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Big-Joke-Skandal weitet sich dramatisch aus

Big-Joke-Skandal weitet sich dramatisch aus
ThaiRath

BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei hat Korruptionsermittlungen im Umfeld des früheren Vize-Polizeichefs Surachate Hakparn ausgeweitet, während ein Schlüsselbeteiligter in Surat Thani von rechtswidriger Festhaltung und einer erzwungenen Aussage berichtet.

Ermittlungen gegen Umfeld von „Big Joke“

Die Anti-Corruption Division bestätigte, dass nun gegen vier Personen aus dem Umfeld von General Surachate Hakparn, bekannt als „Big Joke“, strafrechtlich vorgegangen wird. Zuvor waren am 26. Dezember Wohnungen und Arbeitsplätze mehrerer Verdächtiger durchsucht worden.

Surachate selbst hatte sich den Behörden gestellt, um bereits erhobene Vorwürfe zur Kenntnis zu nehmen. Laut Polizei gehören Handyaufzeichnungen und CCTV-Aufnahmen zu den zentralen Beweismitteln.

Goldbarren und Einfluss auf NACC-Entscheidung

Im Zentrum der Korruptionsvorwürfe stehen Goldbarren im Gewicht von 246 Baht, mit einem geschätzten Wert von über 10 Millionen Baht. Nach Angaben der Ermittler sollen sie eingesetzt worden sein, um eine Entscheidung der National Anti-Corruption Commission (NACC) zu beeinflussen.

Die Angelegenheit steht im Zusammenhang mit einer Ermittlung zu Online-Glücksspiel, die bei der NACC anhängig war. Wegen des mutmaßlichen Goldbarren-Einsatzes liegt seit dem 30. Dezember eine Bestechungsanzeige bei der Anti-Corruption Bureau vor, in der neben Surachate auch mehrere seiner mutmaßlichen Mitstreiter benannt werden.

Vorwürfe aus Surat Thani – Gärtner spricht von Zwang

Parallel rückte die südliche Provinz Surat Thani in den Fokus. Dort erhebt der 55-jährige ehemalige Gärtner Surasit Paekerd schwere Vorwürfe gegen Ermittler der Region. Er ist einer der in Bangkok namentlich genannten Verdächtigen und arbeitete früher für NACC-Kommissar Ekawit Wacharawalop in Surat Thani.

Am 25. Dezember seien Beamte der Investigation Division Region 8 in zwei schwarzen Fahrzeugen zu seinem Haus gekommen, begleitet von schätzungsweise sieben bis acht Polizisten. Nach seinen Angaben gaben sie an, wegen eines Drogendelikts zu ermitteln, und begannen gegen 13 Uhr mit einer Hausdurchsuchung, die bis etwa 16 Uhr gedauert habe.

Surasit erklärt, es seien keine illegalen Gegenstände gefunden worden und er sei davon ausgegangen, dass die Sache damit erledigt sei. Stattdessen sei die Situation eskaliert: Beamte hätten ihn angeschrien, in ein Fahrzeug gedrängt und ihm das Mobiltelefon abgenommen.

Berichtete Nacht in Polizeiwache und erzwungene Erklärung

Surasit gibt an, er sei anschließend zur Polizeistation Tha Chang gebracht und dort über Nacht im dritten Stock des Gebäudes festgehalten worden. Die anschließende Befragung habe sich nicht um Drogen gedreht, sondern um bestimmte Personen und Fahrzeuge.

Weiter berichtet er, ihm sei zunächst eine handgeschriebene Seite gezeigt und anschließend ein leeres A4-Blatt übergeben worden. Die Beamten hätten ihm den Text diktiert und verlangt, diesen wortgetreu abzuschreiben. „Es wurde gedroht, dass ich den Text so oft neu schreiben müsse, bis er fehlerfrei sei“, schildert er laut seinem späteren Bericht.

Er habe die Anweisungen befolgt, bezeichne das Dokument im Nachhinein jedoch als unfreiwillig verfasst. Über den genauen Inhalt schweigt er bislang. Nach eigenen Angaben erhielt er keine Kopie des Protokolls, obwohl er darum bat, und sei bis heute unsicher, ob er als Zeuge oder Beschuldigter behandelt wurde. Persönlich habe er General Surachate nie getroffen.

Gang zu Anwalt und Anzeige nach Enforced Disappearance Act

Aus Sorge um seine Sicherheit sei Surasit nach seiner Freilassung nach Bangkok gereist und habe dort den Anwalt Amorn Kusol kontaktiert. Am 29. Dezember kehrten beide zur Polizeistation Buppharam in Surat Thani zurück.

Dort trafen sie Police Lieutenant Colonel Thianwich Suusuk und erstatteten eine formelle Anzeige wegen mutmaßlich rechtswidriger Freiheitsentziehung. Laut dem Anwalt richtet sich die Beschwerde gegen Beamte der Region 8 und könnte unter den Enforced Disappearance Act fallen.

Der Jurist erklärte zudem, sein Mandant beabsichtige, weitere rechtliche Schritte gegen beteiligte Beamte einzuleiten und eine zusätzliche Beschwerde direkt bei der Region-8-Ermittlungsbehörde einzureichen.

Vier weitere Beschuldigte geladen

Währenddessen betont die Polizei, dass die Korruptionsermittlung unter Aufsicht hoher Kommandanten fortgesetzt werde. Vier weitere Verdächtige seien vorgeladen worden, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe formell zur Kenntnis zu nehmen: Ekawit Wacharawalop, Samart Konkaew, Sorapong Wongsuwan und Surasit Paekerd selbst.

Nach Angaben der Ermittler entsprechen die Anklagepunkte jenen, die General Surachate und ein weiterer Beschuldigter bereits anerkannt haben. Die Beweise würden von Spezialteams weiter ausgewertet, das Verfahren laufe aktiv.

Auftritt des Polizeichefs und zentraler Zeuge erwartet

Der Royal Thai Police Commissioner General soll nach Behördenangaben eine ausführliche Lageeinschätzung zu dem Fall präsentieren. Er wird gemeinsam mit Vertretern mehrerer beteiligter Behörden auftreten.

Ein wichtiger Zeuge, Police Colonel Pakphum Phismay, soll zusätzliche Informationen liefern. Beamte kündigten an, auch Zeitabläufe und operative Abläufe des Einsatzes darzustellen.

Surachate spricht von konstruiertem Verfahren

General Surachate hatte sich zuvor öffentlich verteidigt und behauptet, das Verfahren sei konstruiert. „Falsche Aussagen seien von ehemaligen Weggefährten gefördert worden“, ließ er wissen. Einige dieser Personen könnten nach seiner Darstellung eine Wiedereinstellung in den Polizeidienst anstreben.

Die Ermittler sind auf diese Vorwürfe bislang nicht im Detail eingegangen, betonen jedoch, dass das Verfahren nach etablierten Regeln geführt werde.

Breite Affäre mit weitreichenden Folgen im Polizeiapparat

Der Fall umfasst inzwischen mehrere Polizeiregionen, Korruptionsermittler und namentlich genannte Personen. Es geht um Bestechungsvorwürfe, umstrittene Haftbedingungen und den Einsatz von Goldbarren im Rahmen eines amtlichen Verfahrens.

Die Akten verweisen auf den Umgang mit Beweismitteln, die Befragung von Verdächtigen und die Rolle der NACC. Polizei und Anti-Corruption Bureau stützen sich dabei weiterhin auf aufgezeichnete Telefonate und Videoüberwachung.

Im Hintergrund steht, dass der Fall in den höchsten Ebenen der Polizei- und Aufsichtsstrukturen behandelt wird. Das Ergebnis hängt von der weiteren Beweiserhebung und den förmlichen Rechtsverfahren ab, während der frühere Gärtner aus Surat Thani mit Hilfe seines Anwalts die Vorgehensweise der Beamten weiterhin anfechtet.

Frühere Systemkritik durch Surachate

Bereits im Oktober hatte der Fall eine zusätzliche Dimension erhalten: Der Police Complaints Review Board (PCRB) empfahl damals strafrechtliche Schritte gegen 200 Beamte der Royal Thai Police, gestützt auf Vorwürfe, die ursprünglich von Surachate selbst zu systemischer Korruption erhoben worden waren. Unter den Betroffenen ist auch der frühere nationale Polizeichef General Torsak Sukwimol.

Die aktuelle Goldbarren-Affäre verschärft damit eine bereits seit Monaten schwelende Vertrauenskrise innerhalb der Sicherheitsbehörden.

🗣 Wenn Ermittler selbst ins Zwielicht geraten

Dieser Fall sollte Korruption aufdecken – nun steht die Frage im Raum, ob dabei selbst Grenzen überschritten wurden.

Was wiegt schwerer: der Verdacht auf Bestechung oder der Vorwurf, Aussagen unter Druck erzwungen zu haben?
Und was bleibt vom Vertrauen in Staat und Kontrolle, wenn am Ende niemand mehr weiß, wer Täter, Zeuge oder Opfer ist?

Ein Skandal, der nicht nur Personen betrifft – sondern das System.

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Quelle: Thai Rath

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