Erdbeben-Risiko in Bangkok höher als gedacht

Bangkoks weicher Untergrund könnte Erdbebenwellen bis zu sechsmal verstärken – und zwei Minuten lang nachschwingen. Warum ausgerechnet Hochhäuser besonders gefährdet sind und wie 60 Sekunden Warnzeit Leben retten könnten, lesen Sie hier.

Erdbeben-Risiko in Bangkok höher als gedacht
The Nation

BANGKOK, THAILAND – Thailands Erdbebenforscher Prof. Dr. Pennung Warnitchai warnt, dass Bangkoks weiches Bodenbecken Erdbebenwellen stark verstärken und Erschütterungen bis zu zwei Minuten verlängern kann. Besonders Hochhäuser seien gefährdet – er fordert mehr Schwingungsdämpfer und ein 60‑Sekunden-Frühwarnsystem.

Warum Bangkok stärker gefährdet sein könnte als gedacht

Nach Angaben von Prof. Dr. Pennung Warnitchai, Direktor des Earthquake Research Centre of Thailand, kann Bangkoks Untergrund Erdbebenschwingungen deutlich verstärken und länger anhalten lassen.

Damit sei nicht nur die Entfernung zum Epizentrum entscheidend, sondern vor allem die lokale Geologie der Hauptstadt, die die Belastung für Gebäude erhöhen kann.

Zusammenhang mit der Sagaing-Verwerfung in Myanmar

Warnitchai erklärte, dass jüngste Erdbeben mit Bewegungen entlang der Sagaing Fault in Myanmar in Verbindung standen, insbesondere mit einem Versatz im mittleren Abschnitt der Verwerfung.

Kommt es jedoch zu einem Versatz in einem tieferen Segment näher an Thailand, könnte die Auswirkung auf Bangkok laut ihm deutlich schwerer ausfallen.

Das „weiche Bodenbecken“ als Verstärker für Erdbebenwellen

Messdaten von Vibrations-Monitoringstationen zeigen laut Warnitchai: Außerhalb des weichen Bodenbeckens liegt die maximale Bodenbeschleunigung bei ankommenden Wellen teils nur bei 3–6 mg.

Sobald die Wellen in das Bangkok-Becken eintreten, können sie demnach auf rund 20 mg verstärkt werden – also etwa drei- bis sechsmal stärker.

Lange, langsame Erschütterungen: Bis zu zwei Minuten Zittern

Ein weiteres Merkmal in Bangkok sei ein spezielles Schwingungsmuster: eher langsames, dafür länger anhaltendes Rütteln, das bis zu zwei Minuten dauern könne.

Zudem würden bestimmte Frequenzen besonders verstärkt – etwa Zyklen von rund 1,6, 2,8 und 6,3 Sekunden – was problematisch ist, wenn diese mit den Eigenperioden von Gebäuden zusammenfallen.

Resonanz-Effekt: Warum manche Hochhäuser stärker beschädigt werden

Warnitchai verwies auf Resonanz als Erklärung dafür, warum benachbarte Gebäude unterschiedlich stark betroffen sein können, wenn ihre natürliche Schwingungsdauer zur verstärkten Erdbebenfrequenz passt.

Bei Schadensbewertungen zeigten demnach Hochhäuser um 24 Stockwerke (Schwingungsperiode ca. 2,4 Sekunden) in rund 10% von fast 1.000 untersuchten Gebäuden Schäden.

Sehr hohe Gebäude besonders anfällig: 50% der geprüften Türme beschädigt

Noch deutlich höher sei die Quote bei sehr hohen Gebäuden um 60 Stockwerke (Schwingungsperiode etwa 6 Sekunden): Von sechs untersuchten Gebäuden seien drei beschädigt gewesen, also rund 50% dieser Gruppe.

Die Schäden reichten laut Warnitchai von „grün“ (nichttragende Risse) bis „rot“ (schwere strukturelle Schäden mit verformter Bewehrung) und traten in mehreren Hochhaus-Clustern auf, nicht nur in einem einzelnen Gebiet.

Technische Gegenmaßnahmen: Mehr Dämpfer wie in Japan

Als zentrale ingenieurtechnische Lösung nannte Warnitchai den Einbau von Dampers, also Schwingungsdämpfern, die Vibrationen reduzieren und Energie abbauen.

Viele hohe Gebäude in Thailand hätten derzeit nur eine geringe Dämpfung von etwa 1–2,5%; mit Dampers könne diese auf 5–10% steigen, was die Performance deutlich verbessere – ähnlich wie in Japan.

Frühwarnung mit P-Wellen: Rund 60 Sekunden Zeitgewinn

Warnitchai hob außerdem ein Frühwarnsystem hervor, das schnelle P‑Wellen nutzt, die vor den zerstörerischeren S‑Wellen eintreffen.

Messungen am Queen Sirikit National Convention Centre deuteten darauf hin, dass Bangkok etwa eine Minute Vorwarnzeit haben könnte – genug, um kritische Systeme zu stoppen oder Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Geplante Überwachung von Gebäuden in Bangkok und Nordthailand

Das Forschungszentrum wolle im kommenden Jahr in mindestens 20 Pilotgebäuden Mess- und Überwachungstechnik zur strukturellen Zustandskontrolle installieren.

Geplant seien Standorte in Bangkok, Chiang Mai und Chiang Rai, um die Sicherheit zu erhöhen und Thailands Infrastruktur näher an internationale Standards zu bringen.

Deine Meinung

Wie gut ist Bangkok aus deiner Sicht auf stärkere Erdbeben vorbereitet – und sollten Schwingungsdämpfer sowie verpflichtende Nachrüstungen für Hochhäuser stärker reguliert werden?

Diskutiere mit: Würdest du ein 60‑Sekunden-Frühwarnsystem im Alltag als realen Sicherheitsgewinn sehen, und welche Maßnahmen sollten Behörden und Gebäudebetreiber deiner Meinung nach zuerst umsetzen?

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Quelle: Manuell

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