Bleiben oder gehen? Was Expats jetzt sagen

Mieten gestiegen, Steuern neu geregelt, Krankenversicherung teurer: Viele Langzeitbewohner rechnen gerade nach. Was die Zahlen wirklich sagen.

Bleiben oder gehen? Was Expats jetzt sagen
Gemini AI

Wer vor drei oder vier Jahren nach Thailand gezogen ist, hat das unter anderen Vorzeichen geplant. Die Rente reichte locker, die Steuerlage war bequem und die Wohnung viel billiger als wie in München. Heute sitzen viele Langzeitbewohner mit denselben Einnahmen vor einer anderen Rechnung – und fragen sich ernsthaft, ob die Entscheidung noch trägt.

Das ist keine Panikmache. Es ist eine Frage, die sich stellt, wenn man ehrlich nachrechnet. Dieser Artikel legt die wichtigsten Faktoren auf den Tisch: Kosten, Steuern, Visum, Alternativen. Keine Romantik, keine Horrorgeschichten – nur die Fakten, die für eine vernünftige Entscheidung nötig sind.

Was sich seit dem Umzug tatsächlich verändert hat

Mieten in expat-nahen Stadtvierteln Bangkoks sind laut Marktdaten in den Jahren 2024 und 2025 um acht bis zwölf Prozent gestiegen. Was früher für 20.000 Baht zu haben war, kostet inzwischen oft 22.000 Baht oder mehr. Wer damals mit einem fixen Budget kalkuliert hat, spürt das. Auch die Garküche um die Ecke hat mitgezogen: Ein einfaches Nudelgericht, das früher 40 Baht kostete, liegt jetzt bei 50 bis 60 Baht.

Das klingt nach Kleinigkeiten. Addiert man es über zwölf Monate, wird daraus ein spürbarer Unterschied – besonders für die, die mit einer festen deutschen Rente wirtschaften und deren Betrag sich nicht verändert hat, während der Wechselkurs und die Preise das schon haben.

Die Steuerfrage: Was wirklich gilt, Stand April 2026

Seit Januar 2024 gilt: Wer sich mehr als 180 Tage im Jahr in Thailand aufhält, ist steuerlich ansässig. Auslandseinkünfte, die nach Thailand überwiesen werden, müssen deklariert werden. Das ist keine neue Gesetzgebung – sondern eine schärfere Auslegung des bestehenden Revenue Code durch die Direktiven Por. 161 und 162 aus dem Jahr 2023.

Was viele in Online-Foren falsch darstellen: Thailand besteuert nicht das gesamte Welteinkommen. Nur Geld, das tatsächlich nach Thailand fließt, ist relevant. Wer monatlich 65.000 Baht überweist und über 65 Jahre alt ist, zahlt nach Anrechnung von Freibeträgen – Alterspauschale 190.000 Baht, persönlicher Freibetrag 60.000 Baht, Werbungskosten 100.000 Baht – in vielen Fällen null Baht Steuer. Die Freibeträge fangen einen Großteil ab. Wer größere Summen transferiert oder Kapitalerträge aus dem Ausland bezieht, sollte die Lage individuell prüfen lassen. Pauschale Aussagen helfen hier nicht.

Ein Entwurf des Revenue Department, der Auslandseinkünfte unter bestimmten Bedingungen wieder steuerfrei stellen würde, ist Stand April 2026 noch nicht im Royal Gazette veröffentlicht. Er gilt damit nicht als Recht. Wer Entscheidungen darauf aufbaut, trägt das Risiko selbst.

Das Doppelbesteuerungsabkommen und was es für Rentner bedeutet

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben jeweils ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Thailand abgeschlossen. Für Bezieher einer gesetzlichen deutschen Rente liegt das Besteuerungsrecht laut Artikel 18 des DBA beim Wohnsitzstaat Thailand – Deutschland zieht keine Quellensteuer ein. Anders bei Beamtenpensionen: Diese bleiben nach Artikel 19 in Deutschland steuerpflichtig, fallen in Thailand also kaum ins Gewicht.

Für Rentner mit normalen Bezügen ist die Steuerlage also weit weniger dramatisch, als manche Forendiskussionen vermuten lassen. Die meisten zahlen nach Freibetragsabzug wenig bis nichts. Was sich verändert hat, ist der administrative Aufwand: Erklärung einreichen, Konten sauber trennen, Herkunftsnachweise für Ersparnisse vor 2024 aufbewahren. Das kostet Zeit, aber kein großes Geld – sofern man es richtig angeht. Eine Steuerberatung mit Thailand-Erfahrung lohnt sich einmalig als Investition.

Was das Visum kostet – und was viele übersehen

Das Non-OA-Rentnervisum für Personen ab 50 Jahren verlangt entweder 800.000 Baht auf einem Thai-Konto oder ein monatliches Einkommen von mindestens 65.000 Baht. Dazu kommt eine Krankenversicherung mit einer Mindestdeckung von 3.000.000 Baht. Das ist seit Oktober 2021 Pflicht – und wird bei Verlängerungen konsequent geprüft.

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Was viele beim Einzug nicht einkalkuliert haben: Wer über 60 ist, zahlt für eine Krankenversicherung mit dieser Deckung jährlich schnell zwischen 100.000 und 140.000 Baht – je nach Alter und Anbieter. Das sind 2.700 bis knapp 3.800 Euro pro Jahr, die im ursprünglichen Budget vielleicht nicht standen. Wer erst mit 55 nach Thailand gezogen ist und inzwischen 68 ist, zahlt heute erheblich mehr als beim ersten Abschluss.

Die ehrliche Budgetfrage: Was reicht wirklich?

Wer in Bangkok oder Phuket lebt, westlich isst, europäische Produkte kauft und gelegentlich reist, kommt mit 60.000 Baht im Monat (rund 1.600 Euro) knapp durch. Mit 80.000 Baht lebt man komfortabel. Wer unter 50.000 Baht plant, muss kompromissbereit sein – und sollte die Krankenversicherung nicht vergessen.

Außerhalb der Touristenzentren sieht die Rechnung anders aus. Wer in Chiang Mai oder in der Provinz lebt, kommt mit 50.000 bis 60.000 Baht deutlich entspannter durch. Chiang Mai hat in den vergangenen Jahren zwar ebenfalls Preissteigerungen erlebt, liegt aber weiterhin spürbar unter Bangkok. Wer mit einer deutschen Durchschnittsrente plant, findet dort eher noch tragfähige Verhältnisse.

Wer wirklich über einen Wechsel nachdenkt

Umfragen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass mehr als 55 Prozent der befragten Expats ihre Langzeitpläne in Thailand überdenken. Gleichzeitig gaben 85 Prozent an, ihr Einkommen reiche für einen als gut oder ausreichend bewerteten Lebensstil. Das klingt widersprüchlich – ist es aber nicht. Man überlegt, ohne schon zu handeln. Die Schwelle ist hoch, denn ein Umzug bedeutet wieder von vorn: neues Land, neue Sprache, neues Netzwerk.

Wer dennoch konkret vergleicht, nennt vor allem Vietnam, Malaysia und Portugal. Vietnam bietet niedrigere Kosten, aber komplexere Visaregeln für Langzeitaufenthalte. Malaysia hat das Malaysia My Second Home-Programm (MM2H), das zuletzt strengere Anforderungen bekam. Portugal hat die Goldene Visa-Regelung für Immobilienkäufe abgeschafft, lockt aber weiterhin mit dem D7-Visum für Rentner mit stabilen Auslandseinkünften. Keine dieser Optionen ist einfacher als Thailand – sie sind anders.

Was jetzt zu tun ist – ob man bleibt oder nicht

Wer bleibt, sollte drei Dinge in Ordnung bringen: erstens die steuerliche Lage klären – Steuerpflicht prüfen, Freibeträge berechnen, Steuererklärung einreichen wenn nötig. Zweitens die Krankenversicherung auf die aktuelle Deckungspflicht prüfen, besonders wenn der Vertrag älter ist. Drittens die Kontodokumentation sauber halten – Ersparnisse vor 2024 getrennt von laufenden Einkünften aufbewahren, Kontoauszüge aus der Herkunftszeit sichern.

Wer ernsthaft über einen Wegzug nachdenkt, sollte nicht aus dem Bauch entscheiden. Thailand hat Schwächen bekommen, die früher nicht da waren – aber auch Stärken, die anderswo fehlen: das Gesundheitssystem in den Städten ist gut und erschwinglich, die Infrastruktur funktioniert, die Lebensqualität bleibt hoch. Was sich verändert hat, ist der Verwaltungsaufwand und die Kostenbasis. Das ist eine andere Qualität von Problem als ein kaputtes Land. Wer die Alternativen in Chiang Mai oder anderen Regionen noch nicht verglichen hat, sollte das tun, bevor er die Koffer packt.

Redaktionelle Hinweise

Dieser Artikel basiert auf dem Stand der Gesetze und verfügbaren Informationen vom April 2026. Steuerrechtliche Angaben ersetzen keine individuelle Beratung durch eine in Thailand zugelassene Steuerfachkraft. Kostenangaben sind Richtwerte und können je nach Lage, Lebensstil und Anbieter stark abweichen.

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2 Kommentare zu „Bleiben oder gehen? Was Expats jetzt sagen

  1. Für mich als deutscher ist das thailändische Steuersystem sehr gut
    Ich zahle für meine Rente und Kapitalerträge nur Steuern in Thailand, in Deutschland 0 €.
    Und das auch nur auf die nach Thailand überweisen Beträge
    Und die Steuererklärung ist ganz einfach

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