Mit 1.750 € in Thailand? So leben Deutsche in Thailand

Viele Ruheständler suchen ihr Glück in Südostasien. Doch was macht das Leben im Jahr 2026 wirklich lebenswert, wenn der Alltag einkehrt?

Mit 1.750 € in Thailand? So leben Deutsche in Thailand
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Um 6 Uhr morgens, wenn in Deutschland der Wecker klingelt, sitzt er schon auf der Terrasse

Die Reisfelder leuchten im frühen Sonnenlicht, die Luft riecht nach Jasmin, und die Tasse Kaffee ist erst halb leer. Hans, 63, ehemaliger Ingenieur aus Hannover, lebt seit vier Jahren in der Nähe von Chiang Mai. Einen Terminkalender hat er nicht mehr.

Was klingt wie Urlaubspoesie, ist für Tausende deutschsprachiger Männer über 50 längst gelebter Alltag. Doch hinter dieser Ruhe stecken ganz konkrete Entscheidungen – finanzielle, rechtliche, persönliche. Wie sieht dieses Leben wirklich aus, jenseits der Hochglanzbilder?

50 Baht für ein Gericht: Wie günstiges Essen das Haushaltsbudget neu ordnet

Ein frisch zubereitetes Reisgericht am Straßenstand kostet in Thailand selten mehr als 50 bis 70 Thai Baht – das entspricht derzeit etwa 1,35 bis 1,90 Euro. Wer täglich auswärts isst, gibt im Monat weniger aus als mancher Deutsche für seinen Wocheneinkauf.

Dabei ist es nicht nur der Preis. Die Qualität der frischen Zutaten, die Vielfalt der Aromen und das soziale Erlebnis am Marktstand machen das Essen zum täglichen Highlight – nicht zur Pflichtaufgabe. Doch wer glaubt, das sei der größte Kostenvorteil, hat den entscheidenden Punkt noch nicht entdeckt.

1.750 Euro im Monat: Was sich damit in Thailand wirklich leisten lässt

Wer über ein monatliches Budget von rund 65.000 Thai Baht – aktuell etwa 1.750 Euro – verfügt, lebt in den meisten Regionen Thailands komfortabel. Das schließt Miete, Essen, Strom, Wasser und regelmäßige Massagen ein, ohne ständig auf den Kontostand zu schauen.

In Deutschland reicht dieselbe Summe in vielen Städten kaum für eine Ein-Zimmer-Wohnung und die Nebenkosten. Der Unterschied liegt nicht im Verzicht, sondern in der Kaufkraft. Doch Lebenshaltungskosten allein erklären nicht, warum so viele bleiben. Der nächste Faktor sitzt tiefer.

Sabai Sabai: Das Lebensprinzip, das Europäer erst nervt und dann befreit

„Sabai Sabai“ bedeutet so viel wie „gemütlich“ oder „entspannt“ – und es beschreibt eine Grundhaltung, die dem Alltag in Thailand seinen Rhythmus gibt. Behörden arbeiten langsamer. Handwerker kommen, wenn sie kommen. Das frustriert Neuankömmlinge oft erheblich.

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Wer aber länger bleibt, stellt fest: Die eigene Aufregung darüber verändert nichts – außer dem eigenen Blutdruck. Viele Residenten berichten, dass sie hier gelernt haben, loszulassen, was sich im Westen hartnäckig als Stress festgesetzt hatte. Was das konkret für die Gesundheit bedeutet, zeigt das nächste Kapitel.

Arthritis, Rheuma, Winterblues: Was das tropische Klima im Körper bewirkt

Das warme Klima Thailands wirkt sich bei vielen Menschen mit chronischen Gelenkbeschwerden spürbar positiv aus. Die konstante Wärme hält die Muskeln locker, der graue Mitteleuropawinter entfällt vollständig. Vitamin-D-Mangel, in Deutschland ein weit verbreitetes Problem, ist hier kaum ein Thema.

Natürlich belastet die Hitze im April und Mai. Wer früh aufsteht und die Mittagsstunden drinnen verbringt, kommt aber gut damit zurecht – ähnlich wie in Südspanien oder Griechenland. Ob das Klima wirklich ein Argument für den Umzug ist, hängt von einem anderen Faktor ab: der medizinischen Versorgung im Ernstfall.

Facharzt ohne Warteliste: Wie gut Thailands Privatkliniken wirklich sind

In den großen Privatkrankenhäusern in Bangkok, Chiang Mai oder Phuket arbeiten viele international ausgebildete Ärzte. Die Ausstattung ist modern, die Wartezeiten sind kurz. Eine einfache Facharzt-Konsultation kostet heute etwa 2.000 Thai Baht, rund 54 Euro.

Komplexe Eingriffe oder längere Krankenhausaufenthalte gehen schnell in die Millionen Baht – ohne ausreichende Krankenversicherung ein erhebliches finanzielles Risiko. Wer glaubt, sich das im Notfall leisten zu können, sollte vorher nachrechnen. Doch das Netz aus Unterstützung reicht weiter als man denkt.

Neue Freunde mit 60: Warum Anschluss in der Expat-Community überraschend schnell gelingt

Stammtische, Golfrunden, Wandergruppen – die deutschsprachige Gemeinschaft in Thailand ist aktiv und offen. Wer den Schritt ins Ausland gewagt hat, teilt mit anderen Residenten eine Grundhaltung: Neugier, Risikobereitschaft, den Wunsch nach Veränderung. Das verbindet schneller als mancher Jahrzehnte-Nachbar in der Heimat.

Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit zum Rückzug. Niemand ist hier verpflichtet, an jedem Stammtisch zu erscheinen. Diese Balance aus Gemeinschaft und Autonomie schätzen viele Residenten als eine der größten Freiheiten des Lebens hier. Doch soziales Leben braucht auch Mobilität – und die ist günstiger als erwartet.

Per Taxi für 4 Euro durch die Stadt: Mobilität ohne eigenes Auto

Eine Fahrt durch die Stadt kostet mit Taxi oder Grab-App selten mehr als 150 Baht, etwa 4 Euro. Inlandsflüge zu den Inseln oder in den Norden sind für 30 bis 60 Euro buchbar. Das gut ausgebaute Straßennetz macht Tagesausflüge unkompliziert.

Viele Residenten verzichten komplett auf ein eigenes Auto. Wer dennoch mobil sein will, fährt Motorrad – auf den Bergstraßen im Norden ein Erlebnis, das manche als das Schönste beschreiben, das Thailand für sie bereithält. Die digitale Infrastruktur dahinter ist mindestens genauso beeindruckend.

13 Euro im Monat für Highspeed-Internet: Die Verbindung zur Familie in der Heimat

Highspeed-Internet ist in Thailand flächendeckend verfügbar – oft schon ab 500 Baht im Monat, umgerechnet etwa 13,50 Euro. Videoanrufe mit Kindern und Enkeln, deutsches Nachrichtenstreaming, Online-Banking: All das funktioniert zuverlässig, auch außerhalb der großen Städte.

Die Sorge, im Ausland von der Familie abgeschnitten zu sein, kennen viele vor dem Umzug. In der Praxis berichten die meisten Residenten vom Gegenteil: Die Besuche sind intensiver, die Gespräche ehrlicher. Doch wer wirklich ankommen will, kommt an einem Thema nicht vorbei.

Songkran, Wai und Lächeln: Was passiert, wenn man die Kultur versteht statt nur duldet

Wer in Thailand lebt, begegnet täglich Ritualen, die im ersten Moment fremd wirken. Der Wai, die respektvolle Begrüßung mit gefalteten Händen. Die Stille vor einem buddhistischen Tempel. Das Lächeln, das keine Zustimmung bedeuten muss, aber Offenheit signalisiert.

Wer sich auf diese Signale einlässt, lebt deutlich reibungsloser. Wer sie ignoriert, stößt auf geschlossene Türen – manchmal buchstäblich. Wer die Sprache auch nur ein wenig spricht, öffnet Türen, die kein Touristenführer zeigt. Dazu braucht es keinen Sprachkurs in der Volkshochschule.

Thailändisch lernen im Rentenalter: Warum ein paar Sätze den Alltag grundlegend verändern

Wer „Khob Khun Krap“ sagt – Danke – erntet ein anderes Lächeln als der Tourist, der schweigend zahlt. Wer auf dem Markt nach dem Preis fragt, auf Thai, bekommt oft einen anderen. Die Sprache ist der Schlüssel zu einem Leben, das über die Expat-Blase hinausgeht.

Das Erlernen der thailändischen Sprache ist im Rentenalter gut machbar – die Schrift ist das Schwierigste, die gesprochene Alltagssprache aber erlernbar. Viele Residenten berichten, dass der Moment, in dem sie ihren ersten vollständigen Satz auf Thai sagten, einer der befriedigendsten des gesamten Auswandererlebens war. Dann kommt die Bürokratie.

Visa, 90-Tage-Meldung, Retirement-Visum: Was Residenten in Thailand rechtlich wissen müssen

Wer dauerhaft in Thailand leben möchte, braucht ein gültiges Visum. Das sogenannte Non-Immigrant-O-A-Visum (Retirement Visa) richtet sich an Personen über 50 Jahre und erfordert unter anderem den Nachweis von mindestens 800.000 Baht auf einem Thai-Bankkonto oder ein monatliches Renteneinkommen von 65.000 Baht.

Dazu kommt die Pflicht zur 90-Tage-Meldung bei der Einwanderungsbehörde – eine Routine, die sich mit etwas Übung problemlos erledigen lässt. Wer sich die Behördengänge ersparen möchte, beauftragt spezialisierte Agenturen, die diese Aufgaben übernehmen. Doch seit 2024 ist ein weiteres Thema für Residenten verbindlich geworden.

Steuerreform 2024: Was Thailand-Residenten jetzt beim Finanzamt klären müssen

Seit Januar 2024 gilt in Thailand eine neue Regelung: Ausländische Einnahmen, die im selben Kalenderjahr ins Land überwiesen werden, sind in Thailand steuerpflichtig. Das betrifft Renten, Kapitalerträge und andere Einkünfte aus dem Heimatland, die direkt nach Thailand transferiert werden.

Die meisten Doppelbesteuerungsabkommen – auch das deutsch-thailändische – bieten Schutz vor doppelter Belastung. Wer seine Finanzen transparent hält und im Zweifelsfall einen Steuerberater einschaltet, hat wenig zu befürchten. Die finanzielle Attraktivität des Standortes bleibt trotz der neuen Regeln erhalten. Doch was ist mit der persönlichen Sicherheit im Alltag?

Sicherheit in Thailand: Was Kriminalstatistiken sagen – und was Residenten erleben

Gewaltkriminalität gegen ausländische Residenten ist in Thailand statistisch selten. Die meisten Vorfälle, über die in den Medien berichtet wird, betreffen Verkehrsunfälle oder Kleinkriminalität in Touristenhochburgen. In Wohnvierteln außerhalb der Partyzonen ist die Lage ruhiger.

Das subjektive Sicherheitsgefühl der meisten Residenten ist hoch – auch abends, auch in weniger bekannten Gegenden. Der tief verwurzelte Respekt vor älteren Menschen in der asiatischen Gesellschaft trägt dazu bei. Was die Natur des Landes betrifft, gibt es kaum eine Region, die nicht spektakulär ist.

Strände, Berge, Dschungel: Warum die Natur Thailands kein Hintergrunddekor ist

Nationalparks liegen für viele Residenten nur eine Fahrstunde entfernt. Die Küsten im Süden, die Bergregionen im Norden, die Tempelanlagen im Zentrum – die geografische Vielfalt des Landes ist auf einer Fläche versammelt, die kleiner ist als Deutschland und Österreich zusammen.

Viele Residenten haben erst in Thailand das Gärtnern entdeckt – weil Pflanzen hier in einem Tempo wachsen, das in Mitteleuropa undenkbar ist. Der eigene Garten mit Orchideen, Papaya und Bananenstauden wird zur täglichen Beschäftigung, die erdet und zufriedenstellt. Was am Ende bleibt, ist etwas, das sich schwer in Euro messen lässt.

Was bleibt, wenn der erste Enthusiasmus verblasst: Das ehrliche Fazit nach Jahren im Land

Thailand ist kein Paradies ohne Reibung. Bürokratie nervt. Sprachbarrieren bleiben. Die Familie fehlt, besonders an Weihnachten oder wenn die Enkel krank sind. Wer das ausblendet, erlebt eine ernüchternde erste Phase. Wer es einrechnet, baut etwas Stabiles auf.

Was die meisten Langzeitresidenten vereint: Sie bereuen den Schritt nicht. Nicht wegen der Wärme, nicht wegen der günstigen Preise – sondern weil sie hier gelernt haben, den Tag zu leben statt zu verwalten. Das ist kein kleines Geschenk für einen Mann über 50, der bereit war, es anzunehmen.

Anmerkung der Redaktion

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