BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Zentralpolizei hat gemeinsam mit Zoll und Drogenbehörde ein Netzwerk zerschlagen, das den Wirkstoff Etomidat aus Indien eingeschleust und für „Zombie“-E-Zigaretten („Pod K“) genutzt haben soll. Bei Razzien in vier Provinzen wurden sieben Verdächtige festgenommen und insgesamt 28 Kilogramm Etomidat im Wert von über 20 Millionen Baht sichergestellt.
Großrazzia „Anti Zombies“: Behörden ziehen Bilanz
Am 9. April stellte die Central Investigation Bureau (CIB) in Bangkok die Ergebnisse der Operation „Anti Zombies – Jagd auf die Pod-K-Geisterbande“ vor.
Beteiligt waren die Polizei (u. a. die Economic Crime Suppression Division), das thailändische Zollamt sowie das Office of the Narcotics Control Board (ONCB) im Rahmen einer gemeinsamen Taskforce.
Sieben Festnahmen in vier Provinzen
Nach Angaben der Ermittler wurden insgesamt sieben Tatverdächtige festgenommen, verteilt auf Udon Thani, Roi Et, Nakhon Si Thammarat und Bangkok.
Die Polizei nannte die Verdächtigen namentlich und bezifferte das sichergestellte Etomidat auf mehr als 28 Kilogramm mit einem Gesamtwert von über 20 Millionen Baht.
Durchsuchungen: Werkstatt in Bangkapi und Objekte in Udon Thani
Durchsucht wurden unter anderem eine Motorradwerkstatt im Bangkoker Stadtteil Bangkapi (Khlong Chan) sowie ein Geschäftsgebäude und ein zu Lagerzwecken umgebautes Wohnhaus in Mak Khaeng, Udon Thani.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Werkstatt als Tarnobjekt diente und dort E-Zigaretten-Pods hergestellt bzw. zwischengelagert wurden.
Sichergestellte Beweismittel: Pods, Etomidat und weitere Drogen
Zu den beschlagnahmten Gegenständen zählen 920 E-Zigaretten-Pod-Köpfe mit Etomidat-Mischung, 200 leere Pod-Köpfe, 17 Gallonen E-Liquid und Aromastoffe sowie 58 weitere Aromakomponenten.
Außerdem wurden unter anderem 952 Gramm Etomidat in einem Plastikbeutel, 1,3 Gramm Crystal Meth („Ice“), 1.400 Gramm Süßstoff, fünf digitale Waagen sowie eine selbstgebaute Schusswaffe sichergestellt.
So flog der Schmuggel auf: Verdachtspakete und falsche Deklaration
Auslöser waren laut Polizei Hinweise aus dem Ausland, wonach Etomidat nach Thailand eingeführt und als Zusatz für E-Zigaretten genutzt werden sollte, insbesondere im Umfeld von Jugendlichen und Nachtleben.
Die Täter sollen die Ware demnach als Kosmetik-Mischstoff falsch deklariert haben; der Zoll stoppte daraufhin acht verdächtige Express-Sendungen, in denen Etomidat als „Wirkstoff der Kategorie 2“ identifiziert wurde.
Arbeitsteilung im Netzwerk: Beschaffung, Shipping, Produktion und „Mule Accounts“
Die Ermittler beschreiben eine klare Rollenverteilung: Ein Hauptverdächtiger soll Etomidat und weitere Zutaten im Ausland beschafft haben, ein weiterer die Abwicklung über Shipping und Zustellpunkte organisiert.
Andere Verdächtige sollen für Produktion und Verkauf der Pods zuständig gewesen sein, während zwei Personen als „บัญชีม้า“ (Stroh-/Maultierkonten) zur Verschleierung von Import- und Geldflüssen gedient haben sollen.
Route und Zielmärkte: Von Suvarnabhumi nach Nordostthailand und nach Bangkok
Nach Darstellung der Polizei wurde Etomidat aus Indien per internationalem Versand nach Thailand gebracht und über beauftragte Dienstleister aus dem Importlager am Flughafen Suvarnabhumi weitertransportiert.
Ein Teil der Sendungen soll nach Udon Thani zur Weiterverteilung Richtung Nong Khai gegangen sein, um anschließend in Laos verkauft zu werden; ein anderer Teil sei direkt nach Bangkok gelangt und dort für den Verkauf in Touristen- und Ausgehvierteln bestimmt gewesen.
Was ist Etomidat und warum heißt es „Zombie“-E-Zigarette?
Ein Polizeisprecher erklärte, Etomidat werde mit E-Liquid vermischt und in Pods injiziert; beim Konsum könne es zu Benommenheit und Gleichgewichtsstörungen kommen, weshalb der Begriff „Zombie“-E-Zigarette kursiere.
Als Richtwerte nannte die Polizei Verkaufspreise von 1.500 bis 2.000 Baht pro Pod sowie etwa 700.000 Baht pro Kilogramm Etomidat, wobei der Preis im Ausland laut Angaben deutlich höher liegen könne.
Vorwürfe und Ermittlungsstand: Teilgeständnisse, weitere Fahndung
Den Beschuldigten werden unter anderem falsche bzw. unvollständige Zollangaben, das Umgehen von Einfuhrbeschränkungen sowie die unerlaubte Einfuhr eines Wirkstoffs der Kategorie 2 zu Handelszwecken und zur Verbreitung vorgeworfen.
Ein Teil der Verdächtigen habe gestanden, andere bestritten die Vorwürfe; die Ermittlungen laufen bei der zuständigen Einheit weiter, um weitere Beteiligte zu identifizieren.



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