BANGKOK – Ein ungeheuerlicher Fehler erschüttert Thailands Behörden: Ein mutmaßlicher Vergewaltiger und Mörder ist nicht in Handschellen – er wurde versehentlich nach Myanmar deportiert. Die Polizei stand vor leeren Zellen und muss jetzt mühsam die Jagd neu aufnehmen.
Tragischer Mord und erste Festnahme
Alles begann am 11. November in der nördlichen Provinz Tak. Eine thailändische Frau wurde nach Polizeiangaben vergewaltigt und ermordet. Der Verdacht fiel schnell auf einen migrantischen Arbeiter aus Myanmar, identifiziert als Thonta Aung.
Bereits am 15. November wurde der Verdächtige an die Einwanderungsbehörde im Bezirk Mae Sot übergeben. Noch am selben Tag schickten die Ermittler einen offiziellen Brief: Die Abschiebung solle ausgesetzt werden, der Mann sei ein mutmaßlicher Mörder.
Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch noch keinen Haftbefehl. Die Polizei wartete auf die Ergebnisse der DNA-Analyse, um die Beweislage abzusichern.
Fataler Fehler trotz schriftlicher Warnung
Doch dann passierte das Unglaubliche. Trotz des schriftlichen Stopp-Signals der Polizei setzten die Einwanderungsbeamten in Mae Sot den Verdächtigen einen Tag später, am 16. November, zusammen mit 49 anderen Myanmar-Migranten über die Grenze ab.
Die Beamten vor Ort beharren darauf, keinen entsprechenden Bescheid erhalten zu haben. Ein klarer Fall von Kommunikations-Chaos oder schlimmer.
Am 18. Dezember war es dann so weit: Der Haftbefehl lag endlich vor. Die Polizei vom Revier Pawor erschien bei der Einwanderungsbehörde, um Thonta Aung abzuholen – und fand leere Zellen vor. Der Gesuchte war bereits seit einem Monat außer Landes.
Großes Nachspiel: Kommission soll Schuldige finden
Die Empörung ist groß. Der Kommandeur der Einwanderungsabteilung 5, Polizeigeneral Major Sarawut Khonyai, hat eine sofortige Untersuchung angeordnet.
Eine Faktenfindungskommission wird klären, ob es sich um ein Versehen oder vorsätzliches Handeln handelte. Je nach Ergebnis drohen den Verantwortlichen disziplinarische und strafrechtliche Konsequenzen.
„Dieser Fehler ist inakzeptabel und untergräbt das Vertrauen in unseren Rechtsstaat“, kommentiert ein hoher Polizeibeamter unter Anonymität.
Internationale Fahndung läuft auf Hochtouren
Jetzt beginnt eine schwierige internationale Jagd. Die thailändische Polizei koordiniert sich eng mit den Behörden in Myanmar, um den Verdächtigen so schnell wie möglich zurück nach Thailand zu holen.
Das Ziel ist klar: Thonta Aung soll sich in Thailand vor Gericht für die ihm zur Last gelegten Taten verantworten. Die Familie des Opfers wartet auf Gerechtigkeit.
Ob und wann die Rückführung gelingt, ist jedoch ungewiss. Solche Verfahren können sich oft langwierig und kompliziert gestalten.
Was dieser Skandal für Thailand bedeutet
Der Fall ist ein schwerer Imageschaden für Thailands Sicherheitsbehörden. Er zeigt gefährliche Schnittstellenprobleme zwischen Polizei und Immigration auf.
Für die Öffentlichkeit wirft er die beunruhigende Frage auf: Wie sicher sind wir, wenn mutmaßliche Gewalttäter durch bürokratische Pannen einfach verschwinden können?
Die Aufklärung dieses Skandals ist nun nicht nur für die Gerechtigkeit im Einzelfall, sondern für die Glaubwürdigkeit des gesamten Systems von entscheidender Bedeutung.
🗣 Panne oder Systemversagen?
Ein Brief, der zu spät ankommt – und ein Tatverdächtiger ist außer Landes.
Wie robust sind Ermittlungen, wenn formale Abläufe wichtiger sind als Verdachtslagen?
Wer trägt Verantwortung, wenn Zuständigkeiten sich gegenseitig aufheben?
Und wie verhindert man, dass Opfer und Angehörige durch Behördenfehler ein zweites Mal leiden?



