Überblick: Machtkampf der drei großen Parteien

Reset-Knopf gedrückt: Thailand wählt am 8. Februar
The Pattaya News
Google Werbung

BANGKOK, THAILAND – Bei der diesjährigen Parlamentswahl konkurrieren drei große Parteien mit klar unterscheidbaren Programmen um die Führung der nächsten Regierung, während das Land weiterhin von politischen Bruchlinien und institutionellen Konflikten geprägt ist. Im Zentrum stehen wirtschaftliche Entlastung, Sozialleistungen und der Umbau von Sicherheitsstrukturen, doch die Chancen, am Ende tatsächlich eine stabile Regierung zu stellen, unterscheiden sich deutlich.

Bhumjaithai setzt auf Amtsbonus und Technokraten

Die Bhumjaithai-Partei unter Premierminister Anutin Charnvirakul ging im September als Führungspartei aus einem Koalitionswechsel hervor, nachdem sie rasch die von Pheu Thai geführte Regierung ablöste, die nach einem Gerichtsurteil gegen die damalige Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra auseinanderfiel.

Obwohl Bhumjaithai 2019 und 2023 mit 51 beziehungsweise 71 Sitzen nicht stärkste Kraft wurde, sicherte ihr dies jeweils den Zugang zur Regierungskoalition, den sie nun mit einem technokratisch verstärkten Team und zahlreichen Überläufern aus anderen Lagern ausbauen will.

Subventionen, Grenzsicherung und „10-Plus-Plan“

Kern des Programms ist eine zweite Phase des Co-Payment-Subventionsmodells, das bereits in seiner ersten Stufe die Hälfte der Kosten ausgewählter Lebensmittel und Konsumgüter für Bürger übernommen hat.

Mit einem umfassenden „10-Plus-Plan“ verspricht die Partei Wachstumsraten von über 3 Prozent, gestützt auf Hilfen für Geringverdiener, bessere Versorgung älterer Menschen, Förderung von Gemeindewirtschaft, kostenfreie Bildung mit Job-Perspektiven und verbesserten Zugang zu Kapital für kleine Unternehmen.

Infrastruktur, Sicherheit und Krisenfonds

Zusätzlich will Bhumjaithai Grenzbefestigungen errichten lassen, um Schmuggel von illegalen Waren, unerlaubte Migration und die Ausbreitung sogenannter „grauer“ Geschäfte stärker zu unterbinden.

Ein nationaler Katastrophenfonds soll künftig Co-Pay-Versicherungen für rund 29,5 Millionen Haushalte ermöglichen, während Programme für günstige Kredite für Elektromotorräder, freiwillige Soldatenstellen mit Monatsgehältern und die Schaffung von 100.000 Jobs für Gemeindekrankenschwestern die soziale und wirtschaftliche Stabilität erhöhen sollen.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Pheu Thai zwischen Populismus und Vertrauensverlust

Die Pheu-Thai-Partei, gegründet vom inhaftierten Milliardär Thaksin Shinawatra, dominierte über Jahrzehnte die Politik mit populären Sozialprogrammen und gilt weiterhin als zentrale Kraft der klassischen Oppositionsbewegung gegen das royalistisch-militärische Establishment.

Gleichzeitig leidet die Partei unter Vertrauensverlust, seit ihr Flaggschiffprojekt einer „digitalen Geldbörse“ nur teilweise umgesetzt wurde und Paetongtarn Shinawatra das Amt der Regierungschefin verlor, wobei die Wahl 2023 zudem erstmals seit 2001 ohne einen Thaksin-Block als stimmenstärkste Kraft endete.

Millionengewinne, Bauernhilfen und Wohnungsprogramme

Mit einer „Millionärs-Macher“-Kampagne, die täglich neun Preise von je 1 Million Baht an Steuerzahler, Senioren, Landwirte, Ehrenamtliche und Konsumenten auslobt, knüpft Pheu Thai unmittelbar an ihre Tradition umfassender Einkommensstützen für breite Bevölkerungsschichten an.

Die Partei verspricht Einkommenszuschüsse für Menschen mit weniger als 36.000 Baht Jahreseinkommen, Mindestgewinnmargen von 30 Prozent für Reis-, Maniok-, Kautschuk- und Maisbauern, umfangreiche Agrarsubventionen, günstige Krediterleichterungen, Startkapital und Steuerbefreiungen für junge Unternehmen, mehr Leistungen im 30-Baht-Gesundheitssystem sowie erschwinglichen Wohnraum ohne Anzahlung.

People’s Party als dritter Versuch der Reformbewegung

Die People’s Party ist der dritte politische Anlauf der progressiven Reformbewegung, nachdem ihre beiden populären Vorgängerparteien, darunter Move Forward, nach Gerichtsurteilen aufgelöst wurden, obwohl Move Forward 2023 die meisten Stimmen erhielt und dennoch wegen des vom Militär ernannten Senats keine Regierung bilden konnte.

In Umfragen liegt die People’s Party konstant vorne und wird besonders von jungen und urbanen Wählern getragen, deren Unterstützung sich aus ihrer liberalen Linie und einem weitreichenden Reformprogramm für Institutionen und Machtstrukturen speist.

Arbeitszeit, Wehrdienst und Steuerreform im Fokus

Politisch setzt die Partei auf die Abschaffung der Wehrpflicht zugunsten einer vollständig freiwilligen Armee mit Vier- bis Achtjahresverträgen, weniger Generälen und besseren Sozialleistungen für einfache Soldaten, kombiniert mit einer Reform der Polizei gegen den Handel mit Posten.

Geplant sind zudem eine national einheitliche Lohnformel, eine Begrenzung der Arbeitswoche auf 40 Stunden bei Pflicht zur Überstundenvergütung, bezahlte Menstruationsurlaube von bis zu drei Tagen pro Monat, zusätzliche Pflege- und Trauerzeiten, eine schrittweise Anhebung der Mehrwertsteuer auf 8 Prozent bis 2028 und 10 Prozent bis 2030 mit Ausgleichszahlungen für Geringverdiener sowie ein Fonds von 10 Milliarden Baht pro Jahr zum Aufkauf überschüssiger Agrarprodukte.

🗳️ Richtungswahl für Thailand – wohin steuert das Land?

Drei große Parteien kämpfen um die Macht, jede mit eigenen Versprechen für Wirtschaft, soziale Sicherheit und Reformen. Für viele Wähler geht es um weit mehr als Politik – es geht um die Zukunft des Landes.
Welche Themen sollten jetzt Priorität haben – Stabilität, Wachstum oder tiefgreifende Reformen?
Schreib deine Meinung in die Kommentare.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Bangkok Psot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert