BANGKOK, THAILAND – Führende Wirtschaftsvertreter und Banker haben vor einem der schwierigsten Jahre seit Jahrzehnten gewarnt und sehen das Wachstum deutlich unter dem Potenzial der Volkswirtschaft.
Schrumpfende Dynamik und historische Wachstumsschwäche
Nach Einschätzung des Joint Standing Committee on Commerce, Industry and Banking (JSCCIB) droht der Wirtschaft 2026 das schwächste Wachstum seit rund 30 Jahren außerhalb klassischer Krisenzeiten. Das Gremium rechnete mit einem BIP‑Zuwachs von etwa 1,5 % für 2026 und nur 2 % für 2025. Damit würde die Volkswirtschaft ans Ende der regionalen Wachstumsskala rutschen.
Der Ausschuss verwies auf tief verwurzelte strukturelle Probleme, die Investitionen und Produktivität bremsen. Thailand trete mit einer Mischung aus zyklischem Gegenwind und langfristigen Risiken in das neue Jahr ein.
Alternde Gesellschaft, hohe Schulden, schwache Wettbewerbsfähigkeit
Die strukturellen Probleme sind bekannt: Die Bevölkerung altert und beginnt zu schrumpfen, während die Produktivität in vielen Branchen stagniert. Gleichzeitig bleibt die Verschuldung der privaten Haushalte hoch und begrenzt Konsum und Kreditaufnahme.
Das JSCCIB nannte mehrere zentrale Risikofaktoren:
• Hohe Haushaltsverschuldung und große informelle Wirtschaft
• Schwache Wettbewerbsfähigkeit und fiskalische Beschränkungen
• Regulatorische Belastungen und zergliederte Datensysteme
• Nachwirkungen früherer Katastrophen und Haushaltsverzögerungen
• Zunehmende Cyberkriminalität und illegale Kapitalströme
Hinzu kommt ein deutlicher Kursanstieg des Baht zum Dollar. Die Währung legte im Vorjahr um 8,2 % zu und war damit die zweitstärkste der Region. Nach Einschätzung des Komitees wirkt dies wie ein zusätzlicher Zoll auf Exporte und drückt Margen der Ausführer.
JSCCIB warnt vor Währungsrisiken und geopolitischen Spannungen
Der Vorsitzende Poj Aramwattananon forderte die Aufseher zu erhöhter Wachsamkeit bei Wechselkursbewegungen auf. „Ich möchte, dass die zuständigen Regulierungsbehörden die Entwicklung der Wechselkurse beobachten, die sich im Einklang mit den Goldpreisen aufwerten, sowie die Rolle des Handels mit digitalen Vermögenswerten in Thailand in Bezug auf den Baht,“ erklärte er.
Das Gremium sieht die globale Konjunktur durch zunehmende geopolitische Spannungen und Polarisierung belastet. Es rechnet mit einer Abschwächung des weltweiten Wachstums und warnt, dass US‑Zölle die thailändischen Exporte stärker treffen dürften. Bereits jetzt schrumpfen die Ausfuhren ohne Elektronikprodukte.
Tourismuseinbruch und Exportdruck
Der traditionell starke Tourismussektor hat deutlich an Kraft verloren. Die Zahl der ausländischen Besucher ging im vergangenen Jahr um 7,23 % zurück – erwartet worden war ein Plus von rund 10 %. Damit brach einer der wichtigsten Wachstumspfeiler weg.
Gleichzeitig bleibt Thailand anfällig für Veränderungen im Welthandel. Ein früherer Schub durch vorgezogene Bestellungen amerikanischer Importeure ist ausgelaufen. Höhere Zölle in den USA und politische Spannungen in der Region, einschließlich Sorgen über mögliche Spannungen an der Grenze zu Kambodscha, erhöhen die Unsicherheit. Ein Handelsabkommen mit den USA steht weiterhin aus.
Banken stellen sich auf fragiles Umfeld ein
Die angespannte Lage spiegelt sich im Finanzsystem wider. Die Schuldenquote der Haushalte lag im zweiten Quartal 2025 bei 86,8 % des BIP. Banker warnen, dass dies die Kreditwürdigkeit vieler Kunden spürbar einschränkt und 2026 zu einem weiteren schwierigen Jahr machen dürfte.
Der Chef der Siam Commercial Bank (SCB), Kris Chantanotoke, erwartet nur 1,5 % Wachstum 2026, im Einklang mit der Prognose der Zentralbank. „Dieses Tempo spiegelt Wachstum unterhalb des Potenzials und eine erhöhte wirtschaftliche Fragilität wider. 2026 wird daher ein weiteres herausforderndes Jahr sein,“ sagte er. Die Risiken sieht er sowohl in der Außenwirtschaft als auch im Inland – von Handelskonflikten und schwächerer Weltnachfrage bis zu Schuldenlast und politischer Unsicherheit.
Warnung vor psychologischer Abwärtsspirale
Kris warnte zudem vor einer psychologischen Abwärtsspirale: „Das gefährlichste Risiko sind möglicherweise nicht die Fundamentaldaten selbst, sondern ein Klima der Angst, das eine selbsterfüllende Prophezeiung auslösen könnte.“ Trotz des Umfelds plant die SCB gezieltes Kreditwachstum in den Bereichen Unternehmenskredite, Hypotheken und Autokredite und will zugleich notleidende Kredite begrenzen sowie staatliche Entschuldungsprogramme unterstützen.
Auch Bangkok Bank‑Präsident Chartsiri Sophonpanich rechnet mit weniger als 2 % Wachstum und kündigte an, der Fokus liege auf Hilfe für Kunden bei der Anpassung an das schwache Umfeld. „Unter diesem Szenario muss die Bank mit voller Kapazität arbeiten, um Kunden bei der Anpassung an ein sich veränderndes Umfeld zu helfen,“ erklärte er. Banken müssten daher über klassische Kreditvergabe hinaus breitere Unterstützung bieten.
Zentralbank senkt Zinsen, Inflation bleibt niedrig
Die Bank of Thailand hat die Leitzinsen gesenkt, Geschäftsbanken folgten mit niedrigeren Kreditzinsen. Die Inflation bleibt äußerst verhalten: Die Gesamtinflation lag im Dezember bei minus 0,28 %, die Kerninflation bei 0,59 %.
Die Notenbank verweist dennoch auf anhaltende Herausforderungen durch nachlassende Wettbewerbsfähigkeit und schwächere Exporte infolge der US‑Zölle.
Konkurrenzdruck aus Vietnam wächst
Zusätzlichen Druck sieht die Wirtschaft durch den Aufstieg Vietnams. Der Präsident des Panyapiwat Institute of Management, Somphop Manarangsarn, warnte, Thailand könne seine Rolle als zweitgrößte Volkswirtschaft Südostasiens verlieren. „Vietnam nutzt ein ähnliches, industriegetriebenes Entwicklungsmodell, aber mit geringeren Kosten und stärkeren demografischen Fundamenten,“ sagte er.
Vietnam verfügt mit mehr als 101 Millionen Einwohnern über eine größere und jüngere Bevölkerung. Thailand hat zwischen 66 und 71 Millionen Einwohner, eine stärker urbanisierte, aber alternde Gesellschaft. Fachleute sehen Vietnam dadurch in einer besseren Ausgangsposition für langfristiges Wachstum und Investitionen. Somphop betonte, Thailand könne sich nicht länger auf sein altes Entwicklungsmodell verlassen.
Er sieht Chancen im Dienstleistungssektor: „Thailand verfügt über starke Fähigkeiten in den Bereichen Gesundheitswesen, Lebensmittel, Unterhaltung, Tourismus und Einzelhandel,“ erklärte er. Dienstleistungen könnten zu einem zentralen Wachstumsmotor werden, der weiterhin mit Industrie und Landwirtschaft verknüpft ist.
Reformaufrufe und politische Weichenstellungen
Trotz der Risiken unterstützt das JSCCIB die Bemühungen der Regierung, Schuldenprobleme anzugehen und die Wirtschaftsstruktur zu erneuern. Das Komitee plädierte dafür, die informelle Wirtschaft stärker in das formelle Finanzsystem einzubinden und Investitionshemmnisse abzubauen. Zudem, so das Gremium, würden striktere Maßnahmen gegen Korruption und illegale Aktivitäten das Vertrauen stärken und versteckte Geschäftskosten senken.
Wirtschaftsvertreter und Analysten sehen 2026 als Wendepunkt. Ohne beschleunigte Reformen droht anhaltende Unterperformance; mit entschlossenen Anpassungen könne das Land seine Wettbewerbsfähigkeit stabilisieren und wieder an Schwung gewinnen. Klar ist: Thailand startet mit schwachem Wachstum, steigenden Risiken und schnellen Fortschritten wichtiger Wettbewerber in eines der schwierigsten wirtschaftlichen Jahre der jüngeren Vergangenheit.
🗣 Der Moment der Wahrheit
Niedrigstes Wachstum seit Jahrzehnten. Schwächelnder Tourismus. Hohe Schulden. Alternde Gesellschaft.
Und nun die offene Warnung: Thailand droht, wirtschaftlich den Anschluss an Südostasien zu verlieren.
Ist das nur ein weiteres schwaches Jahr – oder der Beginn eines langfristigen Abstiegs?
Hat das Land den Mut zu echten Reformen, oder bleibt es im Reparaturmodus stecken?
Und was passiert, wenn Investoren beginnen, Vietnam nicht mehr als Alternative, sondern als Ersatz zu sehen?
Steht Thailand vor einem Wendepunkt – oder vor einem langsamen Abrutschen?




Man hoert und liest diesen „Schwanengesang“ doch schon seit einiger Zeit.
Und ungeachtet dessen bleibt der Kurs des BAHT weiter stark.
Voellig unverstaendlich das dieser kuenstlich hoch gehalten wird.
Sie machen doch so lange ich Thailand besuche(35 Jahre) mit dem Baht was sie wollen,ob $ oder € steigt oder fällt interessiert sie nicht.
Es gibt schon ein paar Argumente für die Stärke des Bahts gegenüber dem Dollar. Gegenüber dem Euro hat der Baht nahezu stagniert. Aber klar. Thailand verläßt sich zu stark auf die Stärken der Vergangenheit. Und wir steuern auf eine Tripolare Welt zu. Und ich vermute das Uncle Sam eine Entscheidung erwartet. Schwierige Zeiten, nicht nur für Thailand.