreichende Bedeutung für den Opferschutz in Thailand. Es zeigt, dass die Justiz auch komplexe Fälle von Menschenhandel konsequent verfolgt und die Rechte der Betroffenen ernst nimmt.
Organisationen zum Schutz von Menschenhandelsopfern begrüßten die Entscheidung als wichtigen Präzedenzfall. Die hohen Haftstrafen und die Entschädigungszahlungen senden ein deutliches Signal.
Stärkung der Rechte von Betroffenen
Besonders wichtig ist, dass die Aussagen der Nebenklägerinnen vom Gericht als glaubwürdig eingestuft wurden. Dies stärkt künftige Opfer in ihrem Mut, Anzeige zu erstatten.
Das Urteil macht deutlich, dass die thailändische Justiz Opfern von Menschenhandel Gehör schenkt und ihre Rechte schützt.
Ein Signal an kriminelle Netzwerke
Das endgültige Urteil sendet eine klare Botschaft an kriminelle Betreiber illegaler Etablissements und Menschenhändler: Thailand geht mit aller Härte des Gesetzes gegen sie vor.
Auch wenn sich Prozesse über Jahre hinziehen können, bleibt das Justizsystem am Ende konsequent. Die maximal mögliche Strafe von 50 Jahren Haft ist eine lebenslange Warnung.
Genugtuung für die Opfer nach langer Wartezeit
Für die Opfer bedeutet die Rechtskraft des Urteils zumindest ein Stück weit Genugtuung und die Gewissheit, dass ihre Peiniger für lange Zeit hinter Gittern sind.
Der lange Weg durch alle Instanzen war für die Betroffenen eine zusätzliche Belastung, doch am Ende hat sich ihr Durchhaltevermögen ausgezahlt.
Gerechtigkeit nach Jahren des Wartens
Nach jahrelangen Ermittlungen und Berufungen bestätigt das Höchstgericht harte Haftstrafen und erhöht die Entschädigung für die Opfer. Der Fall gilt als einer der schwersten Menschenhandelsprozesse des Landes.
Das Urteil zeigt, dass Thailand seine Gesetze gegen Menschenhandel und Ausbeutung ernst nimmt. Gleichzeitig wirft der Fall Fragen auf, wie solche Netzwerke überhaupt über längere Zeit operieren konnten.
Forderungen nach verstärkter Prävention
Experten fordern verstärkte Präventionsmaßnahmen und bessere Kontrollen, um künftige Fälle bereits im Ansatz zu verhindern. Die Bekämpfung von Menschenhandel erfordert neben harten Strafen auch gesellschaftliche Aufklärung.
Soziale Unterstützungsstrukturen für gefährdete Personen müssen ausgebaut werden, um potenzielle Opfer besser zu schützen und ihnen alternative Perspektiven zu bieten.


