Deutscher Bericht: Thailänder setzen auf Wirtschaft

Deutscher Bericht: Thailänder setzen auf Wirtschaft
The Nation

BANGKOK, THAILAND – Vor der Parlamentswahl richtet sich der Blick der Wähler laut einer Analyse der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit vor allem auf wirtschaftliche Stabilität und politische Berechenbarkeit. Trotz der Hoffnung auf Wandel überwiegt die Sorge, ob ein Wahlsieg tatsächlich in gesicherte Regierungsverantwortung münden kann.

Sehnsucht nach Stabilität

Am 8. Februar 2026 sollen die Bürger ein neues Repräsentantenhaus wählen, nachdem die vergangenen knapp drei Jahre von der Absetzung zweier Premierminister, dem Verbot der größten Oppositionspartei und eskalierenden Grenzspannungen mit Kambodscha geprägt gewesen sind.

Für viele Menschen steht laut der Studie mit dem Titel „Thailand: Hope for change, longing for stability“ der Wunsch nach politischer Ruhe im Mittelpunkt, weil sie sich davon dringend benötigtes Wirtschaftswachstum versprechen.

Wirtschaft vor Ideologie

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die seit Jahrzehnten mit Zivilgesellschaft und öffentlichem Sektor im Land zusammenarbeitet, verweist auf Umfragen, nach denen nur 14 Prozent der Wähler noch unentschlossen sind.

Im Gegensatz zur stark polarisierten Lage von 2023 entscheiden sich die Menschen demnach weniger entlang eines ideologischen Links-Rechts-Schemas, sondern stärker nach inhaltlichen Programmen und der Lage der Wirtschaft.

Volkspartei mit 100-Tage-Plan

In den Umfragen liegt derzeit die People’s Party vorn, die institutionelle Reformen mit einem konkreteren Konjunkturprogramm verbindet als noch vor drei Jahren.

Kernstück ist ein „100-Day Project“ im Umfang von 250 Milliarden Baht, das Investitionen ankurbeln, gezielt Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) Liquidität sichern und der Partei über eine absolute Mehrheit den Zwang zu komplizierten Koalitionen ersparen soll.

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Reformversprechen und alte Machtfaktoren

Neben wirtschaftlichen Zusagen hält die People’s Party an ihrer Linie fest, die Lèse-Majesté-Gesetze zu reformieren und den politischen Einfluss des Militärs zu begrenzen.

Obwohl der politisch für zehn Jahre gesperrte Pita Limjaroenrat im Hintergrund eine wichtige Symbolfigur bleibt, führt nun Natthaphong Ruengpanyawut offiziell die Partei, ohne bisher an Pitas Popularität heranzureichen.

Neue Spielregeln, alte Risiken

Die Stiftung betont, dass der Weg zur Regierungsbildung für die People’s Party günstiger sei als 2023, weil der vom Militär ernannte Senat den Premierminister nicht mehr mitwählen dürfe.

Gleichzeitig bleiben Verfassungsgericht, Wahlkommission (EC) und Nationale Antikorruptionskommission (NACC) als unberechenbare Faktoren, die in der Vergangenheit mehrfach zu Regierungsstürzen und Parteiverboten beigetragen haben.

Bhumjaithai setzt auf Sicherheit

Die regierende Bhumjaithai-Partei um Premierminister Anutin Charnvirakul versucht sich laut Analyse als Garant von Stabilität und Sicherheit zu profilieren, nachdem Anutin im Dezember das Parlament vorzeitig aufgelöst hatte, um einem erwarteten Misstrauensvotum zuvorzukommen.

Vor dem Hintergrund jüngster Grenzkonflikte mit Kambodscha betont Bhumjaithai weniger umfassende Reformen, sondern nationale Sicherheit und territoriale Integrität.

Comeback-Versuch der Demokraten

Die traditionsreiche Democrat Party versucht unter dem früheren Premier Abhisit Vejjajiva ein Comeback und setzt auf wirtschaftlichen Liberalismus sowie institutionelle Glaubwürdigkeit.

Sie führt einen scharfen Wahlkampf gegen Korruption und illegale Kapitalströme, bleibt zwar im Süden stark verankert, liegt landesweit aber hinter den führenden Parteien und gilt eher als potenzieller Koalitionspartner.

Schwaches Wachstum erhöht Druck

Die politische Brisanz wird durch die wirtschaftliche Lage verschärft, denn nach Daten der Weltbank lag das Wachstum im vergangenen Jahr nur bei rund 1,8 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau anderer ASEAN-Staaten, während etwa Vietnam dreimal so stark zulegte.

Obwohl das Land ein wichtiger Standort der Industrieproduktion bleibt, hat die anhaltende politische Instabilität das Vertrauen von Investoren erheblich beschädigt.

Offene Machtfrage nach der Wahl

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit formuliert als zentrale Unsicherheit die Frage, ob eine erneut siegreiche People’s Party tatsächlich die Regierung übernehmen und Reformen durchsetzen dürfte.

Angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit erneuter politischer oder juristischer Blockaden gehen viele Wähler mit gedämpften Erwartungen an die Urne, im Bewusstsein, dass ein klarer Wahlsieg nicht automatisch eine gesicherte Machtbasis bedeutet.

🗳️ Stabilität oder Wandel – was braucht Thailand jetzt?

Viele Wähler setzen ihre Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung statt auf ideologische Kämpfe. Doch politische Turbulenzen der letzten Jahre werfen eine große Frage auf: Führt diese Wahl wirklich zu mehr Stabilität?
Sollte Thailand auf Sicherheit setzen – oder endlich tiefgreifende Reformen wagen?
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Quelle: The Nation

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