Israels Gaza-Stadt-Offensive nimmt Fahrt auf

Israels Gaza-Stadt-Offensive nimmt Fahrt auf
Map Gaza Stadt

120.000 Reservisten bereiten sich vor

Israel ruft nach Armeeangaben 60.000 Wehrpflichtige ein und verlängert den Dienst von 20.000 bereits aktiven Soldatinnen und Soldaten. Damit steigt die Zahl der eingesetzten Reservisten auf 120.000. Die Mobilisierung ist Teil eines Plans zur Einnahme von Gaza-Stadt. Die Führung spricht von der „Anfangsphase“. Eine formelle Aufforderung an die Zivilbevölkerung, die Stadt zu verlassen, liegt derzeit nicht vor. Die Armee verweist auf operative Erfordernisse, darunter Nachschub, Aufklärung und Koordination zwischen Luft- und Bodentruppen.

Die Vorbereitungen laufen seit Wochen. Einheiten trainieren Szenarien für urbanen Kampf, Räumung von Tunneln und den Schutz eigener Kräfte. Militäranalysten erwarten einen schrittweisen Ansatz mit punktuellen Vorstößen. Offizielle Stellen betonen, man wolle die Handlungsfreiheit gegen die Hamas sichern und gleichzeitig humanitäre Korridore prüfen. Verifizierte Angaben zu Zeitplänen oder konkreten Achsen der Operation macht die Armee nicht. Regierung und Militär stellen die Offensive als Reaktion auf anhaltende Bedrohungen aus Gaza dar.

Zeitun und Schidschaija im Visier: Boden- und Luftangriffe auf Kernviertel

Israelische Bodentruppen und Luftstreitkräfte greifen Ziele im nördlichen und zentralen Gazastreifen an. In Gaza-Stadt richten sich Angriffe auf Teile der Viertel Zeitun und Schidschaija. Das Militär ist dort nach eigenen Angaben mehrfach vorgestoßen. Vergangene Woche erklärte es die Areale zur „gefährlichen Kampfzone“ und hob eine täglich geltende Kampfpause von 10 bis 20 Uhr auf. Die Armee spricht von operativen Notwendigkeiten und verweist auf Gefahren für eigene Kräfte und Zivilisten durch verminte Areale und verbarrikadierte Zugänge.

Zeitun war einst eines der größten Stadtviertel Gazas, mit Märkten, Schulen und Kliniken. Heute liegen große Teile brach oder sind schwer zugänglich. Unabhängige Bestätigungen zu aktuellen Schäden bleiben wegen eingeschränktem Zugang schwierig. Die Armee meldet Angriffe auf militärische Infrastruktur, während palästinensische Stellen über Zerstörungen in Wohngebieten berichten. Verifizierte Opferzahlen liegen nicht konsistent vor. Klar ist: Die Gefechte verlagern sich in dicht bebaute Zonen, was das Risiko für Zivilisten erhöht und Rettungskräfte vor enorme Hürden stellt.

UN und Hilfswerke warnen: Hungersnot-Risiko, Kliniken am Limit

In Gaza-Stadt halten sich nach Schätzungen weiterhin bis zu eine Million Menschen auf. Hilfsorganisationen wie OCHA-Partner, das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen warnen vor einer Ausweitung der Kämpfe in dicht besiedelte Gebiete. Sie kritisieren mangelhaften Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten in überfüllten Lagern im Zentrum und Süden. Die anerkannte IPC-Initiative stuft die Ernährungslage als extrem kritisch ein und warnt vor Hungersnot in Teilen des Gazastreifens. Die israelische Regierung weist diese Einschätzungen zurück und verweist auf Hilfslieferungen sowie Maßnahmen gegen Waffenschmuggel.

Trotz der Einsätze sieht Israel Gaza-Stadt als zentralen Rückzugsraum der Hamas. Hinweise auf ein verbleibendes Tunnelnetz gelten als ein Kernmotiv für die geplante Einnahme. Zugleich liegen dort Schlüssel-Infrastruktur und Gesundheitszentren des Küstengebiets. Die Vereinten Nationen warnen, der Gazastreifen könne bis zu 50 Prozent seiner verfügbaren Krankenhausbetten verlieren, sollte die Operation eskalieren. Kliniken berichten von Treibstoffmangel, überfüllten Stationen und knappen Vorräten. Evakuierungen bleiben schwierig. Für Zivilisten wächst der Druck täglich – sichere Wege und stabile Versorgungsfenster sind rar.

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