Von Nairobi nach Thailand – wie eine Bäckerei den Weg bestimmte

Von Nairobi nach Thailand – wie eine Bäckerei den Weg bestimmte
AustroThaiGourmet

Von Klaus Schneider – AustroThaiGourmet

Als meine Ennsvalley Bakery in Nairobi ihr viertes Geschäftsjahr erreichte, war sie längst fest im Markt etabliert. Wir belieferten nahezu alle Geschäfte mit gut sortiertem Importangebot – denn zu Parmaschinken und Salami passt nun einmal frisches Roggenbrot besser als jede Alternative.

Zu unseren Stammkundinnen zählte auch die Ehefrau des CEO von Nairobi Airport Services (NAS). Eines Tages stand ihr Mann persönlich in meiner Bäckerei und stellte eine ungewöhnliche Frage: Ob ich mir zutrauen würde, die Qualitätsprobleme im Airline-Catering seines Unternehmens zu lösen.

Da es auf Dauer nicht möglich war, beide Tätigkeiten parallel zu führen, unterbreiteten mir die NAS-Gesellschafter ein Angebot. Kurz darauf wurde ich Managing Director und Shareholder in der NAS-Gruppe. Meine Bäckerei siedelte ich in unmittelbare Nähe des Jomo Kenyatta International Airport um. Dort produzierten wir Gebäck, Croissants und – ein Jahr später – auch Desserts für insgesamt 19 internationale Fluggesellschaften.

Neun Jahre lang funktionierte dieses Modell erfolgreich. Als jedoch unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung der Ennsvalley Bakery aufkamen, entschied ich mich, meine Anteile zu verkaufen und wieder unabhängig zu arbeiten.

Ich gründete ein neues Unternehmen, eröffnete eine Bäckerei, ein Wiener Kaffeehaus sowie einen Catering-Lieferservice. Das Konzept lief gut – doch nach drei Jahren wurde mir klar, dass das Gesamtpaket langfristig zu groß war.

Bei einem Besuch in Singapur bei meiner Tochter, die nach ihrem Business-Studium in Europa eine Position bei einer internationalen Reederei angetreten hatte, entstand eine neue Idee: ein beruflicher Neustart in Singapur – oder, falls sich das nicht realisieren ließe, in Thailand.

Schnell zeigte sich, dass ein Unternehmensstart in Singapur mit sehr hohen Kosten und Risiken verbunden gewesen wäre. Daher suchten wir gezielt nach bestehenden Betrieben in Thailand und wurden schließlich fündig: Ein deutscher Unternehmer bot eine Bäckerei in Phuket zum Verkauf an.

Auf dem Weg zu diesem Treffen legte ich einen zweitägigen Zwischenstopp in Bangkok ein. Dort traf ich einen alten Schweizer Freund aus Nairobi, der inzwischen für das Rote Kreuz tätig war und auf dem Weg nach Kabul einen Zwischenhalt einlegte. Für unser Wiedersehen wählten wir einen Klassiker: das Restaurant „Bei Otto“, das mir noch aus den 1980er-Jahren bekannt war.

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ZUM ANGEBOT

Bei Schweinshaxe, Knödeln und bayerischem Bier tauschten wir Erinnerungen an Kenia aus. Nach dem Essen kam ich mit dem damaligen Service Manager ins Gespräch, der mir von akuten Problemen in der hauseigenen Bäckerei berichtete und mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, diese zu übernehmen. Ich hinterließ meine Visitenkarte – mit dem Hinweis, dass ich zunächst eine mögliche Übernahme in Phuket prüfen müsse.

Die besichtigte Bäckerei in Phuket stellte sich schließlich als deutlich überbewertet heraus, und wir entschieden uns gegen den Kauf. Kurz darauf meldete sich Otto Duffner persönlich, und wir einigten uns auf einen Arbeitsbeginn bei „Bei Otto“ in Bangkok.

Dort blieb ich knapp ein Jahr, bevor ich als Bäcker- und Konditor-Technical Advisor zur deutschen Firma IREKS wechselte. In dieser Funktion war ich für Thailand und Kambodscha zuständig und baute unter anderem den Markt in Kambodscha auf.

Während meiner Zeit bei „Bei Otto“ lernte ich auch die neuen Eigentümer kennen – englische Unternehmer, die im internationalen Schul-Catering hervorragend positioniert waren. Nach der Gründung meiner eigenen Firma AustroThaiGourmet fragten sie mich, ob ich für ihre Schulen Bäcker ausbilden und schulinterne Bäckereien aufbauen könne.

Diese Herausforderung nahm ich gerne an. An der Harrow International School begann ich mit der Ausbildung von Bäckern, plante eine kleine Produktionsstätte und belieferte ergänzend jene Produkte, die vor Ort nicht hergestellt werden konnten.

Der Beginn einer Zusammenarbeit, die bis heute – fast zehn Jahre später – andauert.

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