Bangkok-Wahlskandal: 250 Millionen Baht unter Verdacht

Bangkok-Wahlskandal: 250 Millionen Baht unter Verdacht
Thai Rath

BANGKOK, THAILAND – Wenige Tage vor der Parlamentswahl untersuchen die Wahlbehörden ungewöhnliche Barabhebungen von insgesamt 250 Millionen Baht, während parallel schwere Vorwürfe zu Stimmenkauf und Machtmissbrauch den Wahlkampf überschatten. Trotz wachsender Sorgen über Wahlmanipulation mahnt die Spitze der Wahlkommission zu Zurückhaltung und verweist darauf, dass die bloße Vorbereitung von Geld für möglichen Stimmenkauf noch keinen Straftatbestand darstellt.

Verdächtige Millionenabhebungen im Fokus

Der Generalsekretär der Wahlkommission, Sawaeng Boonmee, bestätigte, dass seine Behörde am 30. Januar von der Zentralbank Informationen über Barabhebungen in Höhe von 250 Millionen Baht erhalten habe, die als ungewöhnlich eingestuft würden.

Nach seinen Angaben verteile sich das Geld auf Konten von sechs Inhabern und sei über Filialen kommerzieller Banken abgehoben worden, doch müsse zunächst geklärt werden, ob es sich um geschäftliche Transaktionen oder um wahlbezogene Vorgänge handle.

Ermittlungen und rechtliche Grauzonen

Die Daten seien umgehend an ein spezielles Ermittlungsteam weitergeleitet worden, das prüfen solle, ob es Verbindungen zu politischen Parteien, Kandidaten oder Wahlkreisen gebe und zu welchem Zweck die Mittel bereitgestellt wurden.

Sawaeng betonte, eine Verbindung zum Stimmenkauf könne derzeit nicht unterstellt werden, da es für eine strafrechtliche Bewertung zwingend eines Nachweises bedürfe, dass Gelder tatsächlich an Wähler verteilt oder zur Beeinflussung des Urnengangs eingesetzt worden seien.

Kooperation der Behörden und offene Zuständigkeiten

Parallel dazu habe die Wahlkommission die Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLO) eingeschaltet, die insbesondere die Herkunft der Gelder prüfen und mögliche Verdachtsmomente im Finanzsystem identifizieren solle.

Rechtsexperten verweisen laut Sawaeng darauf, dass Fragen der Wahlkorruption, der Geldwäsche und der Amtsdelikte gleichzeitig in die Zuständigkeit der Wahlkommission, der Nationalen Antikorruptionskommission, der Polizei, der DSI und weiterer Stellen fallen, was die Koordination erschwere.

Rückschlag in getrenntem Senatsfall

Als Beispiel für solche Schwierigkeiten wird auf ein anderes Ermittlungsverfahren verwiesen, in dem die DSI in dieser Woche einen Rückschlag in einem mutmaßlichen Komplott im Zusammenhang mit der Senatswahl 2024 hinnehmen musste.

In diesem Fall verzichteten Staatsanwälte auf Anklagen gegen acht Verdächtige mit der Begründung, nicht alle mutmaßlich Beteiligten seien erfasst worden und zunächst müsse die Wahlkommission prozedurale Schritte setzen, bevor ein Verfahren fortgeführt werden könne.

Vorwürfe aus den Provinzen

Der frühere stellvertretende Premierminister Phumtham Wechayachai warnte öffentlich vor zunehmenden Unregelmäßigkeiten und erklärte, seine Pheu-Thai-Partei habe aus mehreren Provinzen Beschwerden über Stimmenkauf, Einschüchterung und den Einsatz staatlicher Macht gegen politische Gegner erhalten.

Er nannte unter anderem die Provinzen Kanchanaburi, Sisaket, Kalasin und Ubon Ratchathani, wo das Verhalten einzelner Amtsträger nach seinen Angaben besonders bedenklich sei, da Parteifunktionäre mit staatlicher Autorität in die Vorgänge verstrickt sein sollen.

Machtmissbrauch und Druck vor Ort

Laut Phumtham sollen staatliche Beamte während des Wahlkampfs gezielt zu politischem Handeln angewiesen worden sein, was die gebotene administrative Neutralität auf mehreren Ebenen untergraben habe.

Zudem beschrieb er ein Netzwerk aus Dorfvorstehern und örtlichen Polizeibeamten, die demnach als politische Werber für Kandidaten ihrer eigenen Lager eingesetzt worden seien, während konkurrierende Bewerber unter Druck gesetzt worden seien.

Einschüchterung und angeblich massiver Stimmenkauf

Zu den geschilderten Einschüchterungspraktiken zählten nach seinen Darstellungen Drohungen gegen Gegenkandidaten sowie Druck über offizielle Kanäle, dem im Gegenzug Karrierevorteile oder andere Vergünstigungen in Aussicht gestellt worden seien.

Beim Thema Stimmenkauf sprach Phumtham von einem Ausmaß, das nach seiner Einschätzung größer sei als bei früheren Wahlen, was das Vertrauen der Bevölkerung in die Integrität des Wahlsystems untergrabe und faire Konkurrenzbedingungen beschädige.

Verstärkte Überwachung landesweit

Die Wahlkommission hat nach Angaben von Sawaeng alle Provinzen nach Intensität des politischen Wettbewerbs eingestuft, wobei 35 Provinzen als normal und 42 als besonders umkämpft gelten, für die ein höheres Risiko von Unregelmäßigkeiten angenommen wird.

In diesen Hochrisikogebieten wurden Überwachung und Kontrollen verstärkt, wobei Einsatzkräfte und Mittel gezielt dorthin verlagert wurden und Anweisungen an die örtlichen Wahlhelfer ergangen seien, verdächtige Vorgänge sofort zu melden.

Polizei im Großeinsatz vor dem Wahltag

Darüber hinaus sei nach seinen Angaben etwa die Hälfte der nationalen Polizeikräfte als schnelle Eingreiftruppen mobilisiert worden, um Wahlkreise vor dem Urnengang zu kontrollieren und rasch auf Störungen reagieren zu können.

Zusätzlich wurden Wahlinspektoren und lokale Demokratie- und Wahlförderräte in den Unterdistrikten aktiviert, die verdächtige Aktivitäten dokumentieren und an die Zentrale weiterleiten sollen, wodurch die Überwachungsdichte in den entscheidenden Tagen deutlich ansteige.

Gerüchte, Erfahrungen und Appelle an die Wähler

Sawaeng räumte ein, dass in der heißen Phase des Wahlkampfs zahlreiche Gerüchte über Stimmenkauf kursierten, betonte jedoch, dass bislang keine Fälle mit hinreichend gesicherten Beweisen bestätigt seien und sich die meisten Beschwerden auf Verfahrens- und Verwaltungsfragen bezögen.

Er verwies zugleich darauf, dass Stimmenkauf erfahrungsgemäß vor allem in der letzten Wahlkampfwoche zunehme und warnte, dass insbesondere um den 1. Februar herum die Risiken erfahrungsgemäß am größten seien, weshalb Präventionsmaßnahmen jetzt im Vordergrund stünden.

Phumthams Online-Warnung und offene Fragen

In einem Beitrag vom 30. Januar schilderte Phumtham in sozialen Medien bekannte Muster früherer Wahlphasen, darunter Stimmenkauf, staatliche Einflussnahme und Belästigung von Kandidaten, und kritisierte, dass bestehende Regeln von manchen Verantwortlichen ignoriert würden.

Er appellierte erneut an die Wähler, sich nicht von Geld leiten zu lassen, sondern unabhängig zu entscheiden, während die Wahlkommission auf die verstärkte Beobachtung und laufende Untersuchungen verweist, ohne bislang konkret zu seinen Vorwürfen Stellung zu nehmen.

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Verdächtige Millionenabhebungen, Vorwürfe der Einschüchterung und Sorgen über Machtmissbrauch setzen das Wahlsystem unter Druck. Behörden reagieren mit verstärkter Überwachung.
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Quelle: Thai Examiner

Ein Kommentar zu „Bangkok-Wahlskandal: 250 Millionen Baht unter Verdacht

  1. In unserem Wahlbezirk wurde das Wahlplakat eines Kandidaten mit Flüssigkleber an Wände, Zäune, Mauern geklebt. Bei uns an den braun gestrichenen Zementpfosten einer Gartentür. Wenn man das Plakat abreißen will bleibt der Kleber und Papierfetzen immer noch am Pfeiler. Sauerei. Sachbschädigung. Bin sauer.

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