Cannabis-König zurück: Rettet Thailands neue Regierung die Gras-Industrie?
Paetongtarn Shinawatra nach Skandal-Telefonat gestürzt
Dramatischer Machtwechsel in Thailand! Das Verfassungsgericht hat am 29. August Premierministerin Paetongtarn Shinawatra wegen schwerwiegender ethischer Verstöße aus dem Amt geworfen – und damit den Weg für den „Cannabis-König“ Anutin Charnvirakul freigemacht! Die 39-jährige Politikerin, die als jüngste Premierministerin in der Geschichte Thailands nur etwa ein Jahr regierte, wurde wegen eines durchgesickerten Telefonats mit Kambodschas Ex-Machthaber Hun Sen entmachtet. In dem brisanten Gespräch vom 15. Juni, das während der eskalierenden Grenzspannungen stattfand, nannte Paetongtarn Hun Sen respektvoll „Onkel“, kritisierte einen hochrangigen thailändischen Armeekommandeur als „Gegner“ und wirkte übermäßig unterwürfig.
Das Gericht bewertete dies mit einer 6:3-Entscheidung als Vertrauensbruch gegenüber dem thailändischen Volk und schweren Schaden für das Amt des Premierministers. Paetongtarn akzeptierte das Urteil mit Fassung und appellierte in einer emotionalen Pressekonferenz im Regierungsgebäude an die nationale Einheit: „In einer Zeit wie dieser müssen alle zusammenkommen, um zur Stabilität unserer Nation beizutragen.“
Cannabis-Champion übernimmt mit Minderheitsregierung die Macht
Jetzt schlägt die Stunde von Anutin Charnvirakul! Der 58-jährige konservative Politiker mit starken royalistischen Verbindungen, der als Gesundheitsminister 2022 Cannabis als erster in Asien entkriminalisierte, steht vor der Übernahme einer Minderheitsregierung. Seine Bhumjaithai-Partei erhielt dabei entscheidende Unterstützung von der pro-demokratischen Volkspartei, dem größten Block im Parlament. Der neue Machthaber, von Medien liebevoll als „Cannabis-König“ und „Cannabis-Champion“ betitelt, demonstrierte seine Prioritäten bereits bei einem Treffen mit potenziellen Kabinettskandidaten am Samstag – er trug ein Cannabis-Print-Hemd!
Anutin hat versprochen, innerhalb von vier Monaten Neuwahlen abzuhalten und Schritte zur Verfassungsreform einzuleiten. Tausende von Shop-Besitzern, Cannabis-Züchtern und anderen Interessensvertretern sehen nun ihre Ängste schwinden, nachdem die Branche unter der Pheu Thai-Regierung massiv unter Druck geraten war. Prasitchai Nunual, Generalsekretär der Interessengruppe „Writing Thailand’s Cannabis Future“, jubelt: „Die Idee, Cannabis wieder als Betäubungsmittel einzustufen, wird unter einer von Bhumjaithai geführten Regierung unwahrscheinlich.“
Gras-Industrie überlebt Verfolgung unter Shinawatra
Die Cannabis-Revolution von 2022 machte Thailand zum Pionier in Asien, doch unter der populistischen Pheu Thai-Regierung begann eine gnadenlose Verfolgung der blühenden Industrie. Ex-Premier Srettha Thavisin drohte 2023 mit der Reklassifizierung als Betäubungsmittel, um ein Wahlversprechen einzulösen, ruderte aber zurück. Unter der jetzt gestürzten Paetongtarn Shinawatra verschärften sich die Repressionen dramatisch: Freizeitkonsum sollte verboten und auf medizinische Zwecke mit ärztlichem Rezept beschränkt werden. Die Behörden führten Tausende Inspektionen durch, schlossen Hunderte von Geschäften und suspendierten Lizenzen. Überwachungsmaßnahmen gegen Schmuggel wurden massiv ausgebaut, nachdem Berichte über einen Anstieg illegaler Lieferungen nach Großbritannien, Indien, Pakistan, Hongkong und andere Ziele auftauchten.
Rattapon Sanrak, Besitzer des Highland Cafe in Bangkoks Backpacker-reichem Khaosan-Viertel und langjähriger Cannabis-Aktivist, beschreibt die dramatischen Auswirkungen: „Die unberechenbare Politik hat es selbst legalen Unternehmen schwer gemacht, über Wasser zu bleiben.“ Die steigenden Kosten für verbesserte Anbaumethoden und die Rezeptpflicht trieben bereits eine große Zahl von Akteuren in den Untergrund.
Neue Hoffnung für Milliardenbranche trotz unsicherer Zukunft
Mit Anutins Machtübernahme erwartet die Cannabis-Industrie eine deutliche Entspannung der Durchsetzungsmaßnahmen. Seine Bhumjaithai-Partei favorisiert einen Mittelweg: Cannabis bleibt entkriminalisiert, aber mit strengeren Regulierungen zur Eindämmung des Freizeitkonsums. Dispensary-Besitzer Rattapon erklärt optimistisch: „Es wird wahrscheinlich weniger Intensität beim Schließen von Geschäften oder bei politischen Schauspielereien geben.“ Doch die Freude könnte nur von kurzer Dauer sein: Da Anutins Regierung möglicherweise nur wenige Monate im Amt bleibt, ist eine große Politikwende unrealistisch.
Prasitchai von „Writing Thailand’s Cannabis Future“ warnt eindringlich: „Es ist besorgniserregend, denn wenn bei der nächsten Wahl eine andere Partei mit anderer Politik gewinnt, wird die Cannabis-Industrie wieder in Aufruhr geraten.“ Die Branche kämpft verzweifelt dafür, dass das geplante Cannabis-Gesetz sofort nach der Bildung einer neuen Regierung nach den Neuwahlen verabschiedet wird. Währenddessen bleibt der Grenzkonflikt mit Kambodscha, der Dutzende Todesfälle und die Vertreibung von über 300.000 Menschen zur Folge hatte, ungelöst und verstärkt die regionalen Spannungen weiter.



