BANGKOK, THAILAND – Nach einem deutlichen Ja zur Neufassung der Verfassung hat Bhumjaithai-Party-Chef Anutin Charnvirakul angekündigt, den Reformprozess zügig voranzutreiben, ohne dabei die grundlegende Staatsordnung und die Monarchie anzutasten. Das klare Votum der Wählerinnen und Wähler wertet er als Auftrag, die politische Architektur schrittweise, aber konsequent zu verändern.
Klare Mehrheit für neue Verfassung
Beim landesweiten Referendum am Sonntag stimmten laut inoffiziellen Zahlen der Wahlkommission rund 19.940.447 Wähler mit Ja für eine neue Verfassung, während 10.531.647 dagegen votierten und 2.886.351 sich enthielten.
Die Abstimmung folgte einem Urteil des Verfassungsgerichts, das eine breite öffentliche Konsultation vorgeschrieben hatte, bevor die geltende Verfassung umfassend überarbeitet werden darf.
Anutin sieht Volkswillen als Auftrag
In der Fernsehsendung „Kammakorn Khao: Khui Nok Jor“ sagte Anutin, die Entscheidung der Bevölkerung dürfe nicht ignoriert werden und der Prozess müsse ohne Verzögerung beginnen.
Er betonte zugleich, dass Kapitel 1 und 2 der Verfassung, in denen die grundlegenden Staatsprinzipien und die Rolle der Monarchie geregelt sind, von Änderungen ausgenommen bleiben sollen.
Vorsichtiger Umgang mit dem Senat
Anutin warnte davor, den Senat oder unabhängige staatliche Institutionen übereilt zu entmachten, und sprach sich für schrittweise Anpassungen innerhalb realistischer Grenzen aus.
Die Abschaffung des Vetorechts des Senats bei Verfassungsänderungen bezeichnete er als äußerst schwierig und verglich die Erwartung, Senatoren sollten ihre eigene Macht beschneiden, mit „einen Berg zu schieben“.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Machtverlust der Senatoren begrenzt
Der Senat sei bereits von der gemeinsamen Wahl des Premierministers ausgeschlossen, sodass weitergehende Eingriffe seine Rolle nahezu vollständig leerlassen würden, erklärte Anutin.
„Das wäre zu viel auf einmal, unser politisches System lässt sich nicht so weit drücken, es gibt andere Akteure, die berücksichtigt werden müssen“, sagte er.
Wahlerfolg stärkt Bhumjaithai
Inoffizielle Wahlergebnisse sehen die Bhumjaithai-Partei (BJT) mit 174 Direktmandaten und 19 Listenplätzen deutlich stärker als bei der vorherigen Parlamentswahl.
Anutin sprach von einem Resultat, das die eigene Prognose von 130 bis 170 Sitzen übertroffen habe, und wertete das Ergebnis als Ausdruck gewachsenen Vertrauens und steigender Erwartungen an die Umsetzung der Parteipolitik.
Koalitionspläne und Opposition
Mit Blick auf die Regierungsbildung sagte Anutin, das Land brauche eine starke und stabile Regierung, und verwies auf mögliche Koalitionsoptionen mit der Pheu Thai Party und der Klatham Party, die zusammen über 300 Sitze im Repräsentantenhaus erreichen könnten.
Eine endgültige Entscheidung über eine Regierungsallianz will er jedoch erst nach Bestätigung der offiziellen Resultate treffen und zeigte sich überzeugt, dass eine oppositionelle Zusammenarbeit von Democrats und PP zwar schlagkräftig, aber für eine auf Good Governance und Transparenz verpflichtete Regierung nicht existenzbedrohend wäre.
📜 Neue Verfassung – echter Wandel oder vorsichtige Reform?
Die Mehrheit sagt Ja zu einer neuen Verfassung, doch zentrale Kapitel bleiben tabu. Zwischen Reformwillen und politischen Grenzen beginnt nun ein heikler Balanceakt.
Steht Thailand vor einem echten Neustart – oder nur vor kosmetischen Änderungen?
Schreib deine Meinung in die Kommentare.


