70 Opfer in der Hölle: Der Menschenhandel-Skandal um Kambodscha-Casinos

Amnesty International benennt zwölf kambodschanische Casinos im Zusammenhang mit Menschenhandel, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Thailands Behörden fordern internationale Zusammenarbeit.

70 Opfer in der Hölle: Der Menschenhandel-Skandal um Kambodscha-Casinos
ThaiEnquirer

BANGKOK, THAILAND – Ein neuer Bericht von Amnesty International bringt zwölf kambodschanische Casinos mit Menschenhandel, Zwangsarbeit, Kindesmissbrauch und Folter in Verbindung. Thailändische Behörden sprechen von einer grenzüberschreitenden Bedrohung, die internationale Zusammenarbeit erfordert.

Thailändische Behörden warnen vor grenzüberschreitender Bedrohung

Luftwaffenchef Air Chief Marshal Prapas Sornchaidee, Direktor des Thai-Cambodian Joint Information Coordination Center, bestätigte die Vorwürfe und bezeichnete die beschriebenen Strukturen als transnationales kriminelles Netzwerk.

Bei einem Briefing am 8. Januar 2026 erklärte er, es handle sich nicht nur um ein Grenzproblem, sondern um eine Bedrohung für die internationale Gemeinschaft, die Transparenz und Kooperation erfordere.

Gebäude als Tarnung: Hotels, Restaurants und Büros im Fokus

Laut Prapas werden Gebäude, die offiziell als Hotels, Restaurants oder Büros registriert sind, dazu genutzt, Opfer festzuhalten und in Menschenhandels- sowie Scam-Strukturen einzusetzen.

Als Belege nannte er Satellitenbilder, Aussagen von Überlebenden sowie Hinweise aus sozialen Medien.

Amnesty: Lizenzen trotz dokumentierter Menschenrechtsverletzungen

Amnesty International berichtet, die Cambodian Commercial Gambling Management Commission (CGMC) habe Casino-Genehmigungen im Dezember 2025 und Januar 2026 erteilt, obwohl in verbundenen Komplexen schwere Übergriffe dokumentiert worden seien.

Die Organisation fordert, bestehende Lizenzen auszusetzen und eine unabhängige Untersuchung der dokumentierten Verstöße einzuleiten.

Zwölf Casinos identifiziert – Überlebende berichten von Zwangsarbeit

Zu den zwölf identifizierten Casinos zählen laut Amnesty unter anderem Crown-Casinos in Poipet, Bavet und Sihanoukville, Majestic Two, Majestic Hotel & Casino sowie das New Venetian Casino.

Überlebende schilderten gegenüber Amnesty, sie seien dorthin verschleppt, teils monatelang eingesperrt und zu Online-Betrug gezwungen worden.

Mindestens elf Standorte konkreten Vorwürfen zugeordnet

Amnesty ordnet mehrere Standorte konkreten Vorwürfen zu: Majestic Hotel & Casino und Majestic Two werden mit Menschenhandel, Zwangsarbeit und Kinderarbeit in Verbindung gebracht; Crown-Casinos in Poipet und Bavet mit Freiheitsentzug und Misshandlung von Opfern.

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Weitere genannte Einrichtungen sind Peak Casino, Long Feng Xuan Casino, Golden Sea Casino, Huang/Wang Chao International (Ausbeutung, Folter, Versklavung) sowie Marinan International und Kyom/My Casino (Menschenhandel und Zwangsarbeit).

Kambodscha meldet Strafverfolgungsmaßnahmen und Abschiebungen

Kambodschanische Behörden berichten über laufende Maßnahmen gegen Online-Betrug: Zwischen Juli 2025 und März 2026 wurden in 80 Fällen insgesamt 750 Verdächtige angeklagt, wie BTV News Global berichtete.

Senior Minister Chhay Sinarith, Leiter der Commission for Combating Online Scams (CCOS), erklärte, 11.000 Ausländer seien wegen Scam-Verdachts abgeschoben worden; bei Kontrollen an über 10.000 Orten seien rund 80.000 Ausländer aus 78 Nationen erfasst worden.

Widerspruch zwischen Genehmigungspraxis und Menschenrechtsbefunden

Amnesty und thailändische Stellen sehen einen zentralen Widerspruch darin, dass die CGMC Genehmigungen erteilte, während in verknüpften Anlagen Zwangsarbeit und die Ausbeutung von Kindern dokumentiert wurden.

Ein Amnesty-Bericht aus dem Jahr 2025 beschrieb mehr als 50 Scam-Komplexe, fast die Hälfte davon mit Casino-Bezug. Genannt wurden unter anderem Anco Brothers Co. Ltd., New Venetian Resort Co. Ltd. und Big House Commercial Corporation; laut Amnesty reagierte keines der Unternehmen auf Anfragen.

Rechtliche Verantwortung und Forderung nach regionaler Kooperation

Amnesty verweist auf die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, nach denen Betreiber die Pflicht haben, Menschenrechte zu achten, und bei Ausbeutung auf ihrem Gelände rechtlich haftbar gemacht werden können.

Prapas forderte, unabhängige Berichte als Grundlage für gemeinsames Handeln zu nutzen, und verwies auf bestehende Mechanismen wie ASEAN-Rahmenwerke und bilaterale Grenzkooperation – unter Einhaltung von internationalem Recht und Menschenrechtsstandards.

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Quelle: Thaienquirer

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