Anutin wird Premier – Parlament stimmt mit 293 Stimmen zu

Thailands Abgeordnete haben **Anutin Charnvirakul** zum neuen Regierungschef gewählt, nun fehlt nur noch der königliche Schritt – und dann beginnt das Ringen um Ministerposten…

Anutin wird Premier - Parlament stimmt mit 293 Stimmen zu
Bangkok Post / Chanat Katanyu

BANGKOK, THAILAND – Mit 293 Stimmen hat das Parlament Anutin Charnvirakul zum neuen Premierminister gewählt und damit den Weg für eine neue Regierung unter Führung der Bhumjaithai-Partei freigemacht.

Klare Mehrheit im Roll-Call-Votum

Im namentlichen Aufruf im Repräsentantenhaus erhielt Anutin Charnvirakul 293 Stimmen, während Natthaphong Ruengpanyawut von der People’s Party auf 119 Stimmen kam.

Dazu gab es 86 Enthaltungen, abgestimmt wurde bei 498 anwesenden Abgeordneten in einer Kammer mit insgesamt 499 Mandaten.

Der nächste Schritt führt zum König

Nach dem Votum übermittelt Parlamentspräsident Sophon Zaram den Namen des Premierministers in spe an Seine Majestät den König zur Bestätigung per königlichem Befehl.

Erst danach startet formal die Regierungsbildung, inklusive Kabinettsliste, Prüfung der Qualifikationen der Minister und anschließender königlicher Gegenzeichnung.

Zeitplan für Kabinett und Regierungserklärung

Sobald das Kabinett gebilligt ist, muss die neue Regierung ihre Regierungserklärung binnen 15 Tagen im Parlament abgeben.

Erst nach dieser Policy-Rede übernimmt das Kabinett offiziell die administrativen Amtsgeschäfte.

Debatte, Ablauf und die Rolle der Opposition

Die Aussprache endete kurz vor 12.15 Uhr, anschließend begann die Vorbereitung für die offene Abstimmung, bei der die Abgeordneten nach Identifikationsnummern aufgerufen wurden.

Für die Debatte war die Redezeit zwischen Regierungs- und Oppositionslager gleich verteilt, jeweils mit insgesamt rund 70 Minuten.

Natthaphong kandidiert – Symbolik statt Machtprobe

Die People’s Party ließ ihren Vorsitzenden Natthaphong Ruengpanyawut durch Vizechef Rangsiman Rome als Kandidaten vorschlagen, was im Parlament als demonstrativer Schritt der zweitstärksten Kraft gewertet wurde.

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Natthaphong trat vor der Sitzung auch vor Medien auf, doch die Mehrheitsverhältnisse lagen durch die Koalition um Bhumjaithai von Beginn an klar auf der Seite Anutins.

Zwischenrufe und Vorwürfe – Speaker bremst

Rangsiman Rome erntete hörbaren Unmut aus den Reihen von Bhumjaithai, als er Zweifel an Anutins Ehrlichkeit äußerte und unter der aktuellen Übergangsregierung eine „verdächtige“ Lage bei Kraftstoffversorgung an Tankstellen ansprach.

Er verwies zudem auf Umbesetzungen bei Distriktchefs vor der Wahl und die Rolle des Innenministeriums bei der Wahlorganisation, worauf Sophon Zaram mahnte, die Sitzung sei keine Misstrauensdebatte.

Demokraten enthalten sich – Verweis auf Ermittlungen

Abhisit Vejjajiva, Chef der Democrat Party, erklärte, seine Partei könne Anutin nicht unterstützen, weil dieser zu jenen gezählt werde, die mit Ermittlungen zu mutmaßlichem Wahlbetrug bei der Senatswahl 2024 in Verbindung stünden.

Gleichzeitig sagte Abhisit, man könne auch Natthaphong nicht wählen, da die National Anti-Corruption Commission Gründe für ein Ethikverfahren sehe, in Zusammenhang mit früheren Abgeordneten der aufgelösten Move Forward Party und deren Unterstützung einer Änderung des Majestätsbeleidigungs-Paragrafen.

Klatham setzt auf Enthaltung und Fraktionsdisziplin

Der Chefberater der Klatham Party, Thamanat Prompow, kündigte eine Enthaltung seiner Partei an und warnte die eigenen 58 Abgeordneten davor, die Linie zu brechen.

Thamanat begründete dies mit einem gemeinsamen Beschluss und sagte, die Partei müsse nun als Opposition „konstruktiv“ arbeiten, nachdem sie nach Bhumjaithais Entscheidung nicht Teil der Koalition wurde.

Pheu Thai verspricht geschlossene Unterstützung

Julapun Amornvivat, Vorsitzender der Pheu-Thai-Partei, bestätigte am Morgen vor der Abstimmung die einheitliche Unterstützung für Anutin und schloss innerparteilichen Widerspruch aus.

Er sagte zugleich, Hintergrundprüfungen für Ministervorschläge würden in Kürze starten und die anstehenden Gespräche drehten sich zunächst um die Verteilung der Ressorts, über die es bereits Grundsatzabsprachen gebe.

Neuer Speaker und ein weiterer Koalitionsbaustein

Die Sitzung leitete erstmals Sophon Zaram als neuer Parlamentspräsident, zuvor war im Plenum ein königlicher Befehl zur Ernennung des Speakers und seiner Stellvertreter verlesen worden.

Außerdem schloss sich United Thai Nation mit zwei Abgeordneten der Regierung an, nachdem Pirapan Salirathavibhaga als Listenabgeordneter zurücktrat, um Atthawit Suwanphakdee den Einzug ins Parlament zu ermöglichen.

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Quelle: bangkokpost.com

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