Abkühlen in Bangkok: Neue Zentren gegen Hitze

Gratis abkühlen in Bangkok? Wer rein will, muss erst den Ausweis zeigen — und für manche scheitert es sogar an der Kleidung. Wie hart sind die Hürden?

Abkühlen in Bangkok: Neue Zentren gegen Hitze
Pornprom Satrabhaya, Bangkok Post

BANGKOK, THAILAND – Angesichts extremer Hitze hat die Stadtverwaltung von Bangkok (BMA) hunderte kostenlose „BKK Cooling Centres“ als klimatisierte Zufluchtsorte in öffentlichen Gebäuden eingerichtet. Das Angebot soll besonders Menschen ohne eigene Klimaanlage sowie Besucher in stark frequentierten Stadtteilen schützen und entlasten.

Hitze als Gesundheitsrisiko: Warum Bangkok reagiert

Mit steigenden Temperaturen wird der Gang in klimatisierte Innenräume in Bangkok für viele nicht nur eine Frage des Komforts, sondern eine Notwendigkeit. Die Bangkok Metropolitan Administration (BMA) reagiert darauf mit einem stadtweiten Netz kostenloser Abkühlungsorte.

Die „BKK Cooling Centres“ sollen Menschen ermöglichen, sich während der heißesten Tageszeiten auszuruhen, abzukühlen und sich von der Sommerhitze zu erholen. Der Ansatz ist Teil einer breiteren Strategie, die Folgen extremer Hitze in der Hauptstadt abzumildern.

So funktioniert das Konzept der „BKK Cooling Centres“

Die BMA weist dafür klimatisierte Einrichtungen aus, die nahe an Wohngebieten und wichtigen Verkehrsachsen liegen. Der Zugang ist kostenlos und richtet sich an Anwohner wie auch an Besucher, die der Hitze kurzfristig entkommen müssen.

Genutzt werden bestehende BMA-Standorte, sodass laut Bericht keine zusätzlichen Budgets oder Betriebskosten anfallen. Voraussetzung ist, dass die Orte bereits über Klimaanlage, Trinkwasser und Personal vor Ort verfügen.

Ausstattung: Wasser, Personal und Mittel gegen Hitzesymptome

In den Zentren stehen neben kühlen Aufenthaltsbereichen auch grundlegende Hilfsmittel gegen hitzebedingte Beschwerden bereit. Genannt werden aromatische Kräuterinhalatoren, Elektrolyt-Pulver und Ammoniak.

Die Bereitstellung solcher Mittel spiegelt die wachsende Sorge über Hitzeschöpfung und Dehydrierung wider. Ziel ist es, Betroffenen eine schnelle Erholung zu ermöglichen, bevor sich Symptome verschlimmern.

Beispiel Bangkok City Library: Abkühlung mitten im Touristenviertel

Die Bangkok City Library an der Ratchadamnoen Avenue wird als Cooling Centre genutzt und liegt nahe wichtiger Sehenswürdigkeiten wie Wat Phra Kaew, Wat Pho, Wat Arun und Sanam Luang sowie in Reichweite von Khao San Road. Eine Besucherin aus Chom Thong, Rungmanee Kittinattakamthorn (49), sagte, sie komme seit Langem regelmäßig vorbei, etwa einmal im Monat, wenn sie in der Gegend ist.

Sie betonte, die Cooling-Centre-Funktion erhöhe den Komfort für Touristen und Einheimische, weil man dort lesen, Computer nutzen und sich ausruhen könne. Als Verbesserung schlug sie einen Fernseher für ältere Besucher vor, die mit digitalen Geräten weniger vertraut sind.

Ruhiger als ein Einkaufszentrum: Lob für Lage und Atmosphäre

Auch Karaket Salatuak (30) aus Bang Na lobte Erreichbarkeit und Standort der Bibliothek, etwa für Menschen, die in der Gegend unterwegs sind – für Tourismus, Erledigungen oder königliche Zeremonien. Sie sagte, ein solcher Ort helfe ihr, Energie zu tanken, um danach weitere Ziele zu besuchen.

Im Vergleich zu Shopping-Malls biete die Bibliothek laut ihr eine ruhigere, weniger überfüllte Umgebung und zudem kulturellen Mehrwert. Sie forderte mehr Zentren in Wohngebieten, in denen Haushalte keine Klimaanlage haben – besonders mit Blick auf ältere Menschen und Outdoor-Arbeiter.

Hürden für besonders Verletzliche: Wenn Zugang nicht nur eine Türfrage ist

Ein obdachloser Mann im Bereich Ratchadamnoen sagte, er würde solche Einrichtungen gern nutzen, habe aber keine passende Kleidung, um öffentliche Gebäude zu betreten. Das verweist auf Barrieren, die gerade in Hitzeperioden für vulnerable Gruppen bestehen können.

Der Fall deutet darauf hin, dass „Zugänglichkeit“ nicht nur von Standort und Öffnung abhängt, sondern auch von sozialen und praktischen Voraussetzungen. Damit werden mögliche Lücken sichtbar, die bei der Ausgestaltung solcher Schutzangebote berücksichtigt werden könnten.

Nutzung und Regeln vor Ort: ID-Karte genügt

Sirirat Nuengdanchak, Assistant Operations Editor der Bibliothek, sagte, man habe sich der Initiative sofort angeschlossen, nachdem der BMA-Plan bekannt wurde. Mit drei Stockwerken und hohem täglichem Publikumsverkehr könne man Flächen zum Abkühlen bereitstellen, ohne reguläre Nutzer zu stören.

Besucher müssen demnach lediglich eine nationale ID-Karte vorzeigen, um die Dienste zu nutzen. Von rund 2.000 täglichen Besuchern kämen etwa 100 vor allem zum Abkühlen, viele kombinierten dies aber mit Lesen oder Lernen.

Zahlen und Ausbau: 313 Indoor-Zentren und 279 Outdoor-Punkte

Laut Pornphrom Vikitsreth, Berater des Gouverneurs und Chief Sustainability Officer der BMA, umfasst das Netz inzwischen 313 Indoor-Cooling-Centres. Diese befinden sich überwiegend in Bezirksämtern, Gesundheitskliniken, Freizeitzentren und BMA-Schulen.

Zusätzlich gibt es 279 Outdoor-Kühlpunkte in Parks, sogenannten „15-Minuten-Parks“ in Nachbarschaften und in Tempeln. Vom 16. März bis 5. April wurden 89.361 Besuche registriert, mit 30.336 in Woche eins, 29.726 in Woche zwei und 29.299 in Woche drei.

Ziel „15 Minuten“ und internationale Vorbilder

Die BMA setzt nach eigenen Angaben darauf, dass einkommensschwache Bewohner innerhalb von 15 Minuten einen Abkühlungsort erreichen können. Gleichzeitig soll die Nutzung vorhandener klimatisierter Räume zusätzliche Energienutzung sowie langfristige Kosten begrenzen.

Pornphrom verwies darauf, dass Menschen ohne Klimaanlage zu Hause ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bei extremer Hitze tragen, während sich auch Partner aus dem Privatsektor freiwillig beteiligen, um die Abdeckung zu erweitern. Vergleichbare Cooling-Centre-Modelle sind laut Bericht in Städten wie Phoenix und Paris verbreitet.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

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