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Bankkonto eingefroren: Was nun?

Bankkonto eingefroren: Was nun?
Gemini AI

Warum selbst Testamentsvollstrecker vor verschlossenen Türen stehen – und welcher bürokratische Marathon auf Erben wartet

Der Schock am Schalter

Thomas steht in Thailand ratlos vor der Bankangestellten. In der Hand hält er das Testament seines verstorbenen Freundes und dessen Sparbuch. Er ist als Testamentsvollstrecker eingesetzt und möchte nur die Beerdigungskosten abheben.

Die freundliche Mitarbeiterin lächelt und schüttelt den Kopf. „Mai dai“ – das geht nicht. Das Konto ist bereits gesperrt. Thomas lernt auf die harte Tour: Ein deutsches Testament reicht in Thailand nicht aus.

Die eiserne Regel der Banken

Sobald eine thailändische Bank vom Tod eines Kontoinhabers erfährt, friert sie das Konto kompromisslos ein. Dies geschieht zum Schutz der Erbmasse und zur Vermeidung eigener Haftungsrisiken.

Ohne formellen Gerichtsbeschluss bewegt sich kein einziger Baht mehr. Selbst wenn dringende Rechnungen für Krankenhaus oder Einäscherung anstehen, gibt es keine Ausnahme. Die Banken riskieren nicht, später von weiteren Erben haftbar gemacht zu werden.

Das wertlose Papierstück

Viele Ausländer wiegen sich in falscher Sicherheit. Sie haben ein Testament in ihrer Heimat verfasst, das auch thailändische Vermögenswerte abdeckt. Doch für thailändische Behörden ist dieses fremdsprachige Dokument zunächst wertlos.

Damit das Testament anerkannt wird, muss es in einem aufwendigen Verfahren vom thailändischen Gericht validiert werden. Die Bankangestellten haben weder Befugnis noch Kompetenz, um die Gültigkeit ausländischer Testamente am Schalter zu prüfen.

Der Schlüssel zum Tresor

Der einzige Weg führt über den „Estate Administrator“ – einen gerichtlich bestellten Nachlassverwalter. Nur wer diesen Titel durch einen thailändischen Gerichtsbeschluss trägt, darf über die Konten verfügen.

Selbst wenn man im Testament als Executor benannt ist, muss diese Rolle erst durch ein thailändisches Gericht bestätigt werden. Man muss nicht nur Erbe sein, sondern offiziell zum Verwalter ernannt werden.

Der Marathon der Dokumente

Bevor man überhaupt an den Gang zum Gericht denken kann, beginnt ein bürokratisches Martyrium. Die Sterbeurkunde ist das erste, unverzichtbare Dokument und muss im Original vorliegen.

Stirbt der Ausländer im Heimatland, muss die dortige Sterbeurkunde übersetzt, notariell beglaubigt und von der thailändischen Botschaft legalisiert werden. Dieser Prozess allein kann Wochen dauern und kostet erhebliche Gebühren.

Die Übersetzungsmaschinerie

Alle Dokumente, die nicht auf Thai verfasst sind, müssen professionell übersetzt werden. Einfache Übersetzungen reichen nicht aus. Sie müssen von zertifizierten Büros angefertigt und oft vom thailändischen Außenministerium überbeglaubigt werden.

Dies betrifft Testament, Reisepässe der Erben, Heiratsurkunden und Verwandtschaftsnachweise. Jeder Stempel kostet Geld und Zeit. Ohne diese Stempelkette wird das Gericht den Antrag nicht annehmen.

Der unvermeidliche Anwalt

Ohne anwaltliche Hilfe ist das Verfahren für Ausländer praktisch unmöglich zu bewältigen. Die Gerichtssprache ist Thai, und die Anträge müssen formgerecht eingereicht werden.

Ein Anwalt bereitet den Antrag auf Ernennung zum Nachlassverwalter vor und reicht ihn beim zuständigen Provinzgericht ein. Die Wahl des richtigen Anwalts ist entscheidend – seriöse Kanzleien verlangen Pauschalen, unseriöse versuchen, prozentuale Anteile des Erbes herauszuschlagen.

Die Kostenfalle

Die Anwaltskosten sind erheblich. Für ein Standardverfahren werden zwischen 30.000 und 50.000 Thai Baht aufgerufen, was beim aktuellen Kurs etwa 810 bis 1.350 Euro entspricht.

In komplexen Fällen oder bei renommierten internationalen Kanzleien können die Kosten schnell auf 100.000 Baht oder mehr steigen. Es empfiehlt sich dringend, Preise zu vergleichen und vorab einen Festpreis zu vereinbaren.

Die gesetzliche Wartezeit

Nach Einreichung des Antrags mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Es gibt eine gesetzliche Wartezeit von etwa 45 Tagen, bevor der Fall überhaupt verhandelt wird.

Diese Frist dient dazu, möglichen anderen Erben oder Gläubigern die Chance zu geben, Einspruch zu erheben. Wer auf schnelles Geld hofft, wird bitter enttäuscht. Geduld ist die wichtigste Währung in diesem Prozess.

Persönliches Erscheinen Pflicht

Ein überraschender Punkt für viele Erben: Die Pflicht zum persönlichen Erscheinen vor Gericht. Der potenzielle Nachlassverwalter muss vor dem Richter treten und unter Eid aussagen, die Aufgabe gewissenhaft zu erfüllen.

Dies bedeutet für Erben im Ausland zwingend eine Reise nach Thailand. Die Reisekosten kommen zu Anwalts- und Gerichtskosten hinzu und müssen vorgestreckt werden. Eine Vollmacht reicht in der Regel nicht aus.

Der Gerichtstermin

Der eigentliche Termin vor Gericht ist oft kurz und unspektakulär. Wenn alle Papiere korrekt sind und niemand Einspruch erhoben hat, stellt der Richter ein paar Routinefragen zur Beziehung zum Verstorbenen.

Doch mit dem mündlichen Richterspruch ist es nicht getan. Das Gericht benötigt nach der Anhörung oft einen weiteren Monat, um das offizielle Urteil schriftlich auszufertigen und mit allen Siegeln zu versehen.

Das magische Dokument

Erst wenn das schriftliche Urteil mit dem roten Garuda-Siegel vorliegt und eine weitere Rechtsmittelfrist verstrichen ist, erhält man das „Red Garuda Document“. Dies ist der ersehnte Schlüssel zu den Bankkonten.

Mit diesem Dokument kann der ernannte Verwalter endlich zur Bank gehen. Doch auch die Bank prüft das Papier nochmals intern, was weitere Tage bis Wochen dauern kann, bevor die Konten freigegeben werden.

Der Mythos der Abkürzung

In Expat-Foren kursieren Gerüchte über „Abkürzungen“ oder „Shortcuts“, die gegen Schmiergeld möglich sein sollen. Seriöse Berater warnen jedoch eindringlich davor.

Banken sind streng reguliert, und Mitarbeiter riskieren ihren Arbeitsplatz, wenn sie Gelder ohne Gerichtsbeschluss freigeben. Wer versucht, den Prozess illegal zu beschleunigen, riskiert Betrugsanzeigen und den kompletten Verlust des Erbes.

Die ATM-Grauzone

Viele Ehepartner oder Freunde kennen die PIN des Verstorbenen und heben kurz nach dem Tod Geld am Automaten ab. Das ist technisch möglich, solange die Bank nichts vom Tod weiß, aber rechtlich hochriskant.

Dies gilt als unbefugter Zugriff auf den Nachlass und kann als Diebstahl gewertet werden, besonders wenn später Streit mit anderen Erben entsteht. Es ist eine Grauzone, die schnell ins Kriminelle abrutschen kann.

Gemeinschaftskonten kein Schutz

Selbst Gemeinschaftskonten bieten keine Garantie für sofortigen Zugriff. Je nach Art des Kontos – „Und-Konto“ versus „Oder-Konto“ – kann die Bank auch hier den Anteil des Verstorbenen einfrieren.

Oft wird das gesamte Konto gesperrt, bis geklärt ist, wem welcher Anteil zusteht. Ein Gemeinschaftskonto bietet also nicht den automatischen Schutz, den viele Paare sich davon erhoffen.

Die Gefahr des Verschwindens

Berichte aus der Expat-Community zeigen: Verzögerungen können gefährlich sein. Es gab Fälle, in denen Vermieter oder Dritte Zugang zur Wohnung hatten und Wertsachen verschwanden, bevor der Nachlassverwalter ernannt war.

Je länger das Verfahren dauert, desto größer ist das Risiko, dass bewegliche Güter „Füße bekommen“. Eine schnelle Sicherung der Wohnung durch Vertrauenspersonen ist daher essenziell.

Das thailändische Testament als Lösung

Ein separates Testament nur für thailändische Vermögenswerte vereinfacht den Prozess drastisch. Es ist auf Thai verfasst, folgt thailändischem Recht und muss nicht übersetzt oder legalisiert werden.

Dies spart erheblich Zeit und Kosten im Vergleich zur Durchsetzung eines ausländischen Testaments. Experten raten jedem mit Vermögen in Thailand dringend zu dieser Zweiteilung der Testamente.

Realistische Zeitplanung

Zusammenfassend muss man realistisch mit einem Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten rechnen. Von der Beauftragung des Anwalts bis zur tatsächlichen Auszahlung vergeht selten weniger Zeit.

In komplizierten Fällen – etwa wenn Dokumente aus dem Ausland fehlen oder Streit unter den Erben herrscht – kann sich der Prozess auch über ein Jahr hinziehen. Geduld und Durchhaltevermögen sind unerlässlich.

Die Transferhürde

Ist das Geld endlich freigegeben, folgt die nächste Hürde: der Transfer ins Ausland. Thailändische Banken verlangen umfangreiche Nachweise über die Herkunft der Gelder, um sie in Euro umtauschen und überweisen zu dürfen.

Bei einem Kurs von etwa 37 Baht für einen Euro (Stand Anfang 2026) können Wechselkursverluste und Transfergebühren die Erbschaftssumme nochmals schmälern. Die Überweisung sollte sorgfältig geplant werden.

Steuerfragen nicht vergessen

Neben den thailändischen Verfahren müssen Erben auch die steuerlichen Implikationen im Heimatland beachten. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben unterschiedliche Regelungen zur Erbschaftssteuer.

Doppelbesteuerungsabkommen existieren, aber deren Anwendung ist komplex. Ein spezialisierter Steuerberater sollte frühzeitig eingebunden werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Die emotionale Belastung

Neben den finanziellen und zeitlichen Kosten ist die emotionale Belastung nicht zu unterschätzen. Trauernde müssen sich gleichzeitig mit einem undurchsichtigen Rechtssystem auseinandersetzen.

Die Kombination aus Trauer, Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden und bürokratischen Hürden führt oft zu Überforderung. Professionelle Hilfe und emotionale Unterstützung sind in dieser Phase unverzichtbar.

Vorsorge für den Ernstfall

Um Hinterbliebenen dieses Chaos zu ersparen, sollten Expats umfassend vorsorgen. Ein thailändisches Testament ist Pflicht. Ebenso eine Liste aller Konten und Zugangsdaten an einem sicheren Ort.

Zudem sollte genügend Bargeld für unmittelbare Kosten – Beerdigung, laufende Rechnungen – außerhalb des Bankkontos verfügbar sein. Idealerweise auf einem Konto, auf das eine Vertrauensperson Zugriff hat.

Die Rolle der Botschaft

Die deutsche, österreichische oder Schweizer Botschaft in Bangkok kann bei praktischen Fragen helfen, etwa bei der Beschaffung von Dokumenten oder der Vermittlung von Anwälten.

Allerdings können Botschaften keine Rechtsberatung leisten oder in laufende Verfahren eingreifen. Ihre Rolle ist begrenzt auf konsularische Unterstützung und administrative Hilfestellungen.

Besondere Risiken bei Immobilien

Besitzt der Verstorbene neben Bankkonten auch Immobilien in Thailand, wird das Verfahren noch komplexer. Landbesitz unterliegt zusätzlichen Restriktionen für Ausländer.

Die Übertragung von Eigentumswohnungen oder Häusern auf Erben erfordert separate Verfahren beim Landamt. Dies kann weitere Monate hinzufügen und zusätzliche Kosten verursachen.

Der Faktor Zeit

Zeit ist im gesamten Prozess der kritische Faktor. Fristen müssen eingehalten, Dokumente rechtzeitig beschafft werden. Versäumnisse können das Verfahren um Monate verlängern.

Wer berufstätig ist und nicht beliebig lange in Thailand bleiben kann, muss strategisch planen. Unter Umständen sind mehrere Reisen notwendig, was Kosten und Komplexität weiter erhöht.

Die Lehren für Lebende

Die geschilderten Schwierigkeiten zeigen: Nachlassplanung in Thailand erfordert spezifisches Wissen und proaktives Handeln. Wer sein Vermögen über Ländergrenzen hinweg verteilt, muss entsprechend planen.

Ein thailändisches Testament, klare Kontovollmachten für Vertrauenspersonen und ausreichende Liquidität außerhalb gefrorener Konten sind die Grundpfeiler vernünftiger Vorsorge.

Professionelle Unterstützung unverzichtbar

Der Versuch, diesen Prozess ohne professionelle Hilfe zu bewältigen, ist zum Scheitern verurteilt. Die Investition in einen kompetenten Anwalt zahlt sich durch Zeitersparnis und Vermeidung von Fehlern aus.

Bei der Auswahl sollte man auf Erfahrung mit Erbfällen von Ausländern achten, auf transparente Preisgestaltung und auf Empfehlungen aus der Expat-Community. Billiger ist nicht immer besser.

Fazit: Keine einfachen Lösungen

Der Zugriff auf das Bankkonto eines verstorbenen Ausländers in Thailand ist kein automatischer Vorgang, sondern ein komplexes juristisches Verfahren. Es gibt keine legalen Abkürzungen, nur den steinigen Weg über das Gericht.

Die Kombination aus unterschiedlichen Rechtssystemen, Sprachbarrieren und bürokratischen Anforderungen macht den Prozess zu einem Marathon. Nur wer diesen Realitäten ins Auge blickt und entsprechend vorsorgt, kann seinen Erben unnötiges Leid ersparen.

Die einzige wirksame Prävention

Wer seinen Erben monatelangen Stress, hohe Kosten und emotionale Belastung ersparen will, regelt seinen Nachlass zu Lebzeiten professionell. Ein thailändisches Testament, verfasst mit anwaltlicher Hilfe, ist das wichtigste Instrument.

Ohne dieses Dokument wird die Trauerzeit schnell zum bürokratischen Spießrutenlauf. Die Zeit und das Geld, die man zu Lebzeiten in ordnungsgemäße Nachlassplanung investiert, sind die beste Investition für die Hinterbliebenen.


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2 Kommentare zu „Bankkonto eingefroren: Was nun?

  1. Werte WB Redaktion: Danke für diesen Artikel!
    Mein Rat als Jurist und als Farang: NIEMALS hohe Bankguthaben, andere Vermögenswerte oder Immobilien in Thailand halten!!! Wer ein Haus braucht zum glücklich sein, okay. Dann aber mieten, jedoch NIEMALS kaufen oder bauen! Und schon gar nicht in Thailand…. 🇹🇭💶💵💸

  2. was mich umtreibt ist folgende frage :
    mein konto wird, wenn die bank von meiner loeffelabgabe kenntnis bekommt eingefroren !
    was passiert mit dem konto wenn es kein testament , keine gesetzlichen erben gibt , ich kann mir vorstellen das die botschaft recherchiert um moegliche erben zu finden in D , koennen sie aber nicht da es keine gibt ! ! ? ?
    waere fuer einen tipp dankbar🙏

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