SURIN / O SMACH – Ein schmutziges Geschäft mitten im Grenzgebiet: Das Royal Hill Casino war weit mehr als eine Glücksspielhölle. Einem brisanten Reuters-Bericht zufolge vermietete die Lim Heng Group gleich mehrere Gebäude auf dem Gelände an chinesische Banden – die dort einen riesigen Betrugs- und Menschenhandelsring betrieben. Die Räume waren getarnt als Polizeiwachen und Bankfilialen, um ahnungslose Opfer in aller Welt zu täuschen.
Getarnt als Polizeiwache und Bankfiliale
Die kriminellen Drahtzieher gingen planvoll vor. Um ihre wahren Absichten zu verschleiern, richteten sie mehrere Zimmer so ein, dass sie wie offizielle Polizeistationen und echte Bankbüros wirkten.
Opfer, die in die Falle gingen, sollten glauben, sie hätten es mit echten Behörden zu tun. Thailändische Beamte gehen davon aus, dass mindestens vier Gebäude auf dem stacheldrahtbewehrten Areal für die illegalen Geschäfte genutzt wurden.
Achtfacher Marktpreis für die Monatsmiete
Allein die Miete spricht Bände. Ein chinesischer Mieter überwies pro Monat schlappe 200.000 US-Dollar für drei Gebäude – mehr als das Achtfache vergleichbarer Objekte in der gehobenen Hauptstadt Phnom Penh.
Dort kosten solche Immobilien sonst nur rund 25.000 Dollar im Monat. Der aufgeblähte Preis legt nahe, dass die Betreiber bewusst für den Schutz und die abgeschottete Lage in der Grenzregion zahlten.
Oknha-Titel und Spende ans Militär
Hinter der Vermietung steht die Lim Heng Group mit ihrem Chef Lim Heng. Er trägt den kambodschanischen Ehrentitel Oknha – vergleichbar mit einem Herzog – und spendete im vergangenen Jahr stolze 20.000 US-Dollar an Kambodschas Militär.
Fachleute betonen, dass solche Betrugszentren ohne den Schutz einflussreicher Persönlichkeiten kaum in diesem Maßstab operieren können. Die Gruppe selbst beantwortete keine Anfragen von Reuters.
Thailands Armee stürmte den Komplex im Dezember 2025
Die Sache flog im Dezember 2025 auf, als thailändische Sicherheitskräfte das Casino während eines Grenzkonflikts mit Kambodscha stürmten und die Kontrolle übernahmen. Die Begründung: Royal Hill sei als Basis für Drohnen- und Scharfschützenangriffe genutzt worden.
Die kambodschanische Regierung wies diese Vorwürfe zurück. Fest steht: Chinesische Banden betrieben in dem Komplex massive Betrugssysteme, wie der thailändische Vize-Polizeichef Thatchai Pitaneelaboot bestätigte.
Mit Facebook-Anzeige gelockt – das Schicksal von Pornpen
Schätzungen zufolge hielten sich zeitweise bis zu 3.000 Menschen in der Anlage auf, viele unter falschen Versprechungen angelockt. Eine Frau namens Pornpen geriet 2022 über eine Facebook-Stellenanzeige in die Fänge der Bande.
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Sie wurde gezwungen, als angebliche Polizistin Betrugsopfer am Telefon zu täuschen. Wachen mit Schlagstöcken bewachten sie. Pornpen gelang später die Flucht.
Fünf Jahre Haft für Callcenter-Angestellten – Medien verklagt
Ein thailändisches Gericht verurteilte bereits einen Mann zu fünf Jahren Gefängnis. Er hatte freiwillig als untergeordneter Callcenter-Mitarbeiter bei Royal Hill gearbeitet.
Schon im September 2024 verklagte die Lim Heng Group zwei kambodschanische Medien, die über eingesperrte Ausländer im Casino berichtet hatten. Kurz danach soll die Gruppe erstmals auf möglichen Menschenhandel in ihren Gebäuden hingewiesen worden sein.
Zehn Milliarden US-Dollar Schaden – das globale Ausmaß
Die Machenschaften in Südostasien haben längst weltweite Folgen. Analysten schätzen, dass solche Betrugszentren allein amerikanische Bürger im Jahr 2024 um schätzungsweise 10 Milliarden US-Dollar erleichterten.
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Die Drahtzieher brauchen dafür starke Verbündete vor Ort. Der Fall Royal Hill zeigt, wie undurchsichtig das Geflecht aus Schwerkriminalität, Politik und Adelstiteln in der Region ist.

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