PATHUM THANI, THAILAND – Ein 30-jähriger Mann, dessen bewaffnete Flucht über drei Provinzen dutzende Schulen zur Schließung zwang, sitzt seit dem 19. Februar in Untersuchungshaft. Das Provinzgericht Pathum Thani lehnte einen Kautionsantrag ab.
Auslöser der Fahndung
Der 30-jährige Noparat „L“ Jeento löste Anfang der Woche im Bezirk Lat Lum Kaeo nördlich von Bangkok eine Kette von Gewaltereignissen aus, die Schulschließungen und einen groß angelegten Polizeieinsatz nach sich zogen.
Den Ermittlungen zufolge griff er seine Ehefrau nahe der Motorway 7 in der Provinz Chon Buri an und feuerte anschließend Schüsse auf die Reifen eines Fahrzeugs von Rettungskräften.
Entführung des Schwiegervaters und Flucht
Nachdem seine Ehefrau in Chon Buri Anzeige erstattet hatte, soll der Verdächtige seinen Schwiegervater unter Waffengewalt in seinen Pickup gezwungen und mit ihm in Richtung Zentralthailand geflohen sein.
Der Schwiegervater entkam unverletzt im Bezirk Bang Pa-in in der Provinz Ayutthaya und erstattete Anzeige auf der Wache Lat Lum Kaeo. Die Ermittler sicherten den Fluchtwagen – mit einem platten Reifen – im Bezirk Lat Bua Luang.
Schulschließungen und Waffenfund
Als die Fahndung auf Pathum Thani einengte, ordneten die Behörden die vorübergehende Schließung zahlreicher Schulen im Bezirk Lat Lum Kaeo an. Die Berichte schwankten zwischen 17 bestätigten und bis zu 40 betroffenen Einrichtungen.
Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden Beamte sieben Schusswaffen. Berichte über eine angebliche Drohung gegen Schüler veranlassten die Sicherheitskräfte, Schulgeländen verstärkt zu schützen und Eltern sowie Lehrkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft zu halten.
Übergabe nach zweitägiger Suche
Mehr als 48 Stunden lang suchten Einsatzkräfte nördlich von Bangkok nach dem Flüchtigen. Am Nachmittag des 18. Februar stellte er sich schließlich im Provinzpolizeipräsidium Pathum Thani.
Zuvor hatte er Kontakt zu Pol Lt Gen Khamronwit Thoopkrajang sowie einem örtlichen Dorfvorsteher aufgenommen, woraufhin Behörden eine koordinierte Übergabe organisierten. Seine Mutter La-or erklärte unter Tränen, Medienberichte seien überzogen gewesen, und gestand, um sein Leben gefürchtet zu haben.
Aussagen des Verdächtigen
Vor der Presse erklärte der Verdächtige, er habe sich gestellt, nachdem er von den Schulschließungen erfahren habe – er selbst sei Vater und habe keinen Angriff auf eine Schule geplant.
Er bezeichnete die mitgeführte Waffe als legal registriert und zur Selbstverteidigung erworben, räumte den Konsum von Cannabis vor dem Streit mit seiner Ehefrau ein und nannte Eifersucht als Auslöser des Konflikts.
Gerichtliche Entscheidung und Anklagen
Die Ermittler beantragten am 19. Februar mit Formular 51/2569 die erste Untersuchungshaft beim Provinzgericht Pathum Thani. Das Gericht bewilligte eine 12-tägige Inhaftierung bis zum 2. März und lehnte den Kautionsantrag ab.
Als Begründung verwies das Gericht auf ein breites Spektrum schwerer Vorwürfe: unerlaubter Waffen- und Munitionsbesitz, Führen einer Waffe in der Öffentlichkeit, Nötigung unter Waffengewalt, widerrechtliche Freiheitsentziehung sowie nächtlicher bewaffneter Hausfriedensbruch. Hinzu kamen Vorwürfe häuslicher Gewalt und die Gefahr einer Verdunkelung der Beweislage.
Tatnachstellung und familiäre Spannungen
Im Rahmen seiner Teilgeständnisse begleiteten Beamte den Verdächtigen zu einer Tatnachstellung. Dabei räumte er ein, seine Ehefrau nach dem Verdacht auf einen Seitensprung körperlich misshandelt zu haben, und wies weitere Vorwürfe zur Art der Behandlung zurück.
Vor dem Haus des Schwiegervaters kniete er vor weinenden Angehörigen, bat um Entschuldigung und beteuerte, er habe den älteren Mann nicht verletzen, sondern lediglich zu einem Gespräch mit seiner Ehefrau bewegen wollen.
Ermittlungen in drei Provinzen und Sicherheitslage
Die Polizei ermittelt weiter in den Provinzen Chon Buri, Pathum Thani und Ayutthaya und koordiniert die Verfahren über alle beteiligten Dienststellen hinweg. Der Verdächtige bleibt vorerst bis mindestens 2. März in Haft.
Der Fall fällt in eine Phase erhöhter Wachsamkeit: Nach dem tödlichen Angriff eines psychisch erkrankten Schützen mit einer gestohlenen Maschinenpistole in Hat Yai, bei dem ein Schulleiter ums Leben kam, halten Sicherheitskräfte landesweit erhöhte Bereitschaft aufrecht.
Angst an Schulen – reichen Thailands Waffengesetze noch aus?
Dutzende Schulen schlossen ihre Tore, weil ein einzelner bewaffneter Mann auf der Flucht war. Der Fall zeigt erneut, wie verwundbar öffentliche Einrichtungen gegenüber privaten Waffenbesitzern sein können – und stellt die Frage, ob bestehende Kontrollen dem gesellschaftlichen Risiko noch gerecht werden.



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