BANGKOK, THAILAND – Die Sorge vor einem langen Konflikt im Nahen Osten lässt in Thailand die Angst vor teurerem Treibstoff und unterbrochenen Lieferketten wachsen. Panik-Käufe, Warnungen vor Rationierung und erste Ausfälle einzelner Benzinsorten zeigen, wie schnell Vertrauen in die Versorgung kippen kann.
Risiko Hormusstraße – warum Thailand jetzt nervös wird
Auslöser der aktuellen Unruhe sind die Spannungen zwischen USA, Israel und Iran, denn eine Störung in der Straße von Hormus gilt als unmittelbare Gefahr für globale Ölflüsse und Preise.
Obwohl Thailand über strategische Vorräte verfügt, warnen Politiker und Unternehmen, dass ein längerer Konflikt die Logistik im Land spürbar belasten und die Kosten landesweit nach oben treiben könnte.
Senator warnt im Süden – Vorräte ungleich verteilt
Chaiyong Maneerungsakul, Senator aus Songkhla und Sprecher des Senatsausschusses für Militär- und Staatssicherheit, beschrieb vor allem für den Süden ein Szenario, in dem nicht der Rohstoff, sondern die Verteilung zum Nadelöhr wird.
Er sagte, Thailand verfüge insgesamt über rund 60 Tage Ölreserven, doch die Depots im Süden, etwa in Surat Thani und Songkhla, könnten die Region bei eingeschränkter Distribution nur etwa 15 Tage stabil versorgen.
Rationierung als Drohkulisse – weniger Liter, kürzere Öffnungszeiten
Chaiyong skizzierte mögliche Schritte, falls sich die Lage hinzieht: Liefermengen an Tankstellen könnten von üblichen 60.000 Litern pro Lieferung auf 30.000 Liter sinken.
Zudem könnten Verkäufe auf das direkte Betanken von Fahrzeugen begrenzt werden, während Käufe „auf Vorrat“ in Fässer oder Tanks untersagt und Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr auf frühe Schließungen bereits um 18 Uhr verkürzt würden.
Schwarzer Markt und Schmuggel – das Comeback von Systemfrei-Sprit
Der Senator warnte, knappe Zuteilungen könnten den illegalen Handel mit Treibstoff wiederbeleben, weil große Ölkonzerne laut seiner Darstellung zuerst die eigenen Markenstationen belieferten und Händler sowie Zwischenverkäufer hinten anstünden.
Aus der Transportbranche im Süden hieß es, „systemfreier“ Diesel und Benzin lägen bereits bei etwa 25 Baht pro Liter, nachdem zuvor 20 bis 21 Baht üblich waren, was den Druck auf Betriebe und Verbraucher zusätzlich erhöht.
Biodiesel als Antwort – Palmölbranche drängt auf Tempo
Tossapol Kwanrod, Präsident der Rubber and Palm Oil Farmer Networks of Thailand, forderte, die Produktion von Biodiesel zügig hochzufahren, um im Fall echter Engpässe eigene Reserven aufzubauen.
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Er verwies darauf, dass Thailand früher Mischungen bis B100 leisten konnte, bevor strengere Abgasstandards den Markt auf B7 zurückdrängten, und argumentierte, selbst wenn Palmöl nicht jede Nachfrage decke, stärke mehr Biodiesel die Versorgungssicherheit langfristig.
Busse, Betriebe, Bauern – Diesel frisst die Margen
Im Nordosten berichtete Chaiwat Wongbenjarat, Geschäftsführer von Nakhonchai 21 Co und Vize-Geschäftsführer von Nakhonchai Tour Co, Diesel sei in den letzten Tagen um 4 bis 5 Baht pro Liter gestiegen, während Kraftstoff 35 bis 40 Prozent der Betriebskosten ausmache.
Er bezifferte den Kostenschub auf rund 10 Prozent und kündigte an, bei weiter steigenden Preisen könnten Betreiber beim Department of Land Transport eine Reduzierung von Verbindungen beantragen, während er zugleich gezielte Staatshilfen wie Preisstützen oder niedrigere Importzölle für Ersatzteile ins Spiel brachte.
Chiang Mai – Schlangen am Morgen, Sorten zeitweise weg
In Chiang Mai bildeten sich am frühen 5. März lange Reihen an Tankstellen, weil viele Autofahrer vorsorglich volltankten, obwohl Premierminister Anutin Charnvirakul erklärte, das Energieministerium beobachte die Lage.
Mehrere Stationen meldeten zeitweise Ausfälle einzelner Sorten, besonders E85 und E91 (Gasohol 91), während Gouverneur Nirat Pongsitthaworn Kontrollen gegen Hamstern und opportunistische Preiserhöhungen anordnete.
Chiang Rai und Grenze zu Myanmar – frühe Schließungen, Preissprung drüben
In Chiang Rai gingen am Abend des 3. März an mehreren Tankstellen die Vorräte aus, manche schlossen früh, und Behörden wie der Provinz-Energiechef Porasak Ngamsomphak sowie der Handelschef Suphamit Tengpae inspizierten besonders die Grenzgebiete um Mae Sai und Mae Chan.
Auf der anderen Seite in Tachileik in Myanmar schossen Preise für abgefüllten Treibstoff nach oben: Für 1,5 Liter wurden tagsüber 100 bis 200 Baht genannt, am Abend stiegen Angebote auf 250 Baht, teils bei nur noch 700 Millilitern, was auch in Chiang Rai den Drang verstärkte, Tanks komplett zu füllen.
Deine Meinung
Wie sollte Thailand reagieren, wenn die Lage im Nahen Osten länger angespannt bleibt: mit strikteren Regeln gegen Hamstern, mehr Biodiesel oder gezielten Hilfen für Transport und Landwirtschaft?
Welche Erfahrungen gab es in den letzten Tagen an Tankstellen in Chiang Mai, Chiang Rai, Bangkok oder im Süden—und wie real wirkt die Gefahr von Engpässen im Alltag?



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