Sehr geehrte Redaktion, liebe Leserinnen und Leser,
ich wende mich heute mit einem Erfahrungsbericht an Sie, der gleichzeitig eine drängende Frage an die Redaktion und die Leserschaft aufwirft: Ist es in Thailand mittlerweile gängige Praxis, dass benachbarte Einwanderungsbehörden völlig unterschiedliche, teils absurde Maßstäbe anlegen?
Vor zwei Monaten bin ich nach drei wunderbaren Jahren in Bangkok in die benachbarte Provinz Samut Prakan gezogen. Mein neues Zuhause liegt exakt an der Grenze; die gegenüberliegende Straßenseite gehört noch zur Hauptstadt. Dennoch musste ich bei meinem jüngsten Besuch der dortigen Einwanderungsbehörde zur Verlängerung meines Rentnervisums feststellen, dass ich bürokratisch gesehen scheinbar in einer völlig anderen Welt gelandet bin.
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Der erste Eindruck der Behörde war bereits ernüchternd. Die offizielle Webseite existiert nahezu ausschließlich auf Thailändisch, englische Informationen sind eine absolute Seltenheit. Vor Ort bot sich ein wenig einladendes Bild: Es mangelte massiv an Sitzgelegenheiten für die vielen wartenden Ausländer, und das Personal trat, von einer einzigen lobenswerten Ausnahme abgesehen, überaus unhöflich und abweisend auf.
Der eigentliche Hürdenlauf begann bereits bei der initialen Dokumentenprüfung am Informationsschalter, die zwingend erforderlich ist, um überhaupt eine Wartenummer zu erhalten. Zu meiner großen Verwunderung verlangte man dort nicht nur meine aktuelle Wohnsitzmeldung, das sogenannte TM30-Formular, sondern auch jenes Dokument, welches mir mein vorheriger Vermieter in Bangkok vor über einem Jahr ausgestellt hatte.
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Eine solche Forderung entbehrt für mich jeder Logik. Nur durch einen glücklichen Zufall und einen eiligen Anruf bei meiner Partnerin, die eine Kopie dieses alten Dokuments auf ihrem Computer gespeichert hatte, konnte ich diese erste Hürde nehmen.
Als ich mit dem ausgedruckten Alt-Dokument zurückkehrte, wurde ich direkt mit der nächsten lokalen Eigenheit konfrontiert. Meine vorbereiteten Passkopien wurden abgelehnt. Während in Bangkok stets nur die Kopien der relevanten, gestempelten Seiten gefordert wurden, besteht die Behörde in Samut Prakan ausnahmslos auf Kopien jeder einzelnen Passseite, inklusive aller völlig leeren Blätter.
Die Beamtin betonte dabei sehr deutlich, dass hier eben nicht Bangkok sei. Nach einem unumgänglichen Besuch im nahegelegenen Copyshop stellte ich mich zum dritten Mal an, erhielt endlich meine Wartenummer und musste sogleich feststellen, dass meine sorgfältige Vorbereitung am heimischen Computer völlig umsonst war.
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Alle Formulare, die ich von der offiziellen Webseite der Einwanderungsbehörde in Bangkok heruntergeladen und sauber maschinell ausgefüllt hatte, wurden in den Mülleimer befördert. In Samut Prakan existieren eigene Formulare, und diese müssen zwingend handschriftlich ausgefüllt werden. Einzig das Standardformular TM7 wurde akzeptiert.
Nachdem meine Nummer endlich aufgerufen wurde, glaubte ich mich fast am Ziel. Doch am Sachbearbeiterschalter nahm die Absurdität weiter ihren Lauf. Der Beamte bemängelte nun, dass auf dem mühsam beschafften, alten TM30-Formular aus Bangkok die Ausweiskopie des damaligen Wohnungsbesitzers fehle. Ohne diese Kopie weigerte er sich, den Antrag weiterzubearbeiten.
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In meiner Verzweiflung durchsuchte ich meinen Cloud-Speicher auf dem Mobiltelefon und fand tatsächlich den alten Mietvertrag samt angehängter Ausweiskopie. Ich bot an, diese Datei umgehend auszudrucken. Der Beamte verglich den Namen auf meinem Handydisplay mit dem Dokument und schien zunächst zufrieden, bis er mich mit einer weiteren, völlig unerwarteten Forderung konfrontierte: Das Dokument reiche nicht, man benötige zwingend auch die persönliche Telefonnummer dieses alten Vermieters.
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Mein Einwand, dass ich mein Visum in Bangkok bereits dreimal problemlos und ohne jemals Kontakt zum Eigentümer gehabt zu haben über eine Agentur verlängert hatte, stieß auf taube Ohren. Ich bot die Nummer der Agentur an, doch die Antwort des Beamten war so kurz wie endgültig: Bangkok sei Bangkok, und hier sei Samut Prakan. Abgelehnt. Es kostete mich eine weitere halbe Stunde bangen Wartens und etliche Telefonate meiner Partnerin mit der Hausverwaltung in Bangkok, bis ich diese völlig irrelevante Telefonnummer präsentieren konnte.
Während der nun folgenden, peniblen Prüfung meiner Finanzen trat ein Problem zutage, das ich ehrlicherweise selbst verschuldet hatte. In den drei Monaten nach meiner letzten Visumserteilung war mein Kontostand für exakt sechs Tage unter die geforderte Summe von 800.000 Baht gerutscht. Die Differenz betrug lediglich rund 55.000 Baht, und unmittelbar danach flossen Millionenbeträge aus dem Ausland auf dieses Konto, mit denen ich thailändische Immobilien erwarb.
Dennoch war die Regel formal gebrochen. Ich hatte diesen kurzen Engpass schlichtweg vergessen. Mein absolutes Glück im Unglück war, dass ich kurz vor diesem finanziellen Engpass ein zweites thailändisches Bankkonto eröffnet hatte, welches ich eigentlich nur für alltägliche Kleinigkeiten nutzte. Dieses Konto wies in der fraglichen Zeit exakt die Deckung auf, die mir auf dem Hauptkonto fehlte.
Nachdem ich in der Mittagspause hastig die Kontoauszüge der Zweitbank besorgt hatte, begann eine geradezu absurde Prüfungsprozedur. Zwei Beamtinnen rechneten mit spitzer Bleistiftmine und Taschenrechner für jeden der fraglichen sechs Tage die Salden beider Konten zusammen, bevor eine Vorgesetzte schließlich ihr Nicken dazu gab. Ich wurde fotografiert, erhielt einen Pager und wartete erleichtert auf meinen Pass.
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Als mir das Dokument schließlich überreicht wurde, folgte der letzte und massivste Schock des Tages. Statt der regulären Verlängerung um ein Jahr befand sich lediglich ein Stempel für einen einzigen Monat in meinem Pass. Auf meine fassungslose Nachfrage am Schalter wurde mir lapidar erklärt, dass jeder Ausländer nach einem Umzug nach Samut Prakan zunächst nur ein einmonatiges Visum erhalte.
In dieser Zeit werde ein Kontrolleur der Behörde unangekündigt bei mir zu Hause erscheinen, um persönlich zu überprüfen, ob ich dort auch wirklich lebe. Die Tatsache, dass ich die Wohnung, in der ich lebe, selbst gekauft habe und besitze, interessierte den Beamten nicht im Geringsten. In 30 Tagen müsse ich erneut vorstellig werden, um bei positivem Inspektionsbericht das restliche Jahr genehmigt zu bekommen.
Liebe Redaktion, liebe Leser, ich frage mich ernsthaft: Ist das die viel gepriesene thailändische Gastfreundschaft gegenüber ausländischen Investoren und Rentnern? Wie kann es sein, dass nationale Einwanderungsgesetze von Provinz zu Provinz derart willkürlich und schikanös ausgelegt werden? Haben andere Leser ähnliche, nervenaufreibende Erfahrungen an Provinzgrenzen gemacht?
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Für mich persönlich habe ich aus diesem Behörden-Wahnsinn meine Konsequenzen gezogen. Der Stress, die Respektlosigkeit und der immense bürokratische Aufwand stehen in keinem Verhältnis zur Lebensqualität. Sollte jemand der Leser Interesse am Erwerb einer Eigentumswohnung in Samut Prakan haben, so trete ich gerne in Kontakt. Mein Entschluss steht unumstößlich fest: Ich werde diese Provinz schnellstmöglich verlassen und nach Bangkok zurückkehren.
Mit freundlichen Grüßen,
Fritz
Anmerkung der Redaktion:
Die Schilderungen des Autors spiegeln seine persönlichen Erfahrungen wider. Es ist bekannt, dass die Anforderungen und administrativen Abläufe bei den thailändischen Einwanderungsbehörden je nach Provinz und teilweise sogar nach zuständigem Beamten variieren können. Wir laden unsere Leserinnen und Leser herzlich ein, uns ihre eigenen Erfahrungen mit der Verlängerung von Visa in verschiedenen Landesteilen mitzuteilen. Entsprechen diese den Erlebnissen des Autors oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie uns!



da wähnt man sich in einer psychiatrischen Klinik!