Big Joke: Vom Star zum Beschuldigten

Big Joke: Vom Star zum Beschuldigten
Bangkok Post

BANGKOK, THAILAND – Der frühere stellvertretende nationale Polizeichef Pol Gen Surachate Hakparn, bekannt als „Big Joke“, ist nach schweren Korruptions- und Glücksspielvorwürfen aus der Polizei entlassen worden und sieht sich nun gleich mehreren Strafverfahren ausgesetzt.

Der einstige Medienstar der Royal Thai Police (RTP) ist von der Hoffnung auf den Chefposten zum Beschuldigten mit Haftbefehlen geworden, dessen Fall die Autorität der Sicherheitsbehörden massiv belastet.

Aufstieg eines Polizeistars

Pol Gen Surachate, 55, galt lange als eines der bekanntesten Gesichter der Royal Thai Police und pflegte ein betont öffentliches Profil mit engem Kontakt zu hochrangigen Politikern wie Gen Prawit Wongsuwon, dem früheren stellvertretenden Premierminister.

Unterstützer beschrieben ihn als reformorientierten Beamten mit klarer Perspektive auf das Amt des nationalen Polizeichefs, während Kritiker seine schnelle Karriere als hochumstritten einstuften.

Wendepunkt Razzia und Machtkampf

Am 25. September 2023 durchsuchten Cybercrime-Ermittler sein Anwesen an der Vibhavadi Rangsit-Straße in Bangkok mit richterlichem Beschluss im Rahmen einer länger laufenden Untersuchung zu einem großen illegalen Online-Glücksspielnetzwerk und auffälligen Finanzströmen von Polizisten.

Zwar fanden die Beamten in der Wohnung selbst keine verbotenen Gegenstände, doch beschlagnahmten sie Computer und digitale Geräte enger Vertrauter, die später zum Kern der Beweislage gegen sein Umfeld wegen mutmaßlicher Online-Glücksspiel- und Geldwäscheaktivitäten wurden.

Verhaftungen im Umfeld und Verlust der Spitzenchance

Noch am Tag der Razzia erließen Gerichte Haftbefehle gegen acht hochrangige Offiziere aus seinem Kommando, die landesweit festgenommen und in Verbindung mit illegalen Glücksspiel-Webseiten und Geldwäsche gebracht wurden, während die Ermittler insgesamt über zwanzig Verdächtige im Netzwerk identifizierten.

Die Aktion traf die Polizei nur wenige Tage vor der Ernennung eines neuen nationalen Polizeichefs, schwächte Pol Gen Surachate als aussichtsreichen Kandidaten und begünstigte seinen Rivalen Pol Gen Torsak Sukvimol, dessen Ernennung Spekulationen über interne Rivalitäten befeuerte.

Gegenvorwürfe und Eingreifen der Antikorruptionsbehörde

Pol Gen Surachate bestritt die Vorwürfe und sah sich als Opfer einer Intrige, während führende Polizeivertreter auf Beweise gegen mehrere seiner Untergebenen verwiesen und Pol Gen Torsak öffentlich interne Konflikte dementierte und ein faires Verfahren zusicherte.

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Daraufhin ließ Pol Gen Surachate durch seinen Anwalt Gegenanzeigen gegen Pol Gen Torsak bei der Polizeiwache Tao Poon einreichen, in denen ihm mutmaßliche finanzielle Verbindungen zu sogenannten Mule-Konten vorgeworfen wurden, was die Gräben in der Behörde weiter vertiefte.

NACC-Ermittlungen und Disziplinarurteil

Im März 2024 übernahm die National Anti-Corruption Commission (NACC) offiziell den Fall um die Online-Plattform „Minnie“, in den Pol Gen Surachate und fünf seiner engen Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Abschnitte 157 (Amtsmissbrauch) und 149 (Bestechlichkeit) des Strafgesetzbuchs verwickelt wurden.

Während ein paralleler Fall gegen Pol Gen Torsak zügig mit Einsetzung eines Untersuchungsgremiums vorankam, gerieten die Ermittlungen gegen Surachate ins Stocken, was später mit seiner Nähe zu einem NACC-Kommissar in Verbindung gebracht wurde.

Entlassung, öffentliche Attacken und Eskalation

Am 9. März 2025 unterzeichnete der damalige nationale Polizeichef Pol Gen Kittharath Punpetch eine Entlassungsverfügung gegen Pol Gen Surachate, nachdem ein Disziplinargremium schweres Fehlverhalten im Zusammenhang mit der Glücksspielaffäre festgestellt hatte.

Im Verlauf des Jahres 2025 konterte Surachate mit einer Reihe von Klagen gegen ranghohe Polizeiführer, darunter den Polizeichef, meist wegen angeblichen Amtsmissbrauchs nach Abschnitt 157, und kritisierte öffentlich auch Premierminister Anutin Charnvirakul.

Schwere Vorwürfe und Goldbarren-Affäre

Die Spannungen erreichten einen Höhepunkt, als Pol Gen Surachate die Polizei als „kriminelle Organisation“ bezeichnete und ihr breite Beteiligung an illegalen Glücksspielgewinnen sowie Verbindungen zu chinesischem Grey Capital vorwarf, woraufhin der Polizeichef eine Anzeige zum Schutz des Ansehens der Institution stellte und Surachate später erklärte, er habe nicht alle Beamten gemeint.

Kurz vor Jahresende 2025 eröffnete die Anti-Korruptionsabteilung der Central Investigation Bureau (ACD) ein Verfahren mit dem Vorwurf, Surachate habe einem NACC-Kommissar Goldbarren im Gesamtgewicht von 246 Baht im Wert von rund 10 Millionen Baht angeboten, um die Glücksspiel-Ermittlungen zu beeinflussen.

Neue Anklagen und Rückzug aus der Öffentlichkeit

Am 5. und 6. Januar dieses Jahres erhob die Royal Thai Police Anklage gegen Pol Gen Surachate und fünf Mittäter, gestützt auf Videoaufnahmen, Tonmitschnitte und Zeugenaussagen, die die Übergabe des Goldes auf dem Parkplatz der Southern Association in Bangkok dokumentieren und laut Ermittlern den Versuch belegen sollen, sowohl strafrechtliche als auch disziplinarische Verfahren zu manipulieren.

Ein entscheidender Schlag kam aus dem eigenen Lager, als einer seiner engen Untergebenen, der bereits in der Glücksspielaffäre beschuldigt war, mit den Ermittlern kooperierte und nach Angaben der Behörden zentrale Beweise lieferte.

Gerichtsurteil, Dementis und ungewisse Zukunft

Das Oberste Verwaltungsgericht wies jüngst die Klage von Pol Gen Surachate gegen seine Entlassung zurück und bestätigte die Rechtmäßigkeit des Beschlusses, der nach Bewilligung von Haftbefehlen wegen Geldwäsche und Verschwörung durch das Strafgericht ergangen war.

Führende Polizeibeamte verweisen auf umfangreiche Beweismittel in dem mutmaßlichen Bestechungsfall, während Pol Gen Surachate, der NACC-Kommissar im Alter von 65 Jahren und vier weitere Beschuldigte alle Vorwürfe entschieden zurückweisen, sich Surachate weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, Gerüchte über eine Flucht ins Ausland kursieren und seine Anwälte betonen, er sei im Land und bereit, sich „jedem Rechtsweg zu stellen“.

⚖️ Tiefer Fall eines Machtpolizisten – Einzelfall oder Systemproblem?

Vom gefeierten Top-Ermittler zum Beschuldigten: Der Fall wirft erneut Fragen über Transparenz und Kontrolle innerhalb der Behörden auf. Wenn selbst höchste Ränge ins Visier geraten, erschüttert das das Vertrauen vieler Menschen.
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Quelle: Bangkok Post

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