BANGKOK, THAILAND – Ein junger britischer Tourist ist in einem Hotel im Ausgehviertel von Bangkok unter ungeklärten Umständen gestorben, während Polizei und Gerichtsmediziner weiter auf das endgültige Obduktionsergebnis warten.
Tod im Hotel nach Nacht im Ausgehviertel
Der Brite Joshua Kershaw aus Grimsby (Grafschaft Lincolnshire) wurde am Dienstag, 13. Januar, tot in einem Zimmer des Hotels Maxim’s Inn an der Sukhumvit Soi 7/1 im Bezirk Watthana gefunden – mitten im dicht bebauten Nachtleben von Bangkok.
Weniger als zwölf Stunden zuvor hatten Kameras den jungen Mann gegen 5.45 Uhr beim Betreten des Hotels aufgezeichnet. Er trug zwei Bierflaschen und ging allein in sein Zimmer. Danach verließ niemand das Zimmer, und es wurde auch kein weiterer Besucher registriert.
Medizinischer Notfall in Bar – und Entlassung aus dem Krankenhaus
In der Nacht vor seinem Tod war Kershaw nach Zeugenaussagen in einer Bar direkt gegenüber dem Hotel. CCTV-Aufnahmen zeigen ihn dort mit einer Frau. Laut einem Zeugen trafen beide gegen 1.30 Uhr ein und setzten sich auf rote Stühle in einer Ecke nahe einem Billardtisch.
Kershaw bestellte Pizza, frittiertes Hühnchen und Bier – ausdrücklich für zwei Personen. Mitarbeiter berichteten, er habe sehr schnell gegessen und extrem hungrig gewirkt. Kurz darauf sei er vom Stuhl auf den Boden gestürzt und bewusstlos geworden.
Rettungsdienst gerufen
Die Begleiterin habe geschrien, Personal und Barbesitzer seien hinzugeeilt. Ein Mitarbeiter alarmierte den Rettungsdienst. Ein Krankenwagen des Chulalongkorn Hospitals brachte den Briten in die Klinik. Zeugen glaubten zunächst an Verschlucken, eine medizinische Diagnose lag vor Ort jedoch nicht vor.
Später bestätigte die Polizei, dass Kershaw im Krankenhaus behandelt und noch in derselben Nacht wieder entlassen wurde. Welche Behandlung erfolgte, ist bislang nicht bekannt.
Fund im Zimmer – Ermittler finden keine Spuren von Gewalt
Am Nachmittag des 13. Januar fiel Hotelangestellten auf, dass Kershaw nicht ausgecheckt hatte. Eine Zimmermädchen ging nachsehen, klopfte vergeblich und öffnete schließlich mit einer Generalkarte. Die Tür war nicht verschlossen.
Im Zimmer fand sie Kershaw leblos. Er atmete nicht, seine Haut sei blass gewesen. Sie rief umgehend den Notruf. Die Erawan-Notfallmediziner und Ärzte des Chulalongkorn Hospitals stellten nur noch den Tod fest. Die Polizeiwache Lumpini wurde um 15.16 Uhr informiert.
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Ermittler und ein Gerichtsmediziner sicherten den Raum. Laut Polizei gab es keine Anzeichen eines Kampfes, keine Spuren gewaltsamen Eindringens und keine sichtbare Unordnung im Zimmer. Kershaws Leichnam wurde für eine forensische Untersuchung vorbereitet.
Auffällige Spuren am Körper – Ursache weiter unklar
Bei der ersten Begutachtung stellten Beamte Blutergüsse auf der Rückseite seiner rechten Hand fest. Zudem sei feiner weißer Schaum um seinen Mund herum beobachtet worden. Die Bindehaut beider Augen sei auffallend blass gewesen, punktförmige Blutungen oder Verletzungen der Lippeninnenseite seien nicht festgestellt worden.
An seinem Handgelenk und Arm fanden Ermittler Krankenhausarmbänder, die mit der vorangegangenen Behandlung im Chulalongkorn Hospital in Verbindung gebracht wurden. Weitere medizinische Geräte oder Medikamente lagen im Zimmer nicht vor.
Der Leichnam wurde in das forensische Institut des Chulalongkorn Hospitals überführt. Die Polizei erklärte, die endgültigen Ergebnisse der Obduktion stünden noch aus, die Todesursache sei bislang nicht bestimmt.
Verwirrung um Alter und Namen
Die thailändische Polizei identifizierte Kershaw als britischen Staatsbürger aus Grimsby. Zunächst sei in Berichten von einem 21-Jährigen die Rede gewesen, später in einigen offiziellen Mitteilungen von 22 Jahren. Eine Klarstellung zu dieser Diskrepanz liegt bislang nicht vor.
Britische Medien griffen den Fall später auf und berichteten teils unter dem Namen Joshua James Sadler, während thailändische Behörden durchgehend von Joshua Kershaw sprachen. Eine Erklärung für die Namensabweichung ist nicht veröffentlicht worden.
Reisepläne, letzte Nachrichten und Suche über Kontinente hinweg
Nach Angaben der Familie war Kershaw am 12. Januar zu einem kurzen Urlaub nach Bangkok gereist und kurz nach der Ankunft im Maxim’s Inn eingecheckt. Der Bereich Sukhumvit Soi 7/1 ist für seine dichte Nachtleben-Infrastruktur bekannt.
Am Abend des 12. Januar hatte er sich zuletzt bei seiner Mutter gemeldet. In einer Nachricht schrieb er, er gehe etwas essen, und schickte später Fotos von Speisen. Anschließend folgten Bilder, auf denen er mit Bier zu sehen war – ohne eindeutige Wahrzeichen im Hintergrund.
Zuvor hatte er Angehörigen mitgeteilt, er wolle weiter nach Pattaya fahren. Dort traf er jedoch nie ein. Die Polizei in Pattaya hatte keinerlei Einträge zu ihm, später bestätigten Ermittler, dass er Bangkok nicht verlassen hatte.
Späte Todesnachricht – Familie erfährt erst acht Tage später
Während Kershaw bereits tot im Hotel lag, suchte seine Familie in Großbritannien mehr als eine Woche nach ihm, in der Annahme, er halte sich in Pattaya auf. Die Britische Botschaft in Bangkok war laut Polizei am 13. Januar nach der Tatortaufnahme informiert worden, Angehörige jedoch nicht umgehend.
Erst am 21. Januar erhielt die Familie die offizielle Nachricht. Die Information ging über Anna Mohammed, eine Familienfreundin, die zuvor eine Vermisstenanzeige gestellt hatte. Sie stand nach eigenen Angaben mit der Polizei in Pattaya in Kontakt, die zunächst keine Hinweise hatte, da Unterkunft und genauer Aufenthaltsort lange unklar geblieben waren.
In dieser Phase stuften britische Behörden Kershaw als Hochrisiko-Vermisstenfall ein. Britische Medien berichteten über sein Verschwinden und hoben die Verzögerung bei der Benachrichtigung der Familie hervor.
Spendenaktion und weiterer Besucher im Hotel
Parallel begann eine Spendenkampagne, die zunächst dazu dienen sollte, Angehörige zur Organisation der Suche nach Bangkok reisen zu lassen. Nach Bestätigung des Todes wurde das Ziel geändert: Die Gelder sollen nun die Überführung des Leichnams finanzieren. Bis zum Samstagabend waren 12.257 Pfund von 789 Spendern zusammengekommen.
Die Polizei bestätigte zudem, dass am 13. Januar später noch ein Mann im Hotel erschien und nach Kershaw fragte. Ihm sei mitgeteilt worden, dass Kershaw bereits verstorben sei. Zu Identität und Beziehung dieses Mannes machten die Behörden keine weiteren Angaben.
Ermittlungen dauern an
Die Ermittler haben Hotelpersonal und Zeugen befragt und werten weiterhin Überwachungsvideos aus. Hinweise auf eine äußere Gewalteinwirkung liegen nach bisherigen Angaben nicht vor.
Die Polizei erklärte, sie koordiniere sich mit den zuständigen Fachstellen. Solange der abschließende Obduktionsbericht nicht vorliegt, bleibt der Fall offen.
🗣 Wenn Stunden über Leben und Tod entscheiden
Ein junger Mann bricht zusammen. Er wird ins Krankenhaus gebracht. Wenige Stunden später kehrt er zurück. Am selben Tag ist er tot.
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